Russische Behörden haben ukrainische Angriffe in der Stadt St. Petersburg und auf einen Reisebus auf dem Weg zur Krim gemeldet. Offenbar gab es mehrere Tote. Der ukrainische Präsident Selenskyj bestätigte einen Angriff auf ein Ölterminal.
In der von Russland annektierten Region Donezk sind nach Angaben der Besatzungsbehörden bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf einen Reisebus mindestens sieben Menschen getötet worden. Mindestens elf weitere Menschen seien verletzt worden. Die Angaben sind von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.
“In Jenakijewe wurde ein Linienbus auf der Strecke Moskau – Simferopol von einer Kampfdrohne angegriffen”, teilte Besatzungschef Denis Puschilin bei Telegram mit. Behördenangaben zufolge war der Bus auf der Strecke zwischen der russischen Hauptstadt und der ebenfalls von Russland annektierten Halbinsel Krim unterwegs.
Puschilin sprach von einem “weiteren Akt beispielloser, unmenschlicher Aggression”. Russlands Ermittlungskomitee leitete ein Verfahren wegen eines “Terroranschlags” ein.
Karte der Ukraine und Russlands, von Russland besetzte Gebiete sind hell schraffiert.
Drohnenangriff auf Ölterminal bei St. Petersburg
Ukrainische Drohnen trafen auch Energie- und Militäranlagen in St. Petersburg. “Mehrere” Infrastruktureinrichtungen seien beschädigt worden, dabei sei jedoch niemand getötet worden, teilte der Gouverneur der Stadt, Alexander Beglow, mit. Am Himmel waren dichte graue Rauchwolken zu sehen. Der größte Flughafen von St. Petersburg stellte wegen der Angriffe für mehrere Stunden seinen Betrieb ein.
Laut dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj war ein Ölterminal in St. Petersburg Ziel der Drohnenangriffe. Auch ein rein militärisches Ziel im Stadtbezirk Kronstadt sei getroffen worden, wo die russische Kriegsflotte ihren Stützpunkt in der Ostsee hat. Kiew zufolge zielten die Angriffe darauf ab, das dreitägige Wirtschaftsforum zu stören, an dem auch der russische Präsident Wladimir Putin teilnehmen soll.
Laut Selenskyj wurde auch eine Rüstungsfabrik in der zentralrussischen Oblast Tambow beschossen. In der dortigen Stadt Mitschurinsk seien unter anderem Nebengebäude eines Industriebetriebes, ein Wohnhaus und eine Bibliothek beschädigt worden, teilte der Gouverneur von Tambow, Jewgeni Perwyschow, mit. Verletzte gebe es nicht.
Konfliktparteien als Quelle
Angaben der Konfliktparteien oder von Beobachtern zum Kriegsgeschehen können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.
Vermehrt zivile Opfer
Die Ukraine betont immer wieder, in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg nur militärische Ziele zu attackieren. Bei den jüngsten Drohnenangriffen kam es auch vermehrt zu Opfern unter Zivilisten.
Russland überzieht die Ukraine seit Beginn des Krieges vor mehr als vier Jahren mit Luftangriffen, bei denen immer wieder Zivilisten sterben. Bei massiven russischen Angriffen mit Drohnen und Raketen starben erst am Dienstag in den ukrainischen Millionenstädten Kiew und Dnipro mehr als 20 Menschen. Es gab laut Behörden mehr als 100 Verletzte.
NATO-Generalsekretär in Kiew eingetroffen
Unterdessen meldete der ukrainische Eisenbahnbetreiber die Ankunft von NATO-Generalsekretär Mark Rutte in der Ukraine. Rutte sei am Morgen zu einem unangekündigten Besuch am Bahnhof in Kiew angekommen, teilte der Bahnbetreiber Ukrsalisnyzia in Onlinediensten mit. Der Besuch sei “äußerst wichtig” und eine “Geste der Solidarität und Unterstützung” der NATO für die Ukraine, hieß es.
Die NATO bemüht sich rund einen Monat vor ihrem Gipfel in Ankara darum, die Unterstützung für die Ukraine in ihrem Kampf gegen Russland aufrechtzuerhalten. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe zwischen Russland und der Ukraine liegen derzeit auf Eis.

