Trump und Iran: Kurs ohne politische Strategie

Trump und Iran: Kurs ohne politische Strategie

Stand: 24.03.2026 • 08:47 Uhr

Erst die Drohung, dann die Rolle rückwärts: Trump hat das Ultimatum an Iran verlängert, spricht von guten Gesprächen. Doch gibt es Zweifel, ob es überhaupt Gespräche gab. Und die Kritik im MAGA-Lager wächst.

Anne Schneider

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump Iran noch damit gedroht, die Kraftwerke des Landes zu zerstören, wenn nicht innerhalb von 48 Stunden die Straße von Hormus wieder frei sei. Am Montagmorgen US-Zeit dann die Rolle rückwärts. Keine Angriffe auf die Kraftwerke – zumindest vorläufig – teilte Trump zunächst per Netzwerk Truth Social mit, später dann persönlich.

Der Grund: Es gebe gute Gespräche mit Iran: “Wir haben sehr, sehr intensive Gespräche geführt”, erklärte Trump. “Wir werden sehen, wohin sie führen. Wir haben wesentliche Punkte der Übereinstimmung – ich würde sagen, fast in allen Punkten.”

“Automatisch ein Regimewechsel”

Die Gespräche hätten – wie fast immer – der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner geführt. Innerhalb von fünf Tagen könnte nun eine Lösung oder zumindest ein Weg zu einem Waffenstillstand gefunden werden.

Außerdem erklärte Trump, dass Iran keine nuklearen Waffen mehr besitzen werde. Und auch ein weiteres Ziel sei erreicht: “Alle aus dem Regime sind getötet worden. Dadurch ergibt sich automatisch ein Regimewechsel.”

Gab es die Gespräche überhaupt?

Allerdings ist unklar, ob überhaupt geheime Gespräche stattgefunden haben – und mit wem. Iran bestreitet das vehement. Andere Quellen behaupten, dass Ägypten, Pakistan und die Türkei Nachrichten zwischen den USA und Iran übermittelt haben. Wieder andere, dass der Oman diese Rolle inne hatte. Zudem soll sich US-Vizepräsident JD Vance aktiv in die Bemühungen um eine diplomatische Lösung eingeschaltet haben. Er stand dem Angriff auf Iran von Anfang an skeptisch gegenüber.

Also viel Ungewissheit rund um diplomatische Gespräche und vorher ein 48-Stunden-Ultimatum, das dann doch nicht gilt. Ein Zickzackkurs, der zeige, dass Trump keine politische Strategie verfolgt, kritisiert der Politologe Todd Belt von der Georg-Washington-Universität: “Hätte es eine Strategie gegeben, wären nicht 3.000 Schiffe im Persischen Golf festgesetzt.”

Kritik im MAGA-Lager wächst

Bei diesem Hin und Her fragen sich viele Menschen in den USA, warum dieser Krieg überhaupt angefangen wurde. Tatsächlich wächst auch im MAGA-Lager die Kritik. Denn Trump hatte ja zu Beginn seiner Amtszeit versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen, sondern sich um die Innenpolitik zu kümmern, besonders um die Inflation.

“Und je länger das dauert, desto höher wird der Preis für die amerikanische Bevölkerung”, sagt Politologe Belt . “In Form von Energiekosten, an der Supermarktkasse und noch mehr Inflation. Genau die Probleme, die Donald Trump eigentlich lösen sollte.”

Ursprünglich hatte Trump angekündigt, dass der Krieg vier bis fünf Wochen dauern würde. Tatsächlich dauert er jetzt dreieinhalb Wochen und auch die Botschaften zur möglichen Länge haben einen Zickzackkurs. Von “beinahe abgeschlossen” bis “für immer”, wenn es erforderlich sei.

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