Was das Handelsabkommen zwischen der EU und Australien bedeutet

Was das Handelsabkommen zwischen der EU und Australien bedeutet


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Stand: 24.03.2026 • 15:42 Uhr

Acht Jahre haben die EU und Australien verhandelt – nun ist das Freihandelsabkommen fertig. Die EU verspricht ihren Unternehmen Exportgewinne, Rohstofflieferanten und neue Investitionen. Was das Abkommen im Detail bedeutet.

Warum ist das Abkommen wichtig?

Es gibt bereits seit 2022 ein politisches Rahmenabkommen für die Beziehungen zwischen der EU und Australien, das eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Außenpolitik, Handel, nachhaltige Entwicklung, Klimawandel und Forschung ermöglicht. Mit dem nun beschlossenen Abkommen sollen weitere Handelshemmnisse und vor allem Zölle abgebaut werden, um die Wirtschaft aller Partner anzukurbeln.

Das ist vor allem für Australien von Bedeutung, für die die EU nach China und Japan sogar wichtigster Handelspartner ist. Der australische Regierungschef Anthony Albanese bezifferte den wirtschaftlichen Nutzen für sein Land auf jährlich etwa sieben Milliarden Dollar.

2024 wurden zwischen der EU und Australien Waren und Dienstleistungen im Wert von über 91 Milliarden Euro gehandelt. Damit ist Australien für die Europäer allerdings nur ein relativ kleiner Handelspartner: Im Warenhandel mit den 27 EU-Staaten rangiert das Land auf dem 20. Platz.

Was wird zwischen der EU und Australien gehandelt?

Zwischen der EU und Australien werden vor allem Maschinen und Geräte, Chemikalien und Rohstoffe gehandelt. Aber auch Telekommunikations- und Informationsdienstleistungen ebenso wie wissenschaftliche und technische Dienstleistungen werden ausgetauscht.

Wie vereinfacht das Abkommen den Warenhandel?

Das Abkommen vereinfacht zahlreiche Aspekte: So schafft Australien nach Angaben aus Brüssel fast alle seine Zölle auf EU-Waren ab – 99 Prozent der Zölle sollen wegfallen. Ausgenommen sind bestimmte Stahlprodukte. Für europäische Unternehmen bedeutet dies eine jährliche Ersparnis von einer Milliarde Euro an Zollgebühren. Die EU-Kommission rechnet mit einer Steigerung der Exporte nach Australien um bis zu 33 Prozent auf jährlich 17,7 Milliarden Euro wachsen könnten.

Davon könnten vor allem der Maschinenbau und die Chemiebranche profitieren. Die EU liefert nach Angaben der Kommission insbesondere Maschinen, Chemikalien und Bauteile für den Verkehrssektor nach Australien – auch aus Deutschland.

Australien will zudem eine Reihe von Fahrzeugstandards aus der EU anerkennen, damit der Import einfacher wird, und Änderungen an einer Steuer auf Luxusautos – die häufig aus der EU kommen – vornehmen. Die Steuer soll bei Elektroautos künftig erst ab einem höheren Preis fällig werden, sodass nach Einschätzung der Kommission drei Viertel der Elektroautos aus Europa nicht mehr betroffen sind.

Davon könnte vor allem die deutsche Autoindustrie profitieren: Zuletzt wurden im Jahr nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie gut 44.000 Autos aus Deutschland nach Australien exportiert worden. Die Präsidentin des VDA, Hildegard Müller, erklärte vorab, das Handelsabkommen werde für die europäische Automobilindustrie “erhebliche Chancen eröffnen”.

Was importiert die EU umgekehrt aus Australien?

Die EU importiert ihrerseits vor allem Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Wasserstoff und Seltene Erden aus Australien. Mit dem Abkommen fallen auch für diese Produkte Zölle. Das verringert die Abhängigkeit von China bei diesen Rohstoffen.

“Wir dürfen bei so wichtigen Rohstoffen nicht zu sehr von einem einzigen Lieferanten abhängig sein, und genau deshalb brauchen wir einander”, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor dem Parlament in Canberra. Die Industrie braucht die Rohstoffe etwa für Autobatterien, Windturbinen und KI-Rechenzentren.

Was gilt für die Landwirtschaft?

Zwischen der EU und Australien gibt es auch Handel mit Lebensmitteln: Australische Zölle auf Wein, Sekt, Obst, Gemüse und Schokolade entfallen sofort, auf Käse über drei Jahre.

Umgekehrt hat die EU Obergrenzen für die zollfreie Einfuhr von Rind-, Schaf- und Ziegenfleisch sowie Zucker, Reis und Weizen ausgehandelt. Vor allem beim Rindfleisch sind die Obergrenzen streng: Fast 17.000 Tonnen soll jährlich zollfrei in die EU geliefert werden dürfen, wenn die Rinder mit Gras und Heu gefüttert wurden. Weitere rund 13.800 Tonnen sollen zu einem vergünstigten Zollsatz gehandelt werden. Insgesamt entsprechen diese Importe nach EU-Angaben 0,5 Prozent des Konsums in der EU.

Die Obergrenzen werden schrittweise eingeführt. Sollten europäische Landwirte trotzdem unter der neuen Konkurrenz leiden, kann die Kommission ähnlich wie beim Mercosur-Abkommen einen Schutzmechanismus auslösen und Zölle wieder einführen. Nach massiven Bauernprotesten gegen ein anderes Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten waren Agrarprodukte in den Verhandlungen besonders heikel.

Wie vereinfacht das Abkommen den Handel mit Dienstleistungen?

Auch der Handel mit Dienstleistungen soll erleichtert werden, Standards in bestimmten Branchen werden gegenseitig anerkannt. Zudem soll das Abkommen EU-Fachkräften die Arbeit in Australien erleichtern und mit Einreisequoten für Ingenieure und Forschende auf beiden Seiten die Innovationskraft stärken.

Für Investoren aus der EU in Australien sollen mit dem Deal die gleichen Bedingungen gelten wie für australische – und umgekehrt. Für Australien ist die EU ist die zweitgrößte Quelle ausländischer Investitionen; 2024 investierten EU-Unternehmen dort mehr als 120 Milliarden Euro. EU-Investitionen in Australien könnten um mehr als 87 Prozent zulegen, heißt es. In vielen Bereichen öffnen beide Seiten außerdem ihre öffentlichen Ausschreibungen für den Handelspartner.

Was steht noch im Abkommen?

Die EU und Australien bekennen sich zum Pariser Klimaschutzabkommen, zu einer Reihe von Umweltstandards und zu Arbeitsschutzregeln. Zudem gelten weiterhin Beschränkungen für die Einfuhr von Lebensmittelsicherheit aus Australien.

Wie geht es nun weiter?

Wann das Abkommen mit Australien unterzeichnet werden kann, ist noch unklar. Nach dem politischen Abschluss folgt die Arbeit an rechtlichen Details. In der EU muss das Abkommen zudem in alle 24 Amtssprachen übersetzt werden, bevor das Europäische und das australische Parlament den Vertrag ratifizieren können. Dies dauert in der Regel mehrere Monate.

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