Netanjahu will mit dem Libanon verhandeln – und dabei weiter kämpfen

Netanjahu will mit dem Libanon verhandeln – und dabei weiter kämpfen

Stand: 10.04.2026 • 13:34 Uhr

Israels Premier Netanjahu hat auf Druck von US-Präsident Trump Verhandlungen mit dem Libanon angekündigt. Gleichzeitig will er die Angriffe fortsetzen. Doch Beirut lehnt Gespräche ohne eine Feuerpause ab.

Clemens Verenkotte

“Ich habe mit Bibi gesprochen, und er wird es im Libanon etwas zurückhaltender angehen” – so gab US-Präsident Donald Trump gestern die Kernbotschaft seines Telefonats mit dem israelischen Premierminister im amerikanischen Fernsehsender NBC News wieder.

“Ich finde einfach, wir sollten uns ein bisschen zurückhaltender verhalten”, sagte Trump über sein Gespräch mit Netanjahu am Mittwoch. Trump drängte den israelischen Premierminister, die diplomatischen Bemühungen der USA gegenüber Iran nicht zu gefährden.

Netanjahu lehnt Waffenruhe im Libanon ab

Trumps Anruf zeigte offenbar Wirkung: Gestern Abend kündigte Netanjahu – überraschend und zum ersten Mal während seiner langjährigen Amtszeit – an, nach “wiederholten Aufrufen der libanesischen Regierung, Friedensverhandlungen mit uns aufzunehmen, direkte Verhandlungen mit dem Libanon aufzunehmen”.

Zwei Ziele wolle Israel dabei erreichen, sagte Netanjahu: “Erstens die Entwaffnung der Hisbollah. Zweitens ein historisches, nachhaltiges Friedensabkommen zwischen Israel und dem Libanon.” Israel sei stärker denn je, Iran hingegen schwächer denn je, sagte er. “Ich habe bereits vier Friedensabkommen mit arabischen Ländern geschlossen und beabsichtige, weitere abzuschließen. Wahrer Frieden – Frieden durch Stärke.”

Zugleich erklärte Netanjahu, dass Israel die libanesische Hisbollah-Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen und nicht aufhören werde, ehe es Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe. Wörtlich sagte er: “Es gibt keine Waffenruhe im Libanon.” Aus libanesischen Regierungskreisen hieß es dagegen, mögliche Verhandlungen sollten nur stattfinden, wenn es zuvor eine Waffenruhe gebe.

“Kluft zwischen Erklärungen und Handlungsfähigkeit”

Im israelischen Armee-Radio sagte der israelische UN-Botschafter, Dani Danon, Israel begrüße die Ankündigung des libanesischen Regierungschefs Nawaf Salam, die Hisbollah zu entwaffnen: “Die Erklärungen aus Beirut sind sehr wichtig. Das Problem ist, dass eine große Kluft zwischen diesen Erklärungen und der tatsächlichen Handlungsfähigkeit der libanesischen Regierung vor Ort besteht.”

Die libanesische Armee sei eine schwache, ineffektive Armee, so Danon. “Die Regierung verfügt heute über keinerlei echte Handlungsfähigkeit.”

Opposition dankt Trump

US-Präsident Trump habe Netanjahu zum Handeln gezwungen, kommentierte Yair Golan, Ex-General und Chef der Oppositionspartei Die Demokraten. Auf der Plattform X schrieb Golan: “Danke Präsident Trump!” Die Wirklichkeit beweise erneut, was er immer gesagt habe: Politische Vereinbarungen seien die Art und Weise, Israel die “wahre Sicherheit zu bringen”, so Golan.

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