Nur Stunden nach Eintritt der Waffenruhe im Iran-Krieg hat Israels Armee den Kampf gegen die Hisbollah-Miliz intensiviert. Behörden melden Dutzende Tote. Zur Frage, ob der Libanon Teil des Abkommens ist, gibt es widersprüchliche Angaben.
Ungeachtet der Waffenruhe im Iran-Krieg setzt Israel seine Angriffe im Libanon weiter fort. Israels Armee verkündete am Nachmittag den “größten koordinierten Angriff” auf Ziele der Terror-Miliz Hisbollah, seit diese Anfang März an der Seite des verbündeten Iran in den Krieg mit eingestiegen war.
Demnach griff die Armee in der Hauptstadt Beirut, im Osten sowie im Süden des Nachbarlandes mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der Miliz an. Israels Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem “Überraschungsangriff”, der Hunderte Hisbollah-Mitglieder getroffen habe.
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete mindestens 112 Tote und mehr als 800 Verletzte. Weitere Opfer würden noch unter den Trümmern zerstörter Gebäude vermutet, hieß es. Die Hisbollah verurteilte die Angriffe als “barbarische Aggression” und kündigte Vergeltung an.
Netanjahu und Trump widersprechen Pakistan
Zuvor hatte Israels Premier Benjamin Netanjahu erklärt, dass die Waffenruhe zwar für Iran gelte, aber nicht für Israels Einsätze im Libanon. Er widersprach damit Äußerungen aus Pakistan, das in dem Konflikt als Vermittler auftritt. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hatte betont, dass die Vereinbarung von USA und Iran auch für den Libanon gelte.
Am Nachmittag bekräftigte allerdings auch US-Präsident Donald Trump die israelische Position. Im Fernsehsender PBS sagte er, der Libanon sei wegen der Hisbollah-Miliz nicht in das Abekommen einbezogen worden. “Das ist eine separate Auseinandersetzung”, sagte Trump.
Mehr als eine Million Vertriebene
Bei der Bevölkerung im Libanon habe es angesichts der widersprüchlichen Angaben Verwirrung und Frustration gegeben, sagte ARD-Korrespondentin Vera Rudolph aus Kairo auf tagesschau24. Die Menschen seien verzweifelt, sagte sie, und die humanitäre Lage drohe sich weiter zu verschärfen. Inzwischen gäbe es im Land mehr als eine Million Vertriebene.
Beobachter hätten schon seit Kriegsbeginn befürchtet, dass Israel im Libanon seine eigenen Ziele verfolge, sagte Rudolph: “Eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah, eine vollständige Zerschlagung ihrer militärischen, ihrer finanziellen Strukturen”, sagte sie. “Deshalb ist nicht davon auszugehen, dass die Waffen in den nächsten Tagen oder womöglich Wochen im Libanon schweigen werden.”
Hisbollah griff an Irans Seite in Krieg ein
Nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hatte auch die mit Iran verbündete Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel abgefeuert. Israel und die Hisbollah lieferten sich seitdem nahezu täglichen Beschuss. Israels Armee begann außerdem einen Bodeneinsatz im Südlibanon und erklärte das Ziel, nach dem Ende des Krieges eine Pufferzone im Grenzgebiet einzurichten. Bei den Auseinandersetzungen kamen seit Kriegsbeginn mehr als 1.500 Menschen ums Leben.

