Wahl in Ungarn: Orbans größter Konkurrent – wer ist Peter Magyar?

Wahl in Ungarn: Orbans größter Konkurrent – wer ist Peter Magyar?


Porträt

Stand: 11.04.2026 • 18:47 Uhr

Einst war er selbst Mitglied der Partei von Viktor Orban. Doch dann begann Peter Magyar, gegen Korruption und Machtmissbrauch durch Ungarns Regierungschef zu wettern. Bei der Wahl am Sonntag könnte er ihn beerben.

Von Oliver Soos, ARD Wien, zzt. Budapest

Ein YouTube-Clip zeigt das staatliche Krankenhaus in Vac, einer 30.000-Einwohner-Stadt 50 Kilometer nördlich von Budapest: Ein smart und sportlich aussehender junger Mann mit modischer Undercut-Frisur und Sonnenbrille läuft in das Krankenhaus hinein. Peter Magyar zeigt sich als dynamischer Politiker, der sich die Probleme des Landes ansieht.

Der 45-Jährige hat ein Thermometer mit dabei und stellt schnell fest, dass die Bedingungen im Krankenhaus ziemlich schlecht sind: “Der erste Raum hier ist der Warteraum. Hier ist es 32 Grad heiß. Hier sind die Mütter, die gerade entbunden haben mit ihren Babys”, erzählt Magyar während seines Krankenhausrundgangs im Video.

“Es gibt keine Seife, keine Handtücher, kein Toilettenpapier, nichts. Es gibt hier auch keine Halterung für das Toilettenpapier. Also wenn du von zu Hause dein eigenes Toilettenpapier mitbringen musst, dann musst du es auf deinem Schoss festhalten.”

Magyars Botschaft: Orban hat Ungarn heruntergewirtschaftet

Vor allem dies wollte Peter Magyar in seinem Wahlkampf zeigen: dass der seit 16 Jahren am Stück regierende Viktor Orban das Land heruntergewirtschaftet habe. Der Ministerpräsident habe Ungarns staatliche Krankenhäuser verkommen lassen. Zudem gäbe es zu wenige Ärzte, weil sie mies bezahlt würden.

Auch die staatlichen Schulen seien in einem miserablen Zustand, die Lehrer würden auch schlecht bezahlt. Von dem von Orban versprochenen Aufschwung sei nichts geblieben, so die Botschaft Magyars.

Ehemals in Orbans Partei

Interessant ist, dass Magyar selbst aus Orbans Fidesz-Partei kommt. Er war mal Fidesz-Beamter und Diplomat in Brüssel für das ungarische Außenministerium.

Vor rund zwei Jahren wurde er über Nacht durch ein Video-Interview mit der unabhängigen ungarische Onlineplattform Partizan berühmt. Da erklärte Magyar, dass er aus der Fidesz-Partei aussteige.

“Ich war sehr lange ein Mitglied im Fidesz-Zirkel. Bis jetzt konnte ich nichts sagen, weil meine Frau noch Teil des Systems war und zur Wahl stand. Diejenigen, die mich kennen, wussten schon immer, dass ich ein kritisches Element bin. Nach außen hin nie, so ist die Spielregel, aber intern war ich in sehr vielen Fragen kritisch”, sagte Magyar im Interview.

Whistleblower über Korruption und Machtmissbrauch

Die heutige Ex-Frau von Peter Magyar ist Judit Varga, Orbans ehemalige Justizministerin. Sie verlor wegen eines Pädophilie-Skandals in der Fidesz-Partei alle ihre Ämter.

Ein Fidesz-Mann hatte sexuellen Missbrauch von Kindern gedeckt und wurde verurteilt. Es gab daraufhin den Befehl, diesen Mann zu begnadigen, und Judit Varga musste die Begnadigung unterzeichnen. Für Peter Magyar war sie am Ende das Bauernopfer.

Er wurde so wütend, dass er über die Fidesz-Partei auspackte, über Korruption und Machtmissbrauch. Peter Magyar wurde zum Whistleblower und zum Helden und Hoffnungsträger für viele Menschen, die eine Veränderung im Land wollten aber kein Vertrauen in die ungarische Opposition haben.

Zwei Jahre Überzeugungsarbeit

Peter Magyar zog dann zwei Jahre lang durch Hunderte Städte und Dörfer. Er hielt Reden auf Marktplätzen und überzeugte die Menschen von seiner neuen Tisza-Bewegung, so wie bei einem Auftritt vor etwa 2.000 Menschen auf dem zentralen Platz in Veszprem, nicht weit vom Balaton-See.

“Guten Abend, Veszprem! Wir sind bei den Menschen. Zwei Jahre lang bin ich durchs ganze Land gereist. Ich bin stolz darauf, dass wir so eine fantastische Gemeinschaft sind. Wir haben 50.000 freiwillige Helfer, wir haben exzellente Fachleute, mit denen wir eine Regierung bilden wollen, 1.000 Experten haben an unserem Wahlprogramm mitgearbeitet”, zählt Magyar auf.

Die Fidesz-Partei dagegen habe schon lange kein Programm mehr. “Die haben immer nur gesagt: Wir machen weiter. Ich höre in allen Gemeinden von den Leuten, womit die weitermachen würde: mit dem Klauen”, so Magyar.

Versprechen einer pro-europäischen Politik

Mit seiner Tisza-Partei ist er bereits im EU-Parlament, in der konservativen EVP-Fraktion, zusammen unter anderem mit CDU und CSU. Magyar verspricht seinen Wählern, Orbans autoritäres Regime zu zerschlagen und Ungarn zu demokratisieren.

Er werde das Land wieder zu einem soliden EU-Partner machen, um die aus disziplinarischen Gründen eingefrorenen rund 20 Milliarden Euro an EU-Hilfsgeldern für Ungarn wieder freizumachen.

Allerdings sagte Magyar, dass er nicht alles, was Orban gemacht hat, anders machen würde. Orbans strikte Asylpolitik etwa wolle er nicht groß verändern.

Rest der Opposition marginalisiert

Peter Magyar hat nahezu die komplette ungarische Opposition marginalisiert. Laut den Umfragen wird es nach der Wahl voraussichtlich nur drei Parteien im ungarischen Parlament geben: Magyars pro-europäische konservative Tisza-Partei; Orbans rechtspopulistische Fidesz-Partei; und die rechtsradikale Partei Mi Hazank.

Alle anderen halten sich zurück und lassen Magyar machen. Auch der Grünen-Bürgermeister von Budapest, Gergely Karacsony, hält sich mit seiner Partei zurück und ist vorsichtig optimistisch, was Orbans Herausforderer angeht.

“In einer normalen, stabilen Demokratie würde jemand ohne Regierungserfahrung nicht unbedingt Premier werden, aber Ungarn hat leider keine stabile Demokratie. Es ist ein Ort, an dem ein Regime gestürzt werden muss und dafür braucht es einen Typen wie Peter Magyar, der mit dem Kopf durch die Wand geht”, sagt Karacsony. Er wünsche Magyar viel Glück.

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