Weihnachtsbaum in London: Eine 20 Meter hohe und kahle Fichte

Weihnachtsbaum in London: Eine 20 Meter hohe und kahle Fichte

Stand: 19.12.2025 16:35 Uhr

Geschmückt mit nur einer schlichten Lichterkette steht – wie jedes Jahr – ein Weihnachtsbaum am Trafalgar Square in London. Ein Geschenk von den Norwegern. Problem ist nur: Der Baum wird gemobbt.

Gabi Biesinger

Die Weihnachtsfichte auf dem Trafalgar Square ist so berühmt, dass sie sogar in dem bekannten Schlager Christmas Time in London Town besungen wird. Kein Wunder, schickt die Stadt Oslo doch schon seit 1947 jedes Jahr im Dezember einen stattlichen Baum. Wie ein verwittertes Schild am Fuß der Fichte erläutert, gilt der Baum als Dank an die Londoner Bevölkerung für deren Beistand während des Zweiten Weltkriegs, als sie eine norwegische Exilregierung beherbergte.

Viele lästern über die Fichte

Der norwegische Dankesbaum ist nur mit einer schlichten Lichterkette geschmückt. Es ist eine rund 20 Meter hohe, ranke, schlanke, ziemlich lichte Fichte. Oder auch: Eine naturbelassene Königin und Schönheit der norwegischen Wälder, wie der Lord Mayor von Westminster Paul Dimoldenberg bei der Präsentation auf dem Trafalgar Square schwärmte.

Doch wie jedes Jahr wird die etwas spillerige, stellenweise kahle Fichte in den sozialen Netzwerken gemobbt, weil sie so ganz anders aussieht als die dichten, kugeligen, üppig geschmückten Weihnachtstannen, die sonst in London rumstehen.

Der norwegische Baum ist eine rund 20 Meter hohe, ranke, schlanke und ziemlich lichte Fichte.

Bevölkerung von Oslo wählte den Baum aus

2021 fühlte der Osloer Stadtrat sich durch die Kritik noch so bedrängt, dass darüber abgestimmt wurde, den mageren Baum auszutauschen. In diesem Jahr wandten die Norweger dann erstmals den Trick an, die Bevölkerung von Oslo den Baum auswählen zu lassen. So war der Osloer Stadtrat wenigstens nicht mehr allein verantwortlich. Eine Sieger-Fichte landete nun in London.

Dimoldenberg verkündete: “Zum ersten Mal überhaupt wurde der Baum durch öffentliche Abstimmung gewählt, der Gewinner aller Zeiten.”

Fällen des Baumes in einem Wald bei Oslo: Die Sieger-Fichte für London.

Verteidigung der Ehre ihres Baumes: Chefsache der Norweger

Die Norweger nehmen die Kritik auch nicht länger schweigend zur Kenntnis, sondern haben die Verteidigung der Ehre ihres Baumes zur Chefsache gemacht.

Der norwegische Außenminister Espen Barth Eide reagiert nun bei Instagram höchstpersönlich auf die spöttischen Kommentare zum Baum. “Ich habe mich daran gewöhnt, einige wirklich gemeine Tweets über unseren schönen Weihnachtsbaum zu lesen,” klagt er und zitiert einige Kommentare:

“Sieht aus wie ein depressiver Kaktus.” Eide sagt dazu: “Aber ein Kaktus würde nicht einen einzigen norwegischen Winter überstehen.”

“Das Unkraut in meinem Garten ist größer als der Baum.” Eide meint: “Von jemandem mit so hohem Unkraut nehme ich schon gar keine Gärtnertipps an.”

“Wer kann ein Sonderangebot von Lidl schon ablehnen?” Eide kontert: “Das ist kein Sonderangebot, sondern ein unbezahlbares Geschenk zwischen unseren Ländern.”

“Der Grinch hat die Deko gestohlen.” Eide meint dazu: “Nein, der Baum entspricht genau dem skandinavischen Minimalismus. Wir hängen kein Plastik dran. Er ist so natürlich, wie er sein soll.”

Die Bürgermeisterin von Oslo, Anne Lindboe, und Lord Mayor von Westminster, Paul Dimoldenberg, fällen höchstpersönlich den Weihnachtsbaum für London.

Bürgermeisterin von Oslo: “Geht Weihnachten um mehr als ums Aussehen”

Und die Bürgermeisterin von Oslo, Anne Lindboe, springt ihrem Minister zur Seite und erinnert daran, dass es Weihnachten ja schließlich um mehr geht als ums Aussehen: “Bitte seien Sie vorsichtig, wenn Sie über sein Aussehen sprechen”, sagt sie. “Erinnern wir uns daran, dass es beim wahren Geist von Weihnachten um weit mehr geht, als nur um das Aussehen.”

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *