Zu einer Demonstration gegen sexualisierte Gewalt an Frauen sind in Köln mehr Menschen gekommen als erwartet. Die Organisatoren sprechen von 3.000 Teilnehmern. Anlass sind Vorwürfe von Collien Fernandes.
Es regnet immer wieder – und obwohl das Thermometer 8 Grad anzeigt, fühlt es sich deutlich kälter an. Trotzdem ist der Rudolfplatz in Köln voll – so voll, dass viele Demonstrierenden auf die Straße ausweichen müssen, weil auf dem Platz schon alle dicht an dicht stehen.
Angemeldet waren ursprünglich 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zu Beginn der Demo wurde diese Zahl dann aber nochmal nach oben korrigiert. Die Organisatoren gehen mittlerweile von rund 3.000 Demonstrierenden aus.
Forderung nach schärferen Gesetzen
Demonstration zum Fall Fernades bei ein Demonstrant ein Schild trägt
Viele Teilnehmer haben Schilder gebastelt. Auf denen steht beispielsweise “Schluss mit dem Machtmissbrauch” oder “Deutschland schützt Täter”. Genau da setzen die Forderungen der Organisatoren der Demo an: Sie wollen, dass Opfer – insbesondere von sexualisierter Gewalt und sexualisierter Gewalt im Internet – rechtlich besser geschützt werden. Dafür fordern sie strengere Gesetze und höhere Strafen für Täter.
Demonstration zum Fall Fernandes am Rudolfplatz
Auf einem anderen Schild ist zu lesen “Spanisches Modell jetzt”. Damit ist gemeint, dass Spanien Vorreiter im Schutz von Frauen ist. Wer sich in dem südeuropäischen Land als Frau der Polizei anvertraut, kann damit rechnen, dass sie umgehend das Gefährdungspotenzial ermittelt und Maßnahmen wie Polizeischutz ergreift. Auf einem weiteren Schild hieß es: “Nein zu Victimblaming”. Victimblaming ist das englische Wort für Opferbeschuldigung.
Friedliche Stimmung bei Demo in Köln
“Die Erfahrungen von Collien Fernandes machen einmal mehr deutlich, was wir längst wissen: Der Schutz für Betroffene sexualisierter Gewalt ist in Deutschland unzureichend”, hieß es in dem Instagram-Beitrag, der zu der Demonstration aufruft. Los ging es um 13 Uhr mit einer Kundgebung am Rudolfplatz. Danach zogen die Demonstrierenden zum Chlodwigplatz, wo der Protestzug mit einer Abschlusskundgebung endete. Eine WDR-Reporterin beschrieb die Stimmung als friedlich. Bei der Demo seien auch einige Männer dabei gewesen. Einige Teilnehmer hätten ihre teils kleinen Kinder mitgebracht.
Anlass sind Vorwürfe von Collien Fernandes
Die Debatte um digitale Gewalt ist durch eine kürzlich veröffentlichte “Spiegel”-Recherche entfacht worden. Dabei geht es um Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen. Er soll Fernandes zufolge jahrelang im Internet Fake-Profile seiner Frau erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet haben.
Ende 2025 erstattete Fernandes Anzeige in Spanien, wo sie zuletzt mit Ulmen gelebt hatte. Die Vorwürfe umfassen demnach unter anderem Identitätsmissbrauch, Beleidigung, Bedrohung und körperliche Gewalt innerhalb der Beziehung. Zuvor hatte Fernandes Ende 2024 auch Anzeige in Deutschland gegen Unbekannt gestellt. Die Ermittlungen dazu werden jetzt von der Staatsanwaltschaft Itzehoe wieder aufgenommen. Die Auswertung der bisherigen Berichterstattung habe zur “Bejahung eines Anfangsverdachts” gegen Ulmen geführt, hieß es.
Auch Deep-Fakes erstellt?
Erstmals haben sich am Freitagabend die Anwälte von Christian Ulmen ausführlicher zu Vorwürfen gegen den Schauspieler geäußert. Sie wiesen in der Mitteilung Deepfake-Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück. “Unser Mandant hat zu keinem Zeitpunkt Deepfake-Videos von Frau Fernandes oder anderen Personen hergestellt und/oder verbreitet”, heißt es dort.
“Nach derzeitiger Kenntnis wird dieser Vorwurf, anders als teilweise verlautbart, auch überhaupt nicht erhoben. Mit der aktuell geführten Debatte über Strafbarkeitslücken bei Deepfake-Pornografie stehen die Geschehnisse mithin in keinem Zusammenhang”, erklärten die Anwälte. Zugleich kündigte er an, gerichtliche Schritte gegen die “initiale Berichterstattung“ des Spiegels einzuleiten.
Kern-Vorwürfe werden von Anwälten nicht dementiert
Collien Fernandes sagte zu der Mitteilung der Anwälte im Gespräch mit der Bild-Zeitung: “Er hat pornografische Videos und erotische Fotos verschickt. Dabei war ihm wichtig, dass alles glaubwürdig wirkt und dass das erotische Material privat anmutet, so als habe ich mich heimlich beim Sex gefilmt, selbst nackt aufgenommen. Welche Technik dabei verwendet wurde, muss vor Gericht geklärt werden.”
Gegenüber dem WDR sagte Medienanwalt Christian Solmecke aus Köln am Samstagvormittag dazu: “Wenn ein Medienanwalt sagt, sein Mandant habe keine Deepfake-Videos erstellt, bleibt viel Raum für Interpretation. Der Kernvorwurf, dass manipulierte sexuelles Bildmaterial verarbeitet worden ist, wird hier nicht abgeräumt.”
Weitere Hintergründe zum Fall Fernandes-Ulmen gibt es hier:
Rede von Collien Fernandes bei Demo in Hamburg
Bereits am vergangenen Wochenende gab es Demonstrationen gegen sexualisierte Gewalt, unter anderem in Berlin und Münster. Bei einer großen Demonstration am Donnerstag in Hamburg trat Collien Fernandes selbst auf und hielt eine Rede.
Unsere Quellen:
- Polizei Köln
- dpa
- Instagram-Post von widersetzen Köln und Feminist Law Clinic e.V.
- Bisherige WDR-Berichterstattung
- WDR-Interview mit Christian Solmecke
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendehinweis: WDR.de, Demo gegen sexualisierte Gewalt in Köln, 28.03.2026, 15:35 Uhr

