Zum ersten Mal seit drei Jahren erstrahlt wieder der Weihnachtsbaum auf dem Krippenplatz in Bethlehem. Für viele Menschen ein emotionaler Moment. Sie sehnen sich nach einer friedlichen Vorweihnachtszeit.
Es ist der Moment, auf den die Menschen in Bethlehem lange gewartet haben: Unter großem Jubel werden die Lichter an dem riesigen Weihnachtsbaum auf dem Krippenplatz entzündet – zum ersten Mal seit drei Jahren. Viele der Besucher auf dem zentralen Platz in Bethlehem haben Tränen in den Augen.
“Das waren drei Jahre voller Traurigkeit, Desaster, Tote, Krieg, Jahre voller Leiden. Nun sind wir zurück, um die Vorweihnachtszeit zu feiern. Und wir hoffen sehr, dass dieses Weihnachten den Menschen Frieden, Freude und Gesundheit bringt”, sagt eine Frau. Ein Mann ergänzt: “Das Leben muss weitergehen. Es ist wichtig, dass wir wieder Weihnachten feiern. Das ist die Geburt Jesu. Aber nach zwei Jahren sind wir aufgeregt, wieder den beleuchteten Weihnachtsbaum zu sehen. Wir freuen uns auf dieses Weihnachten – hoffentlich ohne Ärger.”
“In den letzten zwei Jahren stand alles still”
Es ist ein schmaler Grat zwischen der Hoffnung, die viele seit Beginn der Waffenruhe im Gazastreifen haben, und der Realität, dass noch vieles fragil ist; dass die Situation in vielen palästinensischen Städten weiterhin schwierig ist.
Bethlehems Bürgermeister Maher Canawati blickt zurück: “In den letzten zwei Jahren stand alles still. Die Arbeitslosenquote schnellte von 14 Prozent auf 65 Prozent hoch. Die Armutsquote stieg zuletzt auf 65 Prozent”, sagt er. Viele hätten Bethlehem verlassen. “Wir haben rund 4.000 Einwohner verloren, darunter viele Akademiker mit Universitätsabschlüssen. Das bedeutet einen massiven Braindrain für Bethlehem, und das ist schlecht für die Stadt und für Palästina.”
Weiter Weg bis zur Normalisierung
Auch wenn in diesem Jahr in Bethlehem die Vorweihnachtszeit wieder feierlich begangen wird – bis zu einer Normalisierung ist es noch ein weiter Weg. Das spüren vor allem die Händler in der Stadt, die dringend auf den Tourismus und die Einnahmen angewiesen sind. Das weiß auch Joyce Giacaman. Ihr Vater betreibt einen alteingesessenen Familienbetrieb in der Milchgrottenstraße neben der Geburtskirche. Die Werkstatt und der Laden sind auf das traditionelle Olivenholzhandwerk spezialisiert.
Doch die Weihnachtskrippen verkaufen sich nur spärlich, berichtet Joyce Giacaman: “Nein, die Situation hat sich nicht verändert. Viele haben weiterhin Angst, wegen der Situation nach Bethlehem zu kommen. Wir arbeiten in dieser Branche und hoffen natürlich darauf, dass der Tourismus anzieht. Aber ehrlich gesagt, hat sich das Ganze nicht verbessert. Wir hoffen auf eine bessere Zukunft.”
“Wir brauchen diesen Frieden so dringend”
Doch nicht alle in Bethlehem sind glücklich darüber, dass viele wieder zur weihnachtlichen Normalität zurückkehren wollen. Angesichts von Hunderttausenden Vertriebenen im Gazastreifen, dem Leid und der Zerstörung, fällt es manchem schwer, echte weihnachtliche Freude aufkommen zu lassen.
Bethlehems Bürgermeister Maher Canawati hofft daher auf die weihnachtliche Botschaft der Hoffnung: “Wir senden sie von Bethlehem in alle anderen palästinensischen Städte, einschließlich Gaza, und von dort in die ganze Welt, um die Botschaft zu verbreiten: Wir wollen Frieden, wir wollen leben. Wir brauchen diesen Frieden so dringend, damit wir weiterhin in unseren Städten und in Palästina leben können.”


