Wenn die Babyboomer in Rente gehen, werden sie eine größere Lücke im Arbeitsmarkt hinterlassen als bisher angenommen. Davon geht eine IW-Studie aus, die der Bundesregierung einige Handlungsempfehlungen mit auf den Weg gibt.
Der Renteneintritt der Babyboomer-Generation wird den deutschen Arbeitsmarkt einer Prognose zufolge stärker treffen als zuletzt angenommen. “Am Ende fehlt ein Potenzial von mehr als vier Millionen Arbeitskräften”, heißt es in einer Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dem Evangelischen Pressedienst epd vorliegt.
Damit werde die Lücke um etwa 1,3 Millionen größer als bisher erwartet. Vor zwei Jahren sei die Prognose noch von einer Lücke von drei Millionen ausgegangen. Als einen Grund nennt das arbeitgebernahe Institut die Migrationspolitik der Bundesregierung.
Laut IW wird der letzte Jahrgang der Babyboomer 2036 das Rentenalter erreichen. Als Babyboomer oder Boomer werden die zahlenmäßig starken Geburtsjahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Der Zeitraum ist wissenschaftlich nicht klar definiert, oft wird 1946 bis ungefähr Mitte der 1960er-Jahre genannt. In der Bundesrepublik Deutschland begann der deutliche Geburtenanstieg etwas später als in anderen westlichen Industriestaaten.
Es sterben weit mehr Menschen als geboren werden
Die Bevölkerung schrumpfe schneller als angenommen, betont das Kölner Institut. 2024 habe man noch damit gerechnet, dass Deutschland bis 2040 wächst. Doch im vergangenen Jahr ging die Bevölkerungszahl laut dem Statistischen Bundesamt erstmals seit vielen Jahren wieder zurück.
2045 werden voraussichtlich nur noch etwa 81,1 Millionen Menschen in der Bundesrepublik leben – fast drei Prozent weniger als jetzt. Es sterben weit mehr Menschen als geboren werden.
Zuwanderung gleicht nicht mehr aus
Bislang wurde diese Entwicklung durch Zuwanderung wieder ausgeglichen, heißt es weiter. Allerdings sei die Zahl der Zuzüge stark gesunken. Als Gründe nennt das Institut unter anderem die “Migrationswende” der Bundesregierung. Außerdem habe das Interesse an Deutschland “auch wegen der anhaltenden Schwäche der Wirtschaft und wachsender Arbeitsmarktprobleme” abgenommen.
Die aktuelle Legislaturperiode sei “die letzte Chance, Maßnahmen einzuleiten”, um die Folgen der Babyboomer-Verrentung abzumildern, mahnt das IW. Die Fachkräftezuwanderung sei “ausbaufähig”. Die Erwerbsbeteiligung könne erhöht werden und es gebe Potenziale bei der Pro-Kopf-Arbeitszeit, so die Wirtschaftswissenschaftler. Sie schlagen außerdem vor, die Belastung mit Steuern und Sozialbeiträgen zu senken.

