Ungarn am Tag der Wahl: Wandel oder weiter mit Orban?

Ungarn am Tag der Wahl: Wandel oder weiter mit Orban?

Stand: 12.04.2026 • 13:27 Uhr

In Ungarn hat die Parlamentswahl begonnen. Angesichts der Umfragen können sich Orbans Gegner Hoffnung auf einen Wandel machen. Doch der von nationalen Interessen geleitete Kurs des Ministerpräsidenten kommt bei vielen immer noch gut an.

Oliver Soos

Es geht um alles: Soll der autokratische EU-feindliche Trump-Freund Viktor Orban mit seiner Fidesz-Partei weiterregieren? Oder der neue Mann, der Fidesz-Aussteiger, der konservative Pro-Europäer Peter Magyar?

In den Budapester Wahllokalen gibt es schon am frühen Morgen regen Betrieb, unter anderem in einem Kindergarten in der Nähe der Budapester Burg. Eine Wählerin sagt, sie hoffe auf einen Wandel, aber habe noch Zweifel.

Optimismus bei Orbans Gegnern

“Es geht vor allem um meine Kinder”, erzählt sie, während ihr die Tränen kommen. “Es tut mir leid, ich bin ein bisschen emotional. Mein Sohn studiert in den Niederlanden. Und ich würde gerne, dass es einen Wandel gibt, wenn er zurückkommt.”

Ein junger Mann zeigt sich optimistisch, dass die Tisza Partei von Peter Magyar gewinnt: “Mit der Orban-Regierung sind wir unzufrieden, wegen der ganzen Geschichte mit der Korruption und unserem gestohlenen Geld.”

Fidesz-Anhänger wollen souveränes Ungarn

Das ist typisch für die Metropole Budapest: Die meisten hier sind Tisza-Wähler, doch es gibt auch Wähler von Orbans Fidesz-Partei. Eine ältere Frau sagt: “Wir müssen die ungarische Souveränität verteidigen. Niemand darf sich in unser Schicksal einmischen.”

Dabei wirft sie einen Blick in die Vergangenheit: “Viele wollten uns schon aus unserem Land vertreiben, die Tataren, die Osmanen, die Habsburger. Ich wünsche mir, dass die ungarische Rechte den Sieg davonträgt.”

Spitzenkandidaten zeigen sich siegessicher

Peter Magyar und Viktor Orban haben am frühen Morgen ihre Stimmen in Budapester Wahllokalen abgegeben. Peter Magyar sprach danach in die Kameras und zeigte sich optimistisch, dass es einen Systemwechsel geben werde. Er forderte die Wähler auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und die Stimme nicht für Wahlgeschenke oder Bestechungsgelder zu verkaufen.

Viktor Orban zeigte sich zuversichtlich, dass er nach 16 Jahren durchgehend an der Macht nicht abgelöst werde – auch wenn die Umfragen zuletzt ganz schlecht für ihn aussahen und er oft um die zehn Prozentpunkte hinten lag. “Ich werde gewinnen, ich werde gewinnen! Ich liebe es zu gewinnen”, sagte Orban nach Abgabe seiner Stimme in die Kameras.

Viktor Orban beim Wahlkampfabschluss in Budapest.

Orban lobt Verbündete in US-Regierung

Der Ministerpräsident hatte seinen Wahlkampfabschluss am Samstagabend vor knapp 5.000 Menschen im Budapester Burgviertel vor der Fischerbastei. Da lief die Fidesz-Hymne, die anmutet wie ein Partyschlager.

Viktor Orban machte einmal mehr deutlich, dass er politische Inhalte in seinem Wahlkampf weitgehend überwunden hat. In seiner Rede gab sich Orban siegessicher, er griff die EU an, gab sich USA-treu und lobte seine Freunde von der Trump-Administration, die ihn im Wahlkampf unterstützt hatten.

Ukraine-Krieg als Wahlkampf-Thema

Die meiste Aufmerksamkeit schenkte er seinem Lieblingsthema in diesen Wochen, dem Ukraine-Krieg, vor dem er Ungarn beschützen würde. Orban wiederholte dabei seinen Vorwurf, der ukrainische Präsident Selenskyj würde für Ungarn bestimmtes russisches Öl durch die durch russische Angriffe beschädigte Druschba-Pipeline absichtlich zurückhalten.

“Bei dieser Wahl steht auch auf dem Spiel, ob wir eine nationale Regierung bekommen oder eine Ukraine-freundliche Regierung”, sagte Orban bei seiner letzten Wahlkampfrede. “Wir werden die Ölblockade Selenskyjs gegen Ungarn brechen.”

Er kündigte an, alle Entscheidungen zu blockieren, die der Ukraine helfen, solange die Druschba-Pipeline nicht geöffnet sei. “Wir werden unsere Kinder nicht in die Ukraine ausliefern, werden unser Geld nicht abgeben. Wir werden unsere Waffen nicht abgeben”, so Orban.

Magyar wirbt für Freiheit und Demokratie

Orbans Herausforderer, der pro-europäische Konservative Peter Magyar, hatte seinen Wahlkampfabschluss vor einer deutlich größeren Menschenmenge, vor zehntausenden Anhängern in Debrecen, in Ostungarn, der nach Budapest zweitgrößten Stadt des Landes.

“Millionen Menschen werden zur Wahl gehen, um für ein europäisches, funktionierendes, menschenwürdiges, freies, unabhängiges und demokratisches Ungarn zu stimmen. Für eine gemeinsame, lebenswerte ungarische Zukunft”, sagte Magyar.

Orbans Herausforderer Peter Magyar beendete seinen Wahlkampf im ostungarischen Debrecen.

Dabei rief er seinen Anhängern zu: “Vielen Dank an alle! Wir werden unser wunderschönes Land von all dem befreien, womit Orbans Fidesz-Regierung es vergiftet hat: von Korruption, Ausbeutung, Hetze, Ausgrenzung, Arroganz, Lügen und Verarmung.”

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