Die WHO zeigt sich “sehr besorgt” über die schnelle Ausbreitung des Ebolavirus in der Demokratischen Republik Kongo. Auch Uganda meldet Fälle. Ein infizierter US-Missionar soll in Deutschland behandelt werden.
Wegen der raschen Ausbreitung der Ebola-Infektionen im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo zeigt sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zunehmend besorgt.
Seit Beginn des neuen Ausbruchs gebe es mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Hinzu kämen 30 bestätigte Infektionen in der Provinz Ituri. Zudem gebe es in der ugandischen Hauptstadt Kampala eine bestätigte Erkrankung sowie einen Todesfall. Ghebreyesus sagte, er sei “sehr besorgt über das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Epidemie”.
Laut WHO hat es seit Beginn des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo mindestens 500 Verdachtsfälle und 130 mutmaßliche Todesfälle gegeben.
WHO-Expertengruppe berät über Impfstoffe
Die WHO hatte wegen der Ausbreitung des Virus, für dessen aktuelle Bundibugyo-Variante es keine zugelassenen Impfstoffe gibt, bereits eine gesundheitliche Notlage ausgerufen.
Eine Expertengruppe unter Leitung der WHO soll heute über mögliche Impfstoffe gegen die seltene und lebensbedrohliche Infektionskrankheit beraten. Auf der Agenda steht unter anderem das vom US-Pharmakonzern Merck hergestellte Vakzin Ervebo. Dieses ist eigentlich für die Zaire-Variante zugelassen, hat jedoch in Tierversuchen eine gewisse Schutzwirkung gegen den Bundibugyo-Erreger gezeigt.
US-Bürger wird nach Deutschland ausgeflogen
Wegen der Seuche soll ein infizierter Missionar aus den USA zur Behandlung nach Deutschland ausgeflogen werden. Die US-Behörden hätten die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-Staatsbürgers gebeten, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert habe, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit.
Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC soll der Missionar wegen der kürzeren Flugzeiten und den deutschen Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten nach Deutschland verlegt werden – ebenso wie sechs Kontaktpersonen mit hohem Ansteckungsrisiko. Zu ihrer Nationalität wurden keine Angaben gemacht.
Afrikanische Union ruft Notstand aus
Wegen des Ebola-Ausbruchs rief die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union für den gesamten afrikanischen Kontinent den Notstand aus. Die Behörde begründete den Schritt unter anderem mit dem “hohen Risiko einer regionalen Ausbreitung”. Das Risiko bestehe unter anderem wegen des “intensiven grenzüberschreitenden Personenverkehrs” und der “Mobilität im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten”.
Zudem führte die Behörde in ihrer Erklärung die unsichere Lage in den betroffenen Gebieten, unzureichende Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle sowie die räumliche Nähe der betroffenen Gebiete zu Ruanda und dem Südsudan an.
Ruanda hat mittlerweile seine Grenzen zur Demokratischen Republik Kongo geschlossen, um ein weiteres Übergreifen des Virus zu verhindern. Die Bekämpfung der Seuche wird unter anderem durch die Angriffe von regierungsfeindlichen Milizen im Osten des Kongo erschwert.

