Pessach in Israel: Fest der Freiheit zwischen Sirenen und Bunkern

Pessach in Israel: Fest der Freiheit zwischen Sirenen und Bunkern

Stand: 01.04.2026 • 12:52 Uhr

In Israel beginnt heute Pessach, einer der wichtigsten jüdischen Feiertage. Es ist ein Fest der Dankbarkeit, das die Familien normalerweise im großen Kreis feiern. Doch der Krieg lässt dies kaum zu.

Bettina Meier

Das Lied “MaNischtana” wird in Israel vom jüngsten Familienmitglied am ersten Abend der Pessach-Feiertage gesungen. Am Sederabend kommt die Familie zusammen.

Es ist ein Moment der Freude und Freiheit in Israel. Normalerweise, sagt Adi. Sie ist vierfache Mutter und lebt in Tel Aviv: “Wir singen immer das Lied, das im ersten Satz fragt: Was ist heute Nacht anders? Für uns ist alles anders.”

Wir fühlen uns nicht frei. Wir müssen in unserem Haus bleiben, damit wir es in den Bunker schaffen, falls die Sirene ertönt.

Normalerweise kommen Cousins und Großeltern, erzählt Adi. Aber sie leben weit weg. “Wir müssen daran denken, dass alle, die am Sederabend kommen, in den Schutzraum passen.” Es werde anders als sonst.

Getrennte Familien am wichtigen Feiertag

Adi öffnet ihren Schutzraum, der eigentlich als Lagerraum dient. Es gibt Wasserflaschen und ein paar Matratzen, damit sie sich hinlegen können. Sie habe aufgehört zu zählen, wie oft sie hier Deckung gesucht haben. “Wenn die Sirene ertönt, macht sich ein Gefühl der Angst breit.”

Im letzten Krieg mit Iran ist eine große Rakete in der Nähe von Adis Haus eingeschlagen. Sie und ihre Familie haben die Druckwelle abbekommen, wie sie berichtet: “Das ist nichts, was nur in der Zeitung steht, das passiert uns tatsächlich gerade.”

Yali Adis 11-jährige Tochter weiß ebenfalls: “Es ist anders wegen dem Krieg. Ein Teil der Familie wird nicht da sein. Papa wird nicht da sein. Es ist das erste Fest ohne Papa. Das ist schwer.” Yalis Vater wird an Pessach als Reservist eingezogen, kann nicht mit der Familie feiern, sagt Adi bedrückt.

Psychologin: “Die Menschen sind ausgebrannt”

Wie der Familie aus Tel Aviv geht es vielen am Pessachfest. Merav Roth ist Psychologin und behandelt Kriegstraumata. “Die Menschen sind ausgebrannt, haben Schlafstörungen, sind depressiv, haben Angstzustände”, wie Merav erklärt.

Aber sie zeigen auch Widerstandsfähigkeit, merkt die Psychologin. “Es ist okay, müde, gereizt oder angespannt zu sein.” Die Feiertage seien auch eine Chance, sich mit anderen über seine Gefühle auszutauschen, empfiehlt sie.

Pessach als Fest mit viel Bedeutung

Adi will an Pessach für ihre Kinder stark sein. Sie hat die Küche von Brotkrümeln gereinigt. Nach jüdischem Gesetz ist es an Pessach verboten, Chametz – gesäuertes Brot – im Haus zu haben oder zu essen. Deshalb decken Supermärkte ihre Brotregale ab.

Mazza ist ungesäuertes Brot, das während des Pessachfestes gegessen wird. Adi packt Matze aus, bereitet die Speisen für den Sederabend vor. Sie schneidet Äpfel und macht eine süße Paste aus Früchten und Nüssen, die als Vorspeise gegessen wird.

Karpas, Gemüse, steht für den Frühling. Maror sind bittere Kräuter, die an die Sklaverei erinnern sollen. Jede Speise hat eine Bedeutung, sagt Adi. “Wenn etwas bitter ist, steht es dafür, dass die Ägypter das Leben der Israeliten durcheinandergebracht haben.”

“Wir können hier nicht weg”

Jede Familie habe ihre eigenen Traditionen, zum Beispiel das Weiterreichen des Pessach-Tellers über die Köpfe. An einer Stelle der Haggada – dem Buch, aus dem am Sederabend vorgelesen wird – stehe, dass Feinde versuchen, ihr Volk zu töten, sagt Adi.

Sie habe im Krieg auch daran gedacht, Israel zu verlassen, sagt sie nachdenklich. “Aber wenn wir gehen, wer wird hierbleiben? Unsere Großeltern haben so viel aufgegeben, um herzukommen. Wir können hier nicht weg. Wir müssen stark bleiben.”

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