Kommentar
Seit dem Überfall der Hamas am 7. Oktober hat sich Israel, der Gazastreifen und die gesamte Region tiefgreifend verändert – nicht zum besseren. Der Blick nach vorne macht wenig Hoffnung. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht.
1.000 Tage – eine Zahl, die eigentlich abstrakt wirkt. Im konkreten Fall markieren diese 1.000 Tage seit dem brutalen Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 eine Epoche des Leids, des Krieges und der bitteren Erkenntnis: Nichts ist mehr im Nahen Osten, wie es einmal war.
Die Region befindet sich in einer permanenten Schockwelle, und die tektonischen Verschiebungen, die es gegeben hat, werden die Akteure noch Jahrzehnte beschäftigen.
Ein Massaker, an Grausamkeit kaum zu überbieten
Der Ursprung dieser Zäsur vor genau 1.000 Tagen war ein Zivilisationsbruch. Ein Massaker an Zivilisten, an Grausamkeit kaum zu überbieten.
Die Terrororganisation Hamas hat an diesem Tag und seither bewiesen, dass es ihr nie um das Wohl der palästinensischen Bevölkerung ging, sondern um die totale Vernichtung des jüdischen Lebens – koste es an zivilen palästinensischen Opfern, was es wolle. Der Terror der Hamas bleibt der Ausgangspunkt und Brandbeschleuniger dieser Tragödie.
Die radikale Veränderung Israels
Doch zur Wahrheit dieser 1.000 Tage gehört auch die radikale Veränderung Israels – und die verheerende Bilanz seiner politischen Führung. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Land in einen Dauerkrieg gestürzt, der ohne klare politische Exit-Strategie geführt wird.
Netanjahus politisches Überleben ist wesentlich mit der Fortführung des Konflikts verknüpft. Um seine rechtsextremen Koalitionspartner zu halten, opferte er über Monate hinweg die innenpolitische Einheit Israels, beschädigte das internationale Ansehen der einzigen Demokratie der Region massiv und riskierte nach Ansicht der Angehörigen das Leben der verbliebenen Geiseln.
Seine Strategie der schieren militärischen Härte hat die Hamas zwar geschwächt, aber die tieferen Ursachen des Konflikts kein Stück gelöst. Israel ist heute international isolierter und im Inneren zerrissener als je zuvor.
Eine Region im permanenten Abnutzungskampf
Und die geopolitischen Trümmer reichen weit über Gaza hinaus. Die Hoffnung auf eine Annäherung zwischen Israel und der arabischen Welt liegt auf Eis. Stattdessen erleben wir eine gefährliche Achsenbildung: Iran und seine Stellvertreter, von den Huthis im Jemen bis zur Hisbollah im Libanon, haben die Region in einen permanenten Abnutzungskampf gezogen. Der Nahe Osten ist zu einem globalen Pulverfass geworden.
Nach 1.000 Tagen ist klar: Es gibt keine rein militärische Lösung. Weder die Vernichtung des Terrors noch die Sicherheit Israels lassen sich allein mit Bomben erzwingen. Solange es keine glaubwürdige politische Perspektive gibt – für Israelis ebenso wie für Palästinenser -, wird der Kreislauf aus Gewalt, Vergeltung und neuem Hass weitergehen.
1.000 Tage nach dem 7. Oktober macht der Blick nach vorne fassungslos: Die Region hat ihren Kompass verloren – und ein Ende der Krise ist weit und breit nicht in Sicht.
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