Der Libanon bereitet sich auf den Besuch von Papst Leo XIV. vor, viele Menschen fiebern dem Ereignis entgegen. Das letzte Mal war ein Papst vor mehr als zehn Jahren zu Besuch, eine Reise mit Symbolkraft.
Aufbauarbeiten am Kloster und Kardinalssitz Bkerke nördlich der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dutzende Arbeiter wuseln über den Vorplatz, befestigen Absperrgitter, bauen eine riesige Bühne. Hier wird der Papst in wenigen Tagen die Jugend des Landes treffen.
Toni steht am extra aufgebauten Mischpult und macht letzte Soundchecks. “Hier werden sechs verschiedene Chöre auftreten, wenn der Papst kommt – und ein Orchester”, erzählt Toni. “So viele Leute! Ich bin aufgeregt, freu mich – und hab gleichzeitig Kopfschmerzen.”
Papst als Popstar?
Der Papst wird wie ein Star im Libanon erwartet – längst nicht nur Katholiken, sondern auch andere Christen und viele Muslime wollen das Kirchenoberhaupt persönlich sehen. Allein beim Jugendtreffen in Bkerke werden rund 15.000 Menschen erwartet. Bei der großen Abschlussmesse im Hafen von Beirut rechnen die Veranstalter mit bis zu 300.000 Besuchern.
Das dreitägige Programm ist straff durchgeplant. Nichts darf dem Zufall überlassen werden. “Es ist eine Ehre, dass der Papst kommt”, sagt Eventmanager Niman. “Wir sind Großveranstaltungen gewöhnt, aber das ist hier etwas anderes, eine große Verantwortung! Abends bete ich zu Jesus, ‘Hilf mir’, dann erst kann ich schlafen.”
Kardinal hofft auf Friedensbotschaft
Kardinal Bechara Boutros al-Rai ist das Oberhaupt der maronitischen Kirche, die mit Rom uniert ist. Für ihn ist der Besuch des Papstes im Libanon etwas ganz Besonderes – vor allem in diesen Zeiten. Seit dem Krieg vor einem Jahr gibt es immer noch fast täglich Luftangriffe aus Israel gegen die im Libanon mächtige Hisbollah-Miliz. Oft sterben dabei auch Zivilisten.
Die Waffenruhe existiert nur auf dem Papier. Viele Libanesinnen und Libanesen erhoffen sich daher vom Papst eine klare Friedensbotschaft – so auch Kardinal Rai im Interview mit der ARD. “Er kommt als Botschafter des Friedens, als Botschafter der Hoffnung für die Herzen”, so Kardinal Rai. “Viele Menschen brauchen Frieden: inneren Frieden, sozialen Frieden, politischen Frieden. Und der Libanon braucht diesen Frieden mehr als jedes andere Land.”
Reise mit Symbolkraft
Stolz ist der Kardinal, sind sie alle im Libanon, dass der Papst entgegen aller Bedenken kommt. Neben religiösen Terminen wie Gebeten an wichtigen heiligen Stätten wird Papst Leo in Beirut auch politische Gespräche führen und die Zivilgesellschaft treffen.
Die Reise hat Symbolkraft. “Das ist etwas Besonderes, vor allem weil die letzte Libanon-Reise eines Papstes 2012 war”, sagt Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Damals war es die letzte Reise von Papst Benedikt. Papst Franziskus war nie im Libanon. “Es ist, glaube ich, ein Anliegen von Papst Leo, seinem ersten Wort nach seiner Wahl Taten folgen zu lassen, als er sagte ‘Der Friede sei mit euch allen’.” Er wolle eine Botschaft des Friedens setzen im Libanon, so Kopp.
Besucher aus der ganzen Welt
Aus der ganzen Welt reisen Ausgewanderte an, um den Papst im Libanon zu sehen. Sogar aus Australien hat sich eine ganze Jugendgruppe auf den Weg gemacht – Jugendliche aus Sydney mit libanesischen Wurzeln. Mitgereist: der maronitische Bischof aus Sydney. “Australien ist zwar geographisch weit weg, aber selbst die zweite und dritte Generation ausgewanderter Libanesen ist doch noch sehr mit der Heimat verbunden”, berichtet der Bischof. “Als wir spontan eine Delegation zusammengestellt haben, hab ich mit vielleicht zehn Mitreisenden aus Australien gerechnet – jetzt sind wir 50 Leute.”
Auf dem Vorplatz des Klosters von Bkerke stimmt der Ton. Zufrieden pegelt Soundmeister Toni noch ein bisschen die Musik leiser. Alles soll harmonisch klingen, wenn der Papst aus dem Flieger steigt und das kleine, krisengebeutelte Land für drei Tage ins Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit gerät – in der Hoffnung, dass es friedlich bleibt im Libanon.


