Marktbericht: Ölpreise geben deutlich nach – wie lange noch?

Marktbericht: Ölpreise geben deutlich nach – wie lange noch?


Marktbericht

Stand: 12.06.2026 • 14:56 Uhr

Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende im Nahen Osten bringt die Ölpreise ins Rutschen. Doch Experten warnen. Die globalen und regionalen Ölreserven seien niedrig und könnten weiter sinken.

Auch wenn noch nicht alles unter Dach und Fach ist – allein die Aussicht, dass es bald zu einem Friedensabkommen der USA mit Iran kommen könnte, sorgt zu Wochenschluss für gute Stimmung an den Finanzmärkten. US-Präsident Donald Trump kündigte zuletzt – wie schon oft in den vergangenen Wochen – eine baldige Verständigung mit Iran an. Ein Abschluss sei in den kommenden Tagen möglich, erklärte der Republikaner.

Die Notierungen für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI gaben seit Mittwoch jeweils um mehr als sieben Prozent auf 85,80 beziehungsweise 83,20 Dollar je Fass nach. Das sind die tiefsten Stände seit Mitte März beziehungsweise April. Das Vertrauen, dass letztendlich eine Einigung erzielt und die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, sei größer geworden, sagte Tamas Varga, Analyst bei PVM Oil Associates.

Öl spielt Schlüsselrolle für die Wirtschaft

Seit Beginn des Krieges Ende Februar waren die Ölpreise massiv nach oben geschnellt – zeitweise lag der Preis für Öl der Nordseesorte Brent bei 126 Dollar je Fass. Iran blockiert den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, über die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und Flüssigerdgas verschifft wurde.

Zudem sind Ölförderanlagen in der Region beschädigt worden. Auch das beeinträchtigt die Lieferungen. Es ist abzusehen, dass es noch Monate dauern wird, bis sich die Lage wieder normalisiert und die Infrastruktur wieder hergestellt ist. Das alles hat auch massive Auswirkungen für die konjunkturelle Entwicklung.

Bundesbank senkt Prognose

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft wegen der Folgen des Iran-Kriegs erst 2028 wieder ein spürbares Wachstum zu. Im laufenden Jahr bleibe der Konjunktur allein wegen der staatlichen Mehrausgaben ein Abrutschen in eine vorübergehende Rezession erspart, heißt es in der heute veröffentlichten halbjährlichen Prognose.

Für das laufende Jahr wird nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent erwartet. Im kommenden Jahr werde es nur noch ein Plus von 0,8 Prozent geben. “Die stark gestiegenen Energiepreise dämpfen die Kaufkraft der privaten Haushalte und ihre Konsumausgaben”, betonte Bundesbankpräsident Joachim Nagel.

Öltransporte auf neuen Wegen

Seitdem die Straße von Hormus für Öltanker faktisch gesperrt ist, nutzen wichtige Ölstaaten am Persischen Golf wie Saudi-Arabien zunehmend alternative Transportwege. Dabei wird mehr Öl aus den Fördergebieten über Pipelines geliefert. Auf diese Weise fließt mehr Öl zu Häfen am Roten Meer oder im Golf von Oman.

Andere Ölproduzenten haben ihre Exporte in den vergangenen Monaten deutlich gesteigert. Vor allem die USA haben bei den Liefermengen zugelegt. Zuletzt haben die Vereinigten Staaten täglich etwa fünf Millionen Barrel pro Tag an Rohöl exportiert. Im Jahresvergleich ist das eine Steigerung von fast 50 Prozent. “Das aktuelle Preisniveau macht die USA als globalen Öl-Exporteur wirtschaftlich wettbewerbsfähig”, heißt es in einem Kommentar der Dekabank.

Bereits zu Beginn des Iran-Kriegs hat die Internationale Energieagentur (IEA) als Interessenverband von Industriestaaten den Mitgliedsländern die Freigabe einer Rekordmenge an strategischen Ölreserven erlaubt, um die Folgen des Konflikts im Nahen Osten in Grenzen zu halten. Unter anderem haben die USA in großem Stil auf ihre Ölreserven zurückgegriffen. Ein Teil dieser Reserven sei dabei in andere Länder exportiert worden.

Das sind alles Maßnahmen, die dafür sorgen, dass der Ölpreis nicht ins Unermessliche steigt.

Lagerbestände sind rapide gesunken

Ungemach könnte jedoch von ganz anderer Seite kommen. Goldman Sachs schlägt Alarm. Nach Berechnungen der US-Bank sind die globalen Erdöl-Lagerbestände noch nie so schnell gesunken wie im Mai dieses Jahres.

Die Goldman-Zahlen passen zu den Aussagen von Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA). Birol hatte vor kurzem darauf hingewiesen, dass der Rückgang der Ölvorräte an Geschwindigkeit gewinne und der Markt deshalb auch bei einem Kriegsende bis zum Herbst “stark unterversorgt” bleiben werde.

DAX zu Wochenschluss deutlich im Plus

Die Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Friedensverhandlungen im Iran-Krieg hat die europäischen Aktienmärkte zum Wochenschluss derweil durchstarten lassen. Der DAX gewinnt in der Spitze mehr als zwei Prozent.

Aktien von Unternehmen aus dem Reisesektor legen deutlich zu. Das gilt für Papiere vom Reiseveranstalter TUI und von der Lufthansa. Der Flughafenbetreiber Fraport berichtet, dass die Zahl der Passagiere am Frankfurter Flughafen im Mai um 2,7 Prozent gestiegen war. Auch das kommt an der Börse gut an.

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