Folgen des Iran-Kriegs: Banken erhöhen die Bauzinsen

Folgen des Iran-Kriegs: Banken erhöhen die Bauzinsen

Stand: 31.03.2026 • 08:10 Uhr

Wer für Hausbau oder Wohnungskauf einen Kredit benötigt, muss mit höheren Kosten rechnen. Der Krieg im Nahen Osten treibt nicht nur die Baukosten in die Höhe. Auch die Bauzinsen sind zuletzt deutlich gestiegen.

Anne-Catherine Beck

Max Herbst, Leiter der Frankfurter Finanzberatung FMH, beobachtet die Entwicklung mit Sorge: “Die Bauzinsen sind seit dem Iran-Krieg um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte teurer geworden. Das kam ein bisschen unerwartet, weil man eigentlich eher von einer Seitwärtsbewegung ausgegangen war.”

Die Tatsache, dass die Bauzinsen gestiegen sind, hat in erster Linie mit den Renditen am Anleihemarkt zu tun, weil Banken durch den Anstieg selbst mehr Kapital für die Refinanzierung der Kredite brauchen. Wegen der wachsenden Sorgen vor einer weiteren Eskalation des Iran-Kriegs sind die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen zuletzt auf über drei Prozent, den höchsten Stand seit 15 Jahren, geklettert.

Das wirkt sich direkt auf die Bauzinsen aus, erklärt Jörg Utecht, Leiter der Baufinanzierungs-Beratung Interhyp: “Der Iran-Konflikt bringt massive Energiekosten-Risiken mit sich. In Erwartung einer anhaltend höheren Inflation, fordern Investoren höhere Renditen für Staatsanleihen. Und das verteuert im nächsten Schritt die Refinanzierung für Banken und damit die Zinsen für Immobilienkredite.”

Banken passen Kredit-Konditionen an

In der Folge haben zuletzt gleich mehrere Banken ihre Konditionen nach oben angepasst. Das zeigt eine Auswertung der Frankfurter Finanzberatung FMH unter mehr als 200 Banken und Kreditgebern. Demnach liegen die Zinsen für zwanzigjährige Immobilienkredite im Schnitt zurzeit bei 4 Prozent. Bei einer zehnjährigen Zinsbindung bei 3,8 Prozent. Vor Beginn des Krieges lagen diese noch bei 3,6 Prozent.

Auch wenn der Anstieg Experten zufolge noch überschaubar sei, schlägt er sich bereits in den monatlichen Kreditkosten nieder. Utecht macht das anhand einer Rechnung deutlich: “Bei einer durchschnittlichen Kreditsumme von 340.000 bedeuten diese 0,2 Prozentpunkte Unterschied bereits eine Mehrbelastung von rund 600 Euro im Jahr.”

Je mehr Eigenkapital, desto besser der Zins

Utecht weist darauf hin, dass der genaue Zinssatz, den Häuslebauer angeboten bekommen, jedoch sehr individuell sei. Grundsätzlich gelte das Prinzip: “Wer viel Eigenkapital mitbringt, bekommt bessere Konditionen. Wer wenig Eigenkapital mitbringt, sieht häufig eine Vier vor dem Komma beim Zins.”

Experten fürchten, dass die Bauzinsen in der nächsten Zeit weiter ansteigen könnten. Allerdings nicht so stark, wie es nach Beginn des Krieges in der Ukraine der Fall war. Damals sind die Zinsen innerhalb weniger Monate um mehr als zwei Prozent gestiegen, so Herbst: “Aber wir haben garantiert nicht das Problem wie 2022, als der Zinssatz in kürzester Zeit von einem Prozent auf drei und zum Teil sogar vier Prozent gestiegen ist.”

Kaufinteressierte stellt das trotzdem vor die entscheidende Frage: Ist es sinnvoll, jetzt noch schnell die Finanzierung zu sichern – oder ist es besser, abzuwarten und zu hoffen, dass die Zinsen wieder fallen?

“Schnell handeln und genau vergleichen”

Utecht rät Kaufinteressierten zum schnellen Handeln: “Wer seine Traumimmobilie gefunden hat, sollte nicht auf sinkende Zinsen spekulieren. Das aktuelle Niveau ist im historischen Vergleich immer noch moderat. Wichtiger als das Warten ist das Vergleichen. Gerade, weil der Markt so unruhig ist, unterschieden sich die Angebote oft massiv.“

Laut FMH liegt die Spanne zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot bei zehnjährigen Darlehen derzeit bei 1,55 Prozentpunkten. Wer also intensiv vergleicht, habe die Möglichkeit Kosten im fünfstelligen Bereich einzusparen.

Einige werden neu kalkulieren müssen

Branchenkenner erwarten trotzdem, dass der bislang moderate Anstieg bei den Bauzinsen dazu führt, dass Häuslebauer und Kaufinteressierte ihre Projekte überdenken und ihre Finanzplanungen neu kalkulieren müssen.

Es sei auch nicht auszuschließen, dass der eine oder andere sein Haus-Projekt erst einmal gänzlich auf Eis legen muss.

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