Geglückter Raketenstart in Florida: Vier Menschen sind an Bord einer Orion-Raumkapsel auf dem Weg zum Mond. NASA-Chef Isaacman sprach von einer Basis für “gigantische Schritte”. Nach dem Start gab es einen Schreckmoment.
Nach mehr als 50 Jahren haben sich mit der Mission Artemis 2 wieder Astronauten – und diesmal auch eine Astronautin – auf den Weg zum Mond gemacht. Die Trägerrakete SLS mit vier Menschen in einer Orion-Raumkapsel hob am frühen Mittwochabend gegen 18.35 Uhr (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida ab. Sie erreichte Minuten später wie geplant eine Erdumlaufbahn.
Am Kennedy Space Center brach Jubel bei NASA-Mitarbeitern wie auch bei Schaulustigen aus, als die 98 Meter hohe Trägerrakete SLS (Space Launch System) startete. Von einem historischen Tag spricht ein junger Mann, ein Schauer laufe ihm über den Rücken.
Zahlreiche Beobachter halten den Moment des Starts mit ihren Handys fest.
“Der heutige Start ist ein entscheidender Moment für unsere Nation und für alle, die an Erforschung glauben”, sagte NASA-Chef Jared Isaacman. Artemis 2 sei der Start von etwas, das größer ist als nur eine Mission. “Es ist der Beginn unserer Rückkehr zum Mond, nicht nur zum Besuchen, sondern irgendwann auch zum Bleiben in unserer Mond-Station.” Man lege die Basis für die nächsten “gigantischen Schritte”.
Keine Landung auf dem Mond geplant
Kurz nach dem Start sei vorübergehend die Kommunikation zwischen den Astronauten an Bord der Orion-Kapsel – den US-Amerikanern Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie dem Kanadier Jeremy Hansen – und dem Kontrollzentrum auf der Erde abgebrochen, sagte Isaacman. Das Problem habe aber schnell wieder gelöst werden können und werde nun aufgearbeitet.
Fünf Minuten nach dem Start meldet sich Wiseman aus der Raumkapsel. Man habe einen wunderschönen Mondaufgang vor sich und fliege direkt darauf zu:
Bei der zehntägigen Mission ist eine Umrundung des Erdtrabanten geplant. Eine Landung auf dem Mond strebt die NASA für 2028 an. Artemis 2 soll dafür die Voraussetzungen schaffen. So soll die Crew bei der Umrundung des Mondes auch dessen Südpol für eine künftige Mondlandung auskundschaften.
Kein Kontakt auf der Rückseite des Mondes
Der Flugverlauf von Artemis 2 gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt könnten sie sich bis zu 406.000 Kilometer von der Erde entfernen – so weit wie keine Crew zuvor. Auf der Rückseite des Mondes wird der Kontakt zur Bodenkontrolle für kurze Zeit unterbrochen sein.
Die Orion-Kapsel fliegt größtenteils automatisch. Zu Testzwecken sollen die Astronauten aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.
Trump gratuliert NASA
US-Präsident Donald Trump hatte schon vor dem Start auf seiner Online-Plattform Truth Social kommentiert: “Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen – wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus.” Nach dem Start gratulierte er der NASA und den “mutigen” Astronauten zu Beginn einer Rede an die Nation. “Das war ganz schön beeindruckend.”
Kanadas Premierminister Mark Carney gratulierte Präsident Trump laut Mitteilung am Telefon zu dem erfolgreichen Start.
Freude auch bei der europäischen Raumfahrtbehörde
Viele private Raumfahrtunternehmen und internationale Partner sind bei dem Programm involviert, darunter auch die europäische Raumfahrtbehörde ESA. Sie steuerte unter anderem ein Servicemodul für die Orion-Kapsel bei. Auch die Teilnahme eines deutschen Astronauten ist für die Zukunft angedacht.
“Wir stehen an der Schwelle einer historischen Rückkehr”, sagte ESA-Chef Josef Aschbacher bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral. “Die NASA wird wieder Geschichte schreiben. Das ist sehr aufregend für uns alle.” Der deutsche Astronaut Alexander Gerst sagte, er glaube daran, dass es eines Tages eine europäische Forschungsstation auf den Mond geben werde. “Der Mond ist einfach unser nächster Begleiter. Das ist unser achter Kontinent im Prinzip.”
Zudem biete die Mondmission eine wichtige Perspektive, sagte Gerst weiter. “Die Faszination, dass man auch den nächsten Generationen zeigen kann: Wir können nicht nur Kriege führen hier auf der Erde, sondern wir können auch wieder was richtig Großartiges zusammen machen.”
Artemis-Programm mit ehrgeizigen Zielen
Das Artemis-Programm wurde während der ersten Amtszeit von Präsident Trump gestartet. Ziel ist eine dauerhafte Präsenz von Menschen auf dem Mond und die Vorbereitung späterer Missionen zum viel weiter entfernten Mars.
Bei der Mission Artemis 1 hatte 2022 ein unbemanntes Raumschiff den Mond umrundet. Nach jahrelangen Vorbereitungen sollte Artemis 2 ursprünglich im Februar starten, wegen technischer Probleme verzögerte sich dies jedoch.
Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 NASA-Astronaut Eugene Cernan mit der Apollo-17-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.
Mit Informationen von Astrid Corall, ARD Washington.

