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Steigende Benzinpreise, ausufernde Kosten für die Krankenversicherung: In den USA hat das Thema Lebenshaltungskosten den aufziehenden Wahlkampf für die Midterms erreicht. Hat sich Trump mit Zöllen und Iran-Krieg verkalkuliert?
Burger und Pommes werden in roten Plastikkörbchen auf weißem Papier serviert. Über der Theke hängen große Fernseher, auf denen Sportübertragungen laufen. In der Kneipe in Littleton, einem Vorort von Denver im US-Bundesstaat Colorado, kommt die Nachbarschaft zusammen.
Chris Campbell betreibt die Sportsbar seit 20 Jahren – noch nie waren Rindfleisch und Bier so teuer. Er versuche, die Preise stabil zu halten – eine Herausforderung. “Wir gehen die Speisekarte Gericht für Gericht durch und schauen, was wir tun müssen, um hinzukommen”, erklärt er. Denn er weiß: Auch seine Kunden ächzen unter den steigenden Preisen.
Chris findet die Wirtschaftspolitik der Republikaner – Steuersenkungen, weniger Staatsausgaben – besser als die der Demokraten. Vor allem deshalb hat er drei Mal Donald Trump gewählt. Bei der letzten Wahl sei der für ihn das kleinere Übel gewesen.
Barbesitzer Chris Campbell fürchtet, wegen der steigenden Kosten seine Preise erhöhen zu müssen.
Auch Trump-Wähler wenden sich ab
Doch Chris Campbell ist enttäuscht. Das für ihn entscheidende “America First”-Versprechen habe Trump nicht gehalten. Damit ist er nicht alleine. Immer weniger Amerikanerinnen und Amerikaner sind laut Umfragen zufrieden damit, wie der Präsident seinen Job erfüllt. Dabei war die Wirtschaft neben Migration das Thema, mit dem Trump sich die Stimmen seiner Wähler sicherte. Jetzt könnten ausgerechnet die hohen Lebenshaltungskosten in den USA zu seiner Achillesferse werden.
Im November stehen die Zwischenwahlen, die sogenannten Midterms, an. Ihr Ausgang kann die Macht des Präsidenten beschneiden. Und seine Politik beeinflusst das Wahlergebnis.
Unhaltbares Versprechen
Desmond Lachman vom American Enterprise Institute analysiert Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft. Dass für die Amerikaner alles billiger werde, sei ein Versprechen gewesen, das aus Lachmans Sicht grundsätzlich auch für andere Präsidenten kaum haltbar gewesen wäre.
Trumps spezifisches Problem: Er habe genau das und damit zu viel versprochen. Dazu kommt: Seine Zölle zahlen – anders als versprochen – vor allem US-Firmen und -Konsumenten. Das zeigt zum Beispiel eine Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Es waren Trumps Republikaner, die sich weigerten, einen Extra-Zuschuss des Staates zur Krankenversicherung, zu verlängern. Zusätzlich treibt der Krieg mit Iran die Benzinpreise immer weiter in die Höhe.
“Ich will nicht für Kriege zahlen”
Steigende Kosten für die Krankenversicherung und die Spritpreise sind Themen, die Aubrey Hix aus der Nähe von Denver besonders beschäftigen. “Ich will nicht für Kriege zahlen.” Sie wolle, dass ihre Steuern zum Beispiel für bezahlbarere Gesundheitsversorgung ausgegeben werden. Sie zahle dafür knapp 30 Prozent mehr als im letzten Jahr, sagt Hix. Dazu kommt der jährliche Eigenanteil.
Die Krankenversicherung zahle in ihrem Tarif in vielen Fällen erst, wenn die Kosten für Behandlungen 9.600 Dollar pro Jahr übersteigen. Für eine vom Arzt angeordnete Darmspiegelung müsse sie deshalb fast 4.000 Dollar aus eigener Tasche zahlen, erklärt die Marketing-Managerin.
Sie fühlt sich politisch keiner Partei zugehörig und ist sowohl von Republikanern als auch Demokraten frustriert – egal, ob im Weißen Haus oder dem Kongress.
Aubrey Hix aus der Nähe von Denver fordert, dass ihre Steuergelder für eine bezahlbare Gesundheitsversorgung verwendet werden – und nicht für Kriege.
Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers Lachman wird den Republikanern das Thema Lebenshaltungskosten bei den Zwischenwahlen gefährlich. Trump begehe einen Fehler, den auch schon der ehemalige US-Präsident Joe Biden gemacht habe: Den Menschen zu sagen, es gehe ihnen besser, als es sich tatsächlich für sie anfühlt.
Lachman geht nicht davon aus, dass sich die Benzinpreise bald stabilisieren – selbst wenn der Krieg mit Iran schnell endet. Dafür sei zu viel Energieinfrastruktur zerstört worden. Laut einer Umfrage von Reuters/Ipsos befürworten nur 29 Prozent der Befragten Trumps Wirtschaftspolitik – der niedrigste Wert in beiden Amtszeiten Trumps. Seit langem gilt in den USA: “It’s the economy, stupid!” Die Wirtschaft als entscheidender Faktor bei Wahlen.


