marktbericht
Die Aktienmärkte reagieren mit starken Zugewinnen auf die Waffenruhe am Persischen Golf. Der DAX steuert auf seinen größten Tagesgewinn seit vier Jahren zu.
Fließen wieder Öl und Gas durch die Straße von Hormus, könnte der preissteigernde Effekt in Europa bald abebben, Unternehmen und Verbraucher wären entlastet, und die Notenbanken könnten ihre Zinsen weiter niedrig halten: So lässt sich die dominierende Hoffnung an den Aktienmärkten kurz zusammenfassen.
Sie reagieren mit einem Kursfeuerwerk auf die Feuerpause im Iran-Krieg. Mit einem Plus von über fünf Prozent auf 24.110 Punkte steuert der deutsche Leitindex DAX auf seinen größten Tagesgewinn seit März 2022 zu.
Erstmals seit einem Monat notiert der DAX auch wieder über der runden Marke von 24.000 Punkten. Kurz vor Ablauf eines US-Ultimatums an den Iran hatte US-Präsident Donald Trump am Dienstagabend eine “beidseitige Waffenruhe” für zunächst zwei Wochen verkündet. Der Iran erklärte sich später bereit, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Es besteht Hoffnung, dass ein längerfristiger Waffenstillstand zustande kommt.
“Die Märkte reagieren mit großer Erleichterung auf die zweiwöchige Waffenruhe”, sagte DZ Bank-Analyst Sören Hettler. Allerdings liegen die Positionen Washingtons und Teherans immer noch weit auseinander: “Donald Trump spricht von einem totalen Sieg – der Iran will aber auch nach Ende des Krieges die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten”, so Hettler. Die Lage bleibe fragil.
Ölpreise nähren Zinshoffnungen
Die Ölpreise rauschen derweil nach unten. Nordseeöl der Sorte Brent kostet am frühen Nachmittag nur noch 94 Dollar pro Barrel, rund 15 Prozent weniger als gestern.
“Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird”, sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise auch von bereits befürchteten Zinsanhebungen absehen.
Die Marktteilnehmer sehen nun auch wieder eine Chance, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zum Jahresende vielleicht doch noch den Leitzins senkt. Laut dem FedWatch-Toll der Chicagoer Terminbörse CME wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung wieder auf über 40 Prozent taxiert.
Experten warnen aber auch vor anhaltenden Problemen für die Ölversorgung durch die Straße von Hormus. “In Normalzeiten passieren rund 135 Schiffe täglich die Meerenge. Die Wiederaufnahme des Verkehrs wird selbst bei zügiger Umsetzung nur schrittweise erfolgen”, schrieben die Analysten der LBBW. Damit blieben anhaltende Lieferkettenstörungen an den Energie- und Gütermärkten ein nicht zu unterschätzendes Risiko.
Technologietitel vorn
Zu den größten Gewinnern unter den Einzelwerten gehören Aktien aus dem Technologie-, Bank und Luftfahrtsektor, die als Hauptprofiteure niedrigerer Energiekosten und fallender Zinsen gelten. Stärkste DAX-Gewinner sind die Aktien von Siemens Energy und Infineon mit zweistelligen Aufschlägen.
Im Bausektor erholen sich Heidelberg Materials um über neun Prozent. Auch Bilfinger und Hochtief sind gefragt Vor allem die Sorgen um das weltweite Wachstum in der Folge des Kriegs hatten den Industriegüter- und den Bausektor schwer belastet. Beide Branchen gelten als besonders konjunktursensibel.
Krisengewinner verlieren
Weniger gut sieht es für die bisherigen Krisengewinner aus. So verliert die Aktie von K+S rund zehn Prozent. Der Düngemittelkonzern hatte zuvor von den stockenden Kali-Exporten aus dem Persischen Golf profitiert.
Die Deutsche Börse zählte ebenfalls zu den Profiteuren, weil Aktienmärkte in Krisenlagen stärker schwanken. Über ihre Tochter EEX profitierte sie zudem vom hektischen Geschehen an der Energiebörse. Heute büßt der DAX-Titel über zwei Prozent ein.
Auch die Aktie von Südzucker, die zuvor von den gestiegenen Ethanolpreisen profitiert hatte, fällt heute zurück.

