Bilanz nach einer Woche: Warum die 12-Uhr-Regel an Tankstellen nicht wirkt

Bilanz nach einer Woche: Warum die 12-Uhr-Regel an Tankstellen nicht wirkt

Stand: 09.04.2026 • 06:25 Uhr

Seit einer Woche gilt an Zapfsäulen: Preise dürfen nur noch einmal täglich um 12 Uhr steigen, danach nur sinken. Das soll den Preisanstieg durch den Iran-Krieg bremsen – hat aber bisher keinen Erfolg.

Martin Rottach

2,43 Euro pro Liter Diesel. Das steht ganz oben auf der Anzeigentafel der Tankstelle bei Stuttgart. Eine hohe Summe und doch ist die Tankstelle gut besucht um 11 Uhr vormittags. Denn die Sorge vor noch höheren Preisen tankt hier immer mit. Trotz der neuen Regel, dass die Preise nur noch einmal am Tag angehoben werden dürfen. Sie gilt seit genau einer Woche und sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Preise nicht weiter so stark steigen.

Aber war das auch erfolgreich? Die Kunden der Stuttgarter Tankstelle finden das nicht. “Günstiger ist es nicht geworden dadurch, eher teurer”, sagt Monika Trick. Ramona Konrad überlegt ständig, welches die beste Zeit zum Tanken ist, wie sie sagt. Heute sei sie einfach auf gut Glück hergefahren.

Tankstellenbetreiber lehnen neue Regel ab

Tankstellen-Inhaber Diethelm Jaspers betreibt insgesamt vier Tankstellen im Stuttgarter Speckgürtel. Er lacht bei der Frage nach dem Erfolg der neuen Regel. Diese sei ein Witz. “Mir war es lieber, wenn die Mineralölkonzerne mal etwas hoch und mal etwas runter gehen. Jetzt gehen sie hoch und nicht mehr so viel runter.” Jaspers sagt, es sei derzeit eine schleichende, aber kontinuierliche Erhöhung der Preise. Er müsse derzeit viel mit der Wut und dem Schimpfen seiner Kunden umgehen, könne aber selber nichts dafür. Die Preise mache schließlich der Mineralölkonzern und nicht er.

Thomas Zens hat eine freie Tankstelle in der Nähe von Karlsruhe. Auch er bekommt den Unmut seiner Kunden derzeit zu spüren. Dabei darf er die Preise selber erhöhen und richtet sich dabei einerseits nach den Einkaufspreisen beim Großhändler und andererseits nach seiner direkten Konkurrenz. Immer um Punkt 12 am Mittag gebe er seine Preise auf Verdacht ein, sagt er. “Ich habe wirklich keinen Anhaltspunkt, ich weiß auch nicht, was die Mitbewerber machen.” Also gibt er meistens acht bis zehn Cent mehr ein und schaut dann, was die anderen machen. Gegebenenfalls passe er dann die Preise nach unten an. Für ihn sei das jedes Mal ein fürchterliches Gefühl.

ADAC sieht keine Verbesserung

Die Preise nur noch einmal am Tag zu erhöhen, habe nichts gebracht, heißt es auch vom ADAC. Der Automobilklub hat die Spritpreise seit Beginn des Iran-Kriegs bis heute verglichen. Das Ergebnis: Die Preise sind dauerhaft gestiegen, auch in den letzten sieben Tagen, also seit Inkrafttreten der neuen Regel.

Der ADAC sehe sich in seiner Befürchtung bestätigt, so eine Sprecherin: “Wenn man den Mineralölkonzernen nur noch einmal am Tag die Möglichkeit gibt, die Preise zu erhöhen, dann überziehen sie ein Stück weit und preisen damit einen gewissen Risikoaufschlag mit ein.”

Ökonom Feld gegen staatliche Eingriffe

Braucht es also noch mehr staatliche Regulierung? Diskutiert wird ein bunter Strauß von Maßnahmen. Etwa mögliche Steuersenkungen auf Mineralöl und Sprit, eine Preisdeckelung für die Mineralölkonzerne, eine Abschöpfung von sogenannten Übergewinnen oder eine Erhöhung der Pendlerpauschale. Tankstellenbetreiber Diethelm Jaspers wünscht sich vor allem eine Steuersenkung durch den Staat und hofft, dass die Preise so rasch sinken. Von einem Preisdeckel halte er nichts.

Der Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld von der Universität Freiburg rät dem Staat generell von solchen Eingriffen ab. Sie seien wenig zielführend. “Es ist dringend erforderlich, die Preisbewegungen wirken zu lassen, weil das dann zu den Einschränkungen im Verbrauch führt, die man braucht.” Also nach dem Motto: Der Markt regelt Angebot und Nachfrage selbst. Feld kritisiert, dass seit Corona die Rufe nach staatlicher Hilfe immer sehr schnell kämen. Diese sei aber nicht immer auch wirklich sinnvoll.

Höhere Preise trotz Waffenruhe

Die Ankündigung einer Waffenruhe im Iran-Krieg hat die Rohölpreise an den internationalen Märkten teils drastisch fallen lassen. Die Spritpreise hingegen wurden um 12 Uhr wieder angehoben. An der Stuttgarter Tankstelle von Diethelm Jaspers zwar nur um einen Cent beim Liter Diesel, dagegen um ganze 7 Cent pro Liter Super. Der Tankstellenbetreiber sagt, dass die Nahost-Nachrichten noch keinen Einfluss auf die Preispolitik Einfluss gehabt hätten.

Der Ökonom Lars Feld geht davon aus, dass es noch eine Weile dauert, bis der Preis an den Zapfsäulen fällt. “Ich wäre schon froh, wenn wir das innerhalb einer Woche spüren würden. Ich gehe aber eher davon aus, am Ende dieser zweiwöchigen Waffenruhe.” Ob und wann der Spritpreis wieder auf ein Niveau wie vor dem Krieg fallen wird, das hängt laut Feld davon ab, ob es im Iran einen langfristigen Frieden gibt.

Elektromobilität dürfte profitieren

Zumindest einen Profiteur des teuren Sprits könnte es geben, glaubt der Wirtschaftsexperte. Der Absatz von Elektroautos könnte einen Schub erfahren. “Meines Erachtens sind solche Preissteigerungen viel wirkmächtiger als alle Subventionen, die wir bisher gesehen haben.”

Auch von Subventionen für Elektroautos rät Feld deshalb ab – man solle eher die Preise am Markt wirken lassen. Durch die aktuell hohen Spritpreise dürften nach seiner Einschätzung viele auf ein Elektroauto umsteigen.

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