Vor US-Blockade: Ölmarkt erneut in Aufruhr

Vor US-Blockade: Ölmarkt erneut in Aufruhr


marktbericht

Stand: 13.04.2026 • 14:14 Uhr

Das Scheitern der Iran-Verhandlungen setzt den Märkten zu. Die Energiemärkte reagieren dabei deutlich heftiger als die Aktienmärkte. Die Anleger hoffen allerdings, dass das nur ein Zwischenstand ist.

Die Finanz- und Energiemärkte kommen nicht zur Ruhe. Der deutsche Aktienindex DAX reagiert erwartungsgemäß negativ auf die vorerst gescheiterten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.

Mit einem Abschlag von rund einem Prozent auf 23.573 Punkte bleibt die Reaktion bis zum frühen Nachmittag aber noch recht moderat.

“Wahrscheinlich hoffen viele Anleger auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen, da der Waffenstillstand zunächst bis zum Dienstag kommender Woche gilt”, kommentierte Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank. Zudem hatten viele Investoren nicht mit einer sofortigen Einigung zwischen Washington und Teheran gerechnet. Auch der Wahlsieg der pro-europäischen Kräfte in Ungarn dürfte die Kurse ein wenig stützen.

Zwar rechneten die Anleger fest damit, dass beide Parteien zähneknirschend an den Verhandlungstisch zurückkehren, doch die akute Gefahr bleibe extrem hoch, schrieb Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades.

Brent-Öl wieder über 100 Dollar

Deutlicher ist die Reaktion am Ölmarkt. In der Nacht sprang der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni erneut über die Marke von 100 Dollar. Der Kurssprung von rund acht Prozent machte einen Großteil der Verluste aus der vergangenen Woche wett. Das hatte bereits die Börsen in Asien ins Minus gedrückt.

Auch der europäische Erdgaspreis ist wieder sprunghaft nach oben geklettert. Die maßgeblichen Future-Kontrakte stiegen am Morgen um bis zu 18 Prozent.

Neue Lage für Schifffahrt am Persischen Golf

Am Energiemarkt gibt es eine neue Lage. Die USA wollen nun ihrerseits die Straße von Hormus für Schiffe blockieren, die iranische Häfen anlaufen oder von ihnen auslaufen. Die Durchfahrt von Schiffen, deren Ziel oder Startpunkt kein iranischer Hafen ist, werde dagegen nicht beeinträchtigt, teilte das US-Militär mit. Diese bedingte Blockade soll um 16.00 Uhr (MESZ) beginnen.

Ein Vertreter Irans schrieb, dies würde als Militäroperation gewertet. “Damit könnte die Situation im Nahen Osten erneut eskalieren und der Schiffsverkehr in der Region komplett zum Erliegen kommen”, sagte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets.

“Die Bedingungen am Markt sind also weitgehend wieder dieselben wie vor der Waffenruhe – mit dem Unterschied, dass die USA nun auch die verbleibenden, mit dem Iran verbundenen Ölflüsse im Umfang von bis zu zwei Millionen Barrel durch die Straße von Hormus blockieren werden”, resümierte Saul Kavonic, Analyst bei MST Marquee. Es bleibt nur die Hoffnung, dass eine neue Verhandlungsrunde die verfahrene Situation an der Meerenge entschärft.

Lufthansa doppelt unter Druck

Am Aktienmarkt leiden vor allem Papiere aus energieintensiven Branchen wie Technologie, Transport und Industrie. Besonders stark verliert die Aktie die Lufthansa, die von zwei Seiten unter Druck steht. Nicht nur die hohen Kerosinkosten belasten den Konzern, außerdem gibt es weitere Streiks – diesmal wieder von den Piloten. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) geht bei dem für heute und Dienstag geplanten Streik bei der größten deutschen Fluggesellschaft und mehreren Tochtergesellschaften vom Ausfall Hunderter Flüge pro Tag aus.

Analystenkommentar belastet Telekom

Schwächster Titel im DAX ist die Telekom-Aktie. Die jüngste Kurserholung der Aktie sei etwas zu üppig gewesen, denn über den Aussichten für das US-Geschäft stünden durchaus Wolken, schrieb Experte Akhil Dattani von der Bank JPMorgan. So habe der Konkurrent AT&T zahlreiche Änderungen an seinem Tarifportfolio vorgenommen, was auf eine Verschärfung des Wettbewerbs hindeute. Insgesamt dürfte das erste Quartal der Deutschen Telekom mehr Fragen als Antworten hinterlassen, so der Analyst

Verkaufsempfehlung drückt Nemetschek

Schlusslicht im MDAX ist die Aktie von Nemetschek. Sie leidet unter einer Verkaufsempfehlung der Großbank UBS. Analyst Michael Briest betonte die Risiken langjähriger Verträge des Bausoftware-Spezialisten. Sie seien im ersten Jahr hilfreich, sorgten ab dem zweiten Jahr aber für Gegenwind und gefährdeten den bisher starken Barmittelzufluss. Der Markt dürfte diese Risiken mit den Verdrängungssorgen rund um Künstliche Intelligenz verschmelzen.

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