Krise am Himmel: Iran-Krieg stellt Airlines vor Probleme

Krise am Himmel: Iran-Krieg stellt Airlines vor Probleme

Stand: 27.03.2026 • 13:24 Uhr

Teures Kerosin und geopolitische Spannungen – der Krieg im Nahen und Mittleren Osten stellt Fluggesellschaften vor große Herausforderungen. Was heißt das für Airlines und Reisende?

Sebastian Schreiber

Einmal Volltanken bevor es losgeht – für einen Jumbo-Jet bedeutet das: Mehr als 200.000 Liter Kerosin fließen in die Tanks des Flugzeugs. In Folge des Krieges im Iran ist der Preis für den Kraftstoff jedoch in die Höhe geschossen. Nach Angaben des Airline-Dachverbands IATA hat sich der Preis für ein Barrel Kerosin seit Ende Februar im Schnitt etwa verdoppelt.

Luftfahrtexperte Cord Schellenberg sagte im Gespräch mit tagesschau.de, Kerosin sei ein besonderes Produkt, das nicht in unendlicher Menge hergestellt werde: “Es hat gleichzeitig auch einen kleinen Abnehmerkreis. Das führt sicherlich dazu, dass diese Schwankungen extrem sind.”

Airlines versuchen Schwankungen auszugleichen

Manche Fluggesellschaften, etwa die Lufthansa, sichern sich vorab gegen solche Schwankungen ab. Beim “Fuel hedging” vereinbaren Airlines im Voraus feste Kaufpreise für Kerosin. In der jetzigen Krisenlage heißt das, für eine gewisse Zeit können sie den Kraftstoff noch zu günstigeren Konditionen beziehen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr machte vor einigen Tagen im Interview mit CNN deutlich, ein Anstieg der Kraftstoffpreise in dieser Größenordnung werde sich dennoch in höheren Ticketpreisen niederschlagen.

Flugtickets nach Asien besonders teuer

Der Preisanstieg bei Flugtickets ist bereits zu beobachten. Harald Zeiss, Professor für Tourismus an der Hochschule Harz, rechnet damit, dass sich die Steigerungen auf breiter Front möglicherweise erst im Herbst oder im Winter vollumfänglich zeigen. Bei Fernreisen nach Asien sei dagegen bereits ein dramatischer Anstieg zu sehen: “Verbindungen nach Bangkok, Mumbai und Singapur sind um das Zwei- bis Fünffache teurer geworden, weil der kürzere Weg über den Persischen Golf nicht mehr möglich ist und die Umwege erhebliche Mehrkosten verursachen”, so Zeiss.

United Airlines streicht Flüge

Reisende müssen also nicht nur damit rechnen, dass die Ticketpreise steigen. Auch das Angebot könnte kleiner werden: Luftfahrtexperte Cord Schellenberg geht davon aus, dass Fluggesellschaften Verbindungen, die nicht wirtschaftlich sind, in den nächsten Monaten nicht mehr durchführen.

Mit United Airlines hat bereits eine der drei großen US-Fluggesellschaften angekündigt, Verbindungen zu streichen. Konzernchef Scott Kirby kündigte an, die Airline verzichte auf fünf Prozent der für dieses Jahr geplanten Kapazitäten. Auch asiatische Fluglinien haben reagiert, etwa Vietnam Airlines. In der Region ist das Kerosin besonders knapp.

Drehkreuze am Golf stehen weitestgehend still

Nach wie vor aber sind vor allem die Airlines in den Golfstaaten vom Krieg betroffen – mit ihren Drehkreuzen in Dubai, Abu Dhabi oder Doha. Der Flugbetrieb der großen Airlines Qatar, Emirates und Etihad ist weiterhin nur stark eingeschränkt möglich. Davon, so Cord Schellenberg, könnten europäische Airlines aber kaum profitieren. “Einen großen Profiteur, den wird es hier nicht geben.” Bei einem solchen Krieg seien die Fluggesellschaften gleichermaßen finanziell betroffen.

Der Luftfahrtexperte geht davon aus, dass die arabischen Airlines nur vorübergehend geschwächt sind. Sobald sich die Lage normalisiert, sei damit zu rechnen, dass sich die Konkurrenten der europäischen Anbieter mit starken Angeboten zurückmelden.

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