15 Exzellenzuniversitäten soll es ab 2027 in Deutschland geben. Heute Abend fällt die erste Entscheidung, welche Unis dabei sein werden. Aber es gibt Kritik am Antragsverfahren und der Finanzierung.
Tilman Reitz blickt skeptisch auf die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Der Professor für Soziologie an der Universität in Jena engagiert sich im “Netzwerk Nachhaltige Wissenschaft”, das sich für gute Bedingungen in der Wissenschaft einsetzt. “Es wird Geld in den Ring geworfen und dann denken sich die Leute Forschungsthemen aus”, sagt der Wissenschaftler, “das bringt nicht unbedingt originelle oder solide Forschungsvorhaben hervor.”
Auch an der Finanzierung äußert Reitz Kritik. Denn der Grundgedanke des Wettbewerbs, mit exzellenten Universitäten die Hochschullandschaft zu bereichern, gehe nicht auf. Das deutsche Wissenschaftssystem sei schon wegen der finanziellen Ausstattung nicht in der Lage, international mitzuhalten. Denn das Budget von US-Spitzenuniversitäten wie Harvard liege um ein Vielfaches höher als das von deutschen Universitäten: “Das Geld reicht nicht, um Weltklasse-Universitäten hervorzubringen”, sagt er, “wir produzieren Hochglanz-Fassaden, bleiben aber im Mittelfeld.”
Am Wettbewerb gibt es schon lange Kritik
Ein Streit, der den Wettbewerb schon seit der Entstehung begleitet. Denn eigentlich sollten zunächst 1,9 Milliarden Euro auf höchstens drei Elite-Universitäten verteilt werden. So hatte es die SPD 2004 vorgeschlagen. Doch Bund und Länder diskutierten lange über Kosten und Finanzierung. Und einigten sich auf eine deutlich breitere Verteilung, damit Unis in möglichst vielen Bundesländern profitieren können.
Wolfgang Wick bewertet die Exzellenzstrategie als Erfolg. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftsrats, der die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern zusammen mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchführt. Der Wissenschaftsrat ist für die Exzellenzuniversitäten verantwortlich. “Wir sehen bei den Exzellenzuniversitäten einen größeren Erfolg in nationalen und internationalen Wettbewerben”, sagt Wick. Die Zusammenarbeit zwischen den Disziplinen gelinge an den Hochschulen gut. Auch Wissenschaftler in frühen Karrierephasen profitierten von den Forschungsgeldern. Die Kritik am aufwendigen Antragsverfahren nimmt er trotzdem ernst. “Es wird eine interne und externe Evaluation der Exzellenzstrategie geben.”
687 Millionen Euro stehen jährlich für die Exzellenzstrategie zur Verfügung. Der Bund übernimmt 75 Prozent. Die Strategie besteht aus zwei Förderlinien: den Exzellenzuniversitäten und den Exzellenzclustern, das sind Forschungsnetzwerke von mehreren Hochschulen. Im kommenden Jahr soll die Zahl der geförderten Exzellenzuniversitäten auf 15 aufgestockt werden. Die Förderung läuft dann bis Ende 2033.
Im Herbst fällt die Entscheidung, welche neuen Universitäten mit ihren Konzepten überzeugen können. Wie viele es werden, hängt davon ab, wer jetzt in der Förderung bleibt. Diese Entscheidung wird heute Abend getroffen. Neun Universitäten und ein Verbund sind im Rennen. Die Universität Konstanz kann nicht mehr teilnehmen, weil sie in der Förderlinie der Exzellenzcluster zuletzt nicht überzeugen konnte.
Mehr Grundfinanzierung statt Wettbewerb?
Professor Reitz wünscht sich, dass mehr Geld in die Grundausstattung fließt. Denn viele Hochschulen stehen zurzeit vor einer angespannten Finanzlage: “Wir bräuchten ein Programm, das den laufenden Betrieb sichern würde, und zwar inklusive exzellenter Forschung.”
Wick vom Wissenschaftsrat betont aber, dass die Gelder nicht ohne weiteres für die Grundfinanzierung von Hochschulen ausgegeben werden können: “Dazu müsste es Änderungen bei Bund-Länder-Vereinbarungen geben.” Eine bessere finanzielle Ausstattung der Universitäten könne nicht über eine Umwidmung der Exzellenzstrategie geschehen.
Der Streit über den Sinn und Zweck der Exzellenzstrategie wird den Wettbewerb also noch weiter begleiten – ebenso wie die Freude derjenigen, die sich heute über weitere Gelder freuen werden.

