FAQ
Seit Wochen gehen viele Albaner gegen ein Bauprojekt von Trump-Tochter Ivanka auf die Straßen. Der Protest gegen das geplante Luxusresort auf der Insel Sazan mischt sich mit allgemeiner Kritik an der Regierung. Was dahinter steckt.
Was ist auf der albanischen Insel Sazan geplant?
Auf der albanischen Mittelmeerinsel Sazan soll ein Luxus-Urlaubsresort entstehen. Vorgesehen ist die Umwandlung der unbewohnten Insel in einen glanzvollen Urlaubsort. Das Projekt, für das die albanische Regierung Ende 2024 die vorläufige Genehmigung erteilte, soll Hotels, Wohnungen, Villen und einen Jachthafen umfassen.
Sazan ist mit einer Fläche von weniger als sechs Quadratkilometern Albaniens größte Insel. Einst war sie eine Militärbasis, erst des faschistischen Italiens, dann des kommunistischen Albaniens.
Als Teil des Vorhabens soll auch ein der Insel gegenüberliegendes Gebiet auf dem Festland ausgebaut werden – und zwar der Strand bei dem Ort Zvernec in der Nähe der Lagune Vjosa-Narta. Die Lagune ist ein Naturschutzgebiet und ein bedeutendes Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos.
Wer steckt hinter den Plänen?
Generalunternehmer des Projekts ist die Firma Affinity Partners, hinter der Jared Kushner steht, Ehemann von US-Präsident Donald Trumps Tochter Ivanka. Die Familie von Trump hat weltweit in Luxusprojekte investiert.
Wie ARD-Korrespondent Oliver Soos berichtet, schwärmte Ivanka Trump von dem Projekt mit den Worten: “Es ist eine unglaublich schöne 1.400 Hektar große, private Insel in der Mitte des Mittelmeers. Wir waren auf dem Boot eines Freundes und haben dort einen Stopp gemacht, um zu schwimmen, und so haben wir die Insel entdeckt. Wir sind da hingeschwommen und bis zum Gipfel der Insel gewandert, und wir waren einfach fasziniert. Es gibt fünf Meilen Strand dort, schönen weißen Sand. Es gibt die Lagune auf der einen Seite und den Ozean auf der anderen Seite.”
Albanies Regierung gibt an, das Land sei in Privatbesitz, doch die Angaben zum Verlauf der Privatisierung sind widersprüchlich. Premierminister Edi Rama sagte, die Idee zu dem Projekt sei zufällig entstanden. Er habe in Südalbanien mit Kushner, Ivanka Trump und Freunden zu Abend gegessen, die im Hafen von Durrës einen Zwischenstopp zum Auftanken eingelegt hätten.
Monate später sei Kushner am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos auf ihn zugekommen und habe Interesse an Investitionen in Albanien geäußert. “Ihr Land ist absolut atemberaubend, und wir würden gerne nach einer Investitionsmöglichkeit suchen”, gibt Rama Kushners Worte wieder.
Im vergangenen Jahr hatten die albanischen Behörden das Immobilienprojekt auf Sazan zunächst beschleunigt, indem sie Kushner den Status eines “strategischen Investors” verliehen.
Warum gibt es Protest?
Kritik gibt es aus verschiedenen Gründen und an verschiedenen Akteuren. Von Beginn an gab es Bedenken über die Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt. Das betroffene Areal umfasst Ökosysteme, die als besonders wichtig und sehr sensibel gelten – und die laut Umweltschützern nachhaltig geschädigt werden könnten. Dazu gehören Rast- und Brutgebiete vieler Vogelarten, unter anderem von Flamingos.
Vor zwei Wochen intensivierten sich die Proteste plötzlich. Seitdem finden täglich Proteste statt – als Symbol tragen viele Demonstranten Bilder von Flamingos. Mittlerweile wird die Bewegung auch “Flamingo Revolution” genannt.
Auslöser für die Empörung über das Projekt war laut Aleksandr Trajce von der Umweltschutzorganisation PPNEA die Einzäunung eines Gebiets bei Zvernec. Als Baumaschinen und eine private Sicherheitsfirma eingesetzt wurden, sei die lokale Bevölkerung “richtig ärgerlich” geworden, sagte Trajce laut der britischen Zeitung Guardian. Nun gehe es nicht mehr nur um die Umwelt – jetzt gehe es um etwas “viel Größeres”.
Auch am Samstag versammelten sich wieder Tausende Demonstranten in Tirana vor dem Büro von Ministerpräsident Rama und trugen Schilder mit Aufschriften wie “Die Nation steht nicht zum Verkauf” und “Ich will kein Albanien wie Dubai”. Die Demonstranten fordern nicht nur einen Stopp des Projekts, sondern auch einen Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Unabhängig von dem Projekt Kushners, gibt es in Albanien schon lange Kritik an Rama, die ihm Intransparenz und ein zunehmend autoritäres Auftreten vorwirft.
Kritiker werfen Kushner und seiner Frau vor, die Präsidentschaft von Donald Trump für eigene Geschäfte zu nutzen. Der in kein politisches Amt gewählte Kushner nimmt für die US-Regierung wichtige diplomatische Aufgaben wahr. So ist er führend an den Verhandlungen zur Beendigung der Kriege in der Ukraine und in Nahost beteiligt. Premier Rama wies jedoch darauf hin, dass sich das Projekt zu einer Zeit angebahnt habe, als Donald Trump noch lange nicht im Amt gewesen sei.
Wie reagiert die albanische Regierung?
Trotz der heftigen Proteste hält Ministerpräsident Edi Rama an dem Projekt fest. Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft durch den Tourismus anzukurbeln. “Es gibt absolut keine Chance, dass die Investition gestoppt wird, solange ich hier bin.” Das Projekt werde große Investoren ins Land locken, sagte der Regierungschef. Für das relativ schwach entwickelte Land, das eine EU-Mitgliedschaft anstrebt, sei das Projekt von grundlegender Bedeutung.
Einwände von Umweltschützern wies Rama als unbegründet zurück. Der Ministerpräsident erklärte, dass noch keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet worden sei – obwohl bereits Rodungsarbeiten innerhalb eines Naturschutzgebietes begonnen haben.
Die Entwickler versprachen ihrerseits einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Der Fokus liege auf der Schaffung von Arbeitsplätzen und langfristigem Wert für die örtlichen Gemeinden, sagte Asher Abehsera, Vorsitzender des Partnerunternehmens Sazan Real Estate Development.
Premier Rama machte für negative Reaktionen teilweise Einmischung aus dem Ausland verantwortlich. So verwies er auf eine iranische Cyberkampagne gegen Albanien, die schon seit längerem andauere. Albanien hatte Mitgliedern einer iranischen Oppositionsgruppe Unterschlupf gewährt. Teheran wies die Vorwürfe zurück.
Wie ist das Verhältnis von Albanien zu den USA?
Das Verhältnis von Albanien und den USA gilt als freundschaftlich, um nicht zu sagen: eng. Albanien ist seit 2009 NATO-Mitglied und war das erste Balkanland, das dem Bündnis beitrat. Seit 2024 betreiben die USA in Albanien ein Spezialkräfte-Hauptquartier.
Albanien ist zudem Gründungsmitglied des umstrittenen, von Trump gegründeten Friedensrats. Trump gründete diesen ursprünglich, um Frieden in Nahost zu erreichen, erklärte aber später, er wolle weltweit Konflikte lösen. Die Mitgliedschaft, die ausschließlich auf Einladung Trumps erfolgt, ist auf drei Jahre begrenzt. Zahlt ein Staat eine Milliarde Dollar, erhält er einen ständigen Sitz. Die meisten europäischen Staaten haben die Mitgliedschaft abgelehnt, so auch Deutschland.

