analyse
Die neue AfD-Jugendorganisation “Generation Deutschland” bindet mehr Leute aus dem rechtsradikalen Vorfeld an die AfD. Sie hat den Auftrag, Personal für Partei und Parlamente zu formen.
Gerade noch rechtzeitig, vor Beginn des für die AfD sehr wichtigen Wahljahres 2026, hat die Partei ihre Kaderschmiede für künftiges politisches Personal errichtet: Die “Generation Deutschland” (GD), die ausschließlich Parteimitgliedern offensteht.
Die Gründung dieser Jugendorganisation ist ein weiterer Schritt zur Normalisierung der AfD, wie sie im Osten Deutschlands bereits erfolgt ist. Sie wird dort mehrheitlich als normale Partei wahrgenommen, was einer Normalisierung des Rechtsextremismus gleichkommt. Diesen Zustand will sie bundesweit erreichen, die GD soll an diesem Ziel mitwirken.
Die personelle wie inhaltliche Ausgestaltung der GD orientiert sich bereits vor ihrer Gründung an den erfolgreichen ostdeutschen Landesverbänden, insbesondere an Brandenburg, von wo ihre wesentlichen Gründerväter kommen. Etwa Dennis Hohloch, der die Neugründung der Jugendorganisation für den Bundesvorstand der AfD betrieben hatte. Er ist parlamentarischer Geschäftsführer der AfD in der Landtagsfraktion und gehört zu den Mitbegründern der ehemaligen Jugendorganisation “Junge Alternative” (JA) in Brandenburg.
Radikal und erfolgreich in Brandenburg
Die AfD ist dort seit den Bundestagswahlen die stärkste politische Kraft, eben weil sie radikal ist. Zugleich fügt sie sich der Parteidisziplin und gilt als öffentlich und medial vermittelbar. Diesen Kurs könnte auch die GD einschlagen.
Die AfD braucht bundesweit viele neue Fachkräfte, um die große Nachfrage für ihre Politik zu bedienen – ausgelöst durch die Wahlerfolge der zurückliegenden beiden Jahre sowie durch weitere zu erwartende Wahlerfolge, sofern die aktuellen Prognosen weiterhin Bestand haben.
Im kommenden Jahr stehen neben Kommunalwahlen auch Landtagswahlen in fünf Bundesländern an, bei denen ihr aktuelle Umfragen einen deutlichen Zuwachs versprechen. In Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern erhofft die AfD sich Regierungsverantwortung. Die wachsende Partei braucht Mandatsträger, Mitarbeiter und willige Wahlkämpfer.
Keine Abkehr von der “Jungen Alternative”
Geht es nach der Parteiführung, sollen viele davon aus der Parteijugend kommen. Der Kaderschmiede für die AfD, die bald in Regierungsverantwortung kommen soll. “Ich möchte, dass wir eine starke zweite und dritte Reihe dafür haben”, rief die Co-Vorsitzende Alice Weidel bei der Gründungsversammlung in Gießen den rund 800 jungen Parteimitgliedern zu, an die sie eine klare Erwartung hat: “Ihr sollt politische Verantwortung übernehmen, und die Vorstufe dazu ist ein erfolgreicher Jugendverband der AfD.” Gemessen an den stehenden Ovationen, die Weidel dafür erhielt, ist die Parteijugend dazu bereit.
Ihr Vorsitzender ist es sicher. Der 28-jährige Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm aus Cottbus sagte dem rbb: “Die neue Jugendorganisation ist sich ihrem Kernauftrag bewusst, Kaderschmiede für die Mutterpartei zu sein.” Dabei stellte Hohm klar, dass es bei der GD lediglich um eine neue Form geht. Inhaltlich solle sich seine Organisation nicht von der im Mai aufgelösten “Jungen Alternativen” entfernen, die das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) zuvor als “gesichert rechtsextremistisch” eingestuft hatte.
“Das Ziel ist es, die Mutterpartei, die AfD, immer stärker zu machen”, sagte Hohm. “Und wir werden dabei nicht von den Inhalten abrücken, die wir seit Jahren fordern.” Damit ist klar, dass auch die GD die völkische Agenda ihrer Vorgängerorganisation vertritt, die sich durch ihre ethnisch-abstammungsmäßigen Volksbegriff zeigte.
Höcke kennt Hohm seit vielen Jahren
Deren Vorsitzender, der Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck aus Brandenburg, hatte bei einem Wahlkampfauftritt südlich von Berlin im vergangenen Jahr gesagt: “Wir müssen auch wieder entscheiden dürfen, wer überhaupt zu diesem Volk gehört und wer nicht. Es gehört mehr dazu, Deutscher zu sein, als einfach nur eine Staatsbürgerurkunde in der Hand zu haben.”
In Gießen gehörte Gnauck zu den ersten Gratulanten von Jean-Pascal Hohm, dessen Wahl er auch deshalb unterstützt habe, weil “dieser nicht nur die Parlamente kennt, sondern auch das politische Vorfeld”, wie er dem rbb sagte.
Aus dem gleichen Grund begrüßte auch Björn Höcke, rechtsextremer Landesvorsitzender aus Thüringen, die Wahl von Hohm, den er seit vielen Jahren kennt. “Er wird ein guter Bundesvorsitzender der ‘Generation Deutschland’ sein. Weil er Brücken bauen kann und im Kontakt mit den Vorfeldorganisationen ist”, sagte Höcke in Gießen.
Mehrfach trat Höcke in den vergangenen Jahren als Redner bei Demonstrationen in Cottbus auf, die Hohm mitorganisiert hatte: Als Kreischef der AfD oder als Mitglied des rechtsextremen Vereins “Zukunft Heimat”, einer Art Brandenburger Pegida. Auch auf Grund seiner politischen Arbeit konnte die AfD Südbrandenburg zu einem ihrer Kraftzentren bundesweit ausbauen.
Hohm vertritt Verschwörungsideologien
Der rechtsextreme Verleger und Publizist Götz Kubitschek, der in Gießen vor Ort war und maßgeblich den Kurs der AfD im Osten beeinflusst, lobte Hohm dafür, dass er zu jenen Politikern gehöre, die “mit einem Fuß im vorpolitischen Raum stehen”, wie er in einem Blog-Beitrag schrieb.
Hohm selbst stuft der Verfassungsschutz Brandenburg als Einzelpersonen als “gesichert rechtsextrem” ein. Auch sein gesamter AfD-Landesverband wurde in diesem Jahr als solcher eingestuft. Vor allem, weil die Partei dort den ethnisch-abstimmungsmäßigen Volksbegriff vertritt, der ein Vorstoß gegen die Menschenwürde ist, wie sie das Grundgesetz in Artikel 1 festgeschrieben hat. So die Begründung der Behörde.
Demnach vertritt Hohm die rechtsextreme Verschwörungsideologie des sogenannten “Bevölkerungsaustauschs”, wie sie die rechtsextremen “Identitären” verbreiten. Im Gespräch mit dem rbb unterstützte er auch nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der GD die “Identitäre Bewegung”, aus der sich zahlreiche Mitglieder der Vorgängerorganisation JA angeschlossen hatten. “Auch heute ist es möglich, dass Menschen, die bei der ‘Identitären Bewegung’ aktiv waren, dort Mitglied waren, Mitglieder in der AfD werden können oder gerade auch als Mitarbeiter aktiv werden können.”
Radikal, einsatzbereit und diszipliniert
Hohm ist geradewegs der Idealtypus des Funktionärs, wie er künftig in seiner Kaderschmiede geformt werden soll: Radikal im Sinne der AfD, einsatzbereit und diszipliniert.
Seit seinem 17. Lebensjahr ist Hohm in der Partei tätig: als Praktikant, Protestorganisator, digitaler Medienarbeiter, Mitarbeiter für Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Stadtverordneter, Wahlkämpfer, Kreischef und schließlich Landtagsabgeordneter.
Für all solche Positionen braucht die AfD noch mehr Leute, die im Sinne der Partei funktionieren, auf Alleingänge verzichten und sich selbst nicht in den Vordergrund stellen. Es sei denn, sie werden dorthin gestellt. So wie Jean-Pascal Hohm als Vorsitzender der GD.

