Was über den Angriff auf Nationalgardisten in Washington bekannt ist

Was über den Angriff auf Nationalgardisten in Washington bekannt ist


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Stand: 27.11.2025 18:10 Uhr

US-Präsident Trump spricht nach Schüssen auf Nationalgardisten von einem “Akt des Terrors”. Der Verdächtige hat laut Behörden früher mit der CIA zusammengearbeitet. Welche Erkenntnisse gibt es bisher über die Attacke? Ein Überblick.

Was ist passiert?

Den Behörden zufolge eröffnete ein Mann am Mittwochnachmittag (Ortszeit) mitten in der Innenstadt von Washington das Feuer auf zwei Nationalgardisten und verletzte diese schwer. Die Schüsse fielen nur zwei Straßenblocks nordwestlich vom Weißen Haus, vor einer U-Bahnhaltestelle nahe dem beliebten Treffpunkt Farragut Square.

Der stellvertretende Polizeichef von Washington, Jeffery Carroll, sagte, der Angreifer sei “um die Ecke gekommen” und habe sofort auf die Nationalgardisten geschossen. Carroll verwies dabei auf ein Video, das von den Ermittlern ausgewertet worden sei. Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser sprach bei einer Pressekonferenz von einer “gezielten Attacke”.

Laut Medienberichten soll mindestens eines der Opfer das Feuer erwidert haben. Nachdem andere Einsatzkräfte in der Umgebung die Schüsse gehört hatten, eilten sie herbei und überwältigten den mutmaßlichen Täter, wie Carroll weiter mitteilte.

Wer sind die Opfer?

Die beiden Opfer sind Angehörige der Nationalgarde aus dem Bundesstaat West Virginia, die Teil des von Präsident Donald Trump angeordneten Einsatzes in der Hauptstadt sind. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um eine 20 Jahre alte Frau und einen 24-jährigen Mann.

Beide wurden operiert und sind den Angaben zufolge weiterhin in einem “kritischen Zustand”. Zuvor hatte es Verwirrung gegeben: Der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, hatte zunächst auf mehreren Kanälen im Netz mitgeteilt, die beiden Opfer seien tot. Danach sprach er in einem weiteren Post von “widersprüchlichen Informationen”.

Was ist über den mutmaßlichen Täter bekannt?

Der mutmaßliche Täter wurde laut FBI vor seiner Festnahme angeschossen und schwer verletzt. Die Polizei geht derzeit von einem Einzeltäter aus. Zu einem möglichen Motiv gibt es keine Angaben. FBI-Spezialisten der Terrorismusbekämpfung haben die Ermittlungen übernommen.

Die amtierende Staatsanwältin für die US-Hauptstadt, Jeanine Pirro, erklärte, der Verdächtige habe in Bellington im US-Bundesstaat Washington mit seiner Frau und mutmaßlich fünf Kindern gelebt. Der 29 Jahre alte Mann sei mit einem Fahrzeug quer durchs Land in die Hauptstadt gefahren. Bei der Tat habe er einen Revolver benutzt. “Ihm drohen 15 Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Tötungsabsicht”, sagte Pirro. Sie machte klar, dass dies eine vorläufige Einschätzung sei. Sollte einer der beiden Nationalgardisten sterben, wolle sie den Tatverdächtigen wegen Mordes anklagen. Bei dem Verdächtigen handele es sich um einen afghanischen Staatsbürger, der 2021 in die USA einreiste, erklärte Präsident Trump in einer Ansprache an die Bevölkerung.

CIA-Direktor John Ratcliffe berichtete, der Mann habe vor Jahren in seiner Heimat mit der US-Regierung und dem Geheimdienst CIA zusammengearbeitet. Er machte keine konkreten Angaben dazu, welcher Tätigkeit der Verdächtige nachging. Die Arbeitsbeziehung sei jedoch kurz nach der “chaotischen Evakuierung” der US-Truppen aus Afghanistan im Jahr 2021 beendet worden.

Wie reagierte US-Präsident Trump?

In seiner Ansprache nannte Trump Afghanistan ein “Höllenloch auf Erden” und stellte die Behauptung auf, Millionen Menschen seien unter seinem demokratischen Vorgänger Joe Biden aus aller Welt ungeprüft in die USA gekommen. Er kündigte an, alle Personen, die während Bidens Amtszeit aus Afghanistan eingereist seien, erneut überprüfen zu lassen. Zudem werde er “alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass alle Ausländer aus allen Ländern abgeschoben werden, die nicht hierhergehören oder unserem Land keinen Nutzen bringen”.

Die US-Einwanderungsbehörde USCIS erklärte nach Trumps Ansprache auf der Plattform X, die Bearbeitung aller Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger würde mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres ausgesetzt. Die US-Organisation AfghanEvac, die sich für Afghanen einsetzt, warnte davor, den Angriff politisch zu instrumentalisieren.

Trump ist derzeit anlässlich des Feiertags Thanksgiving in Florida. In einer ersten Reaktion hatte er den mutmaßlichen Schützen auf seiner Plattform Truth Social als “Tier” bezeichnet und gesagt, er werde “einen hohen Preis zahlen müssen”.

Welche weiteren Reaktionen gibt es?

Auch Heimatschutzministerin Kristi Noem behauptete, der Mann sei ohne die nötigen Überprüfungen ins Land gekommen. Belege dafür, dass die üblichen Überprüfungen vor Einreisen nicht stattgefunden hätten, nannten weder Trump noch Noem. Selbst während der teils chaotischen Evakuierung von Afghanen aus Kabul durch das US-Militär 2021 wurden Afghanen nicht direkt in die USA gebracht. Sie wurden unter anderem auf einen US-Stützpunkt in Katar geflogen, wo erste Sicherheitsprüfungen durchgeführt wurden.

US-Vizepräsident JD Vance kündigte an, die Bemühungen der US-Regierung um Abschiebungen zu verstärken. “Zuerst werden wir den Schützen vor Gericht bringen und anschließend müssen wir unsere Anstrengungen verdoppeln, Leute ohne das Recht, in unserem Land zu sein, zu deportieren”, erklärte Vance auf X.

Pentagon-Chef Pete Hegeseth teilte mit, Trump habe ihn gebeten, 500 weitere Nationalgardisten nach Washington zu entsenden. Auch der US-Präsident bestätigt die Entsendung weiterer Truppen. FBI-Chef Kash Patel sagte, die Gardisten seien “schamlos in einem entsetzlichen Akt der Gewalt” angegriffen worden.

Ex-Präsident Biden verurteilte den Angriff. “Gewalt jeglicher Art ist inakzeptabel und wir müssen alle vereint dagegen vorgehen”, schrieb er auf X. Barack Obama teilte mit: “Gewalt hat keinen Platz in Amerika.”

Worum geht es beim Einsatz der Nationalgarde?

Seit dem Sommer sind mehr als 2.000 Nationalgardisten in Washington im Einsatz. Trump hatte sie im August in die Hauptstadt beordert und ihre heftig umstrittene Mobilisierung mit einer angeblich ausufernden Kriminalität begründet – obwohl Kriminalitätsstatistiken diese Darstellung nicht stützen und sich Washingtons Bürgermeisterin und Polizei gegen den Einsatz aussprachen.

Trotz Ablauf von Trumps Notfallverfügung und Klagen gegen die Präsenz der Truppen sind die Nationalgardisten immer noch vor Ort. Sie patrouillieren in Wohngebieten, an Bahnhöfen und anderen Orten, postierten sich an Kontrollposten auf Autobahnen und wurden auch für die Müllabfuhr und die Bewachung von Sportveranstaltungen abgestellt.

Vergangene Woche ordnete eine Bundesrichterin die Beendigung des Einsatzes an, setzte ihre Anordnung jedoch für 21 Tage aus, um der Trump-Regierung Zeit zu geben, entweder die Gardisten abzuziehen oder gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

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