Britischer Künstler David Hockney im Alter von 88 Jahren gestorben

Britischer Künstler David Hockney im Alter von 88 Jahren gestorben

Stand: 12.06.2026 • 17:13 Uhr

Einer der einflussreichsten Vertreter zeitgenössischer Kunst ist tot: Mit 88 Jahren ist der britische Künstler David Hockney in London verstorben. Seine Werke erzielten auf Auktionen Rekordpreise.

Der britische Künstler David Hockney ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 88 Jahren “friedlich” in seiner Londoner Wohnung, wie seine Agentin mitteilte. In wenigen Wochen wäre er 89 geworden. Hockney gilt als einer der einflussreichsten europäischen Künstler der Gegenwart.

“David Hockneys bleibendes Vermächtnis spiegelt seine grundlegende Lebensfreude, seinen herausragenden Sinn für Humor, seine immense Großzügigkeit und seine forschende Neugierde wider”, heißt es in der Mitteilung seiner Agentin.

Hockneys Gemälde sind von einem Spiel aus kräftigen Farben und Licht geprägt.

Zwischen Hollywood und Europa

Vor allem seine Gemälde von im Sonnenlicht schimmernden Swimmingpools, geprägt von einem besonderen Spiel aus Licht und Farben, machten Hockney weltweit bekannt. Sie waren beeinflusst vom Sonnenreichtum im Süden des US-Bundesstaats Kalifornien, wo Hockey einen Großteil seines Lebens verbrachte.

Hockney wurde am 9. Juli 1937 in Bradford, einer Industriestadt im Norden Englands, geboren und wuchs in den Hungerjahren der Nachkriegszeit auf. Schon vor seinem Abschluss am Royal College of Art in London machte er von sich reden, und der Kunsthändler John Kasmin nahm ihn 1961 in die Riege seiner Künstler auf.

In der Folge zählte der junge Brite zu den aufstrebenden Stars in der pulsierenden britischen und amerikanischen Kunstszene der 1960er-Jahre und zog nach Hollywood. Los Angeles wurde seine neue Heimat. Später lebte Hockney abwechselnd in Europa und Kalifornien. Neue Inspiration fand er in den bewaldeten Hügeln seiner Heimatgrafschaft Yorkshire sowie auf den Feldern und zwischen den Bäumen der Normandie in Frankreich.

Hockney zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Genre-Schwerpunkte lagen in der Landschafts- und Porträtmalerei.

Rekorderlöse für Hockney-Werke

“Ich bin jeden Tag angeregt”, sagte Hockney 1979 der Los Angeles Times. “London hat viele triste Ecken, aber in Los Angeles finde ich nie etwas trist.” Der sonnige US-Staat bot ihm auch privat ungewohnte Freiheiten. Hockney machte nie ein Geheimnis daraus, dass er schwul war – selbst als Homosexualität in Großbritannien noch illegal war.

Hockney widmete in seinem Werk auch Männerkörpern dieselbe liebevolle Aufmerksamkeit, die Künstler seit Jahrhunderten dem weiblichen Akt zuteilwerden ließen. Freunde und Liebhaber standen häufig als Modelle vor der Kamera, und einige Bilder basierten auf Fotos aus Bodybuilding-Magazinen für Männer.

Seine Werke erzielten auf Auktionen hohe Preise. Das Bild “Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)” von 1972 etwa wurde 2018 bei Christie’s für 90,3 Millionen US-Dollar verkauft. Bis 2019 war es das teuerste auf einer Auktion versteigerte Bild eines lebenden Künstlers weltweit.

Hockney war neben der Malerei auch an weiteren Kunstformen interessiert. 2018 wurde ein von ihm gestaltetes Fenster in der Londoner Westminster Abbey enthüllt

“Matisse der Pop Art”

Seine Schwerpunkte lagen in der Landschafts- und Porträtmalerei, die unter anderem von Malern der Renaissance, dem englischen Maler J.M.W. Turner aus dem 19. Jahrhundert oder Pablo Picassos Experimenten im Kubismus beeinflusst war. Die britische Tate-Galerie bezeichnete Hockney einst als “vielleicht beliebtesten und vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts”.

“Sein großes Verdienst ist, dass er ernste Malerei mühelos wirken ließ”, schrieb der Kunsthistoriker Richard Morris im Onlinedienst X. “Die britische Kunst hat einen Giganten verloren.” Der Guardian würdigte Hockney gar als “Matisse der Pop Art”. Im Nachruf der Zeitung hieß es: “Er hat die simple Perfektion der Beatles – so wie sie den Klang der modernen Welt einfingen, fing er ihr Aussehen ein.” Er habe sich dem Trend zur Abstraktion seiner Zeitgenossen widersetzt und kompromisslos die Realität abgebildet. Seine Motive waren oft die Alltagsszenen der Konsumgesellschaft.

Bis zu seinem Tod blieb Hockney aktiv. 2015 wurden seine Werke in der Ausstellung “Painting and Photography” in der Galerie Annely Juda Fine Art in London gezeigt.

“Er rauchte bis zum Schluss”

Hockney, der sein Leben lang geraucht hatte, erlitt 2012 einen leichten Schlaganfall und wurde im Alter zunehmend schwerhörig – was seiner Aussage nach seine visuelle Wahrnehmung verbessert habe. “Wenn man einen Sinn verliert, gewinnen andere Sinne an Bedeutung, und ich habe das Gefühl, dass ich den Raum klarer wahrnehmen kann”, sagte er 2017 der Nachrichtenagentur AP.

Trotz seiner nachlassenden Gesundheit blieb Hockney bis zu seinem Tod künstlerisch aktiv. In der Londoner Serpentine Gallery werden derzeit neue Werke von ihm gezeigt, weitere Ausstellungen in der Tate Gallery und im Munch-Museum in Oslo waren zuletzt in Vorbereitung. 2012 zeichnete Queen Elizabeth II. Hockney mit dem britischen Verdienstorden aus, vor wenigen Monaten wurde er als einer der wenigen Nicht-Franzosen in die französische Ehrenlegion aufgenommen.

“Er rauchte bis zum Schluss”, hielt seine Künstleragentur fest.

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