DNA-Analyse zeigt: Spätburgunder gab es schon vor 500 Jahren

DNA-Analyse zeigt: Spätburgunder gab es schon vor 500 Jahren

Stand: 24.03.2026 • 17:02 Uhr

Die DNA-Analyse von Traubenkernen aus archäologischen Ausgrabungsstätten ermöglicht einen Blick auf Jahrtausende Weinbau-Geschichte in Frankreich. Sie zeigt: Spätburgunder gab es schon vor 500 Jahren.

Sie sind winzig klein, und in jeder heutigen Kompostanlage innerhalb von Wochen oder Monaten verschwunden – und trotzdem haben Archäobotaniker Traubenkerne gefunden, die einige Hundert, sogar einige Tausend Jahre alt sind. Wenn sie unter Luftabschluss in feuchtem Boden liegen, bleibt sogar ihre DNA erhalten.

Alte Wein-Gene – bis heute wertvoll

Der Molekular-Archäologe Ludovic Orlando von der Paul-Sabatier-Universität in Toulouse hat das Erbgut aus Traubenkernen so genau analysiert wie nie zuvor und konnte damit die Geschichte des Weinanbaus in Frankreich neu schreiben. “Bei früheren Arbeiten wurden von historischen Traubenkernen nur etwa 10.000 DNA-Bausteine analysiert, aber das Erbgut enthält 500 Millionen Bausteine. Unser Ziel war, sie alle zu analysieren. Und frühere Studien haben sich auf die Zeit von vor 2.500 Jahren bis vor 1.000 Jahren konzentriert. Wir haben die Zeit von vor 4.300 Jahren bis ins 15. Jahrhundert und weiter in die Moderne betrachtet.”

So machte er eine erstaunliche Entdeckung beim Vergleich der DNA aus einem mittelalterlichen Traubenkern mit einer Datenbank heutiger Rebsorten. “Die DNA eines nordfranzösischen Traubenkerns aus dem 15 Jahrhundert ist genetisch identisch zu einem heutigen Spätburgunder-Weinstock; wir haben jeden einzelnen DNA-Baustein analysiert.” Das Erbgut einer Pflanze, die im 15. Jahrhundert wuchs, wurde durch Stecklinge – also Klone – bis heute erhalten. Daneben gibt es allerdings heute weitere Varianten des Spätburgunders (Pinot noir), einer der wirtschaftlich bedeutendsten Rebsorten in Frankreich.

Internationale Ahnen des französischen Weins

Für die jetzt publizierte Wein-DNA-Studie wurden Kerne aus 49 Fundstätten untersucht. Die ältesten kamen nur von wildem Wein. Um das Jahr 600 vor unserer Zeitrechnung brachten Griechen die ersten gezüchteten Weinstöcke nach Südfrankreich, wo sie die Stadt Marseille gründeten.

In den folgenden 100 Jahre entstanden die ersten französischen Rebsorten durch die Kreuzung mit wildem Wein. “Wir wissen nicht, ob das absichtliche Kreuzungen waren oder Zufall”, sagt der Archäobotaniker Laurent Boudy von der Universität Montpellier. “Vermutlich wurden sie verwendet um die Rebsorten zu verändern, etwa für einen Verwendungszweck, oder um sie an die ökologischen Bedingungen anzupassen.” Die neuen Sorten wurden als Stecklinge über weite Distanzen gehandelt, bis nach Nordfrankreich.

Die DNA-Analysen zeigen, dass im Lauf der Jahrhunderte Wein-Erbgut von der Levante, aus Anatolien, dem Kaukasus und Spanien in französische Rebsorten eingeflossen ist.

DNA-Archäologie mit Zukunftsperspektive

Bevor man die DNA analysieren konnte, waren so detaillierte Analysen unmöglich. Unter dem Mikroskop kann man nur Größe und Form der Kerne unterscheiden. “Wir können wilden Wein von gezüchteten Rebsorten unterscheiden. Und aus historischen Texten und Ausgrabungen wussten wir viel über Weinanbau, -herstellung und -handel, aber kaum etwas über die Pflanzen”, sagt Laurent Baudy. Und mit dem Mikroskop findet man auch nicht heraus, wie aus wildem Wein ertragreiche, domestizierte Sorten gezüchtet wurden. Aber mithilfe von DNA-Analysen ist das jetzt möglich.

Die Analysen erlauben aber nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sagt Ludovic Orlando. “Wir könnten vielleicht unter den früheren Varianten welche finden, die nützlich sind für heutige Sorten. Oder zukünftige, in Anbetracht beispielsweise der globalen Erwärmung und dem Artenverlust durch die massive Anwendung von Pestiziden.”

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