Stand: 29.06.2026 • 17:56 Uhr

Defekte Klimaanlagen in Zügen, Böschungsbrände und “blow ups”: Die Hitzewelle bringt nicht nur Menschen an ihre Grenzen. Auch auf Schiene und Autobahn gab es am Wochenende Probleme. Was hilft und wie lange dauert es?

Frank Aischmann, MDR

Erklärt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Hitze-Problem jetzt zur Chefsache, damit zügig zusätzliche Milliarden in die Klimaanpassung von Bahn und Schiene fließen? “Chefsache ist ja noch keine Lösung für ein Problem”, lehnt Regierungssprecher Stefan Kornelius die Idee ab.

“Man muss aufpassen, dass da keine Erwartungen aufgestellt werden, die sich nicht erfüllen lassen.”

Bahn-Experte: Keine schnelle Lösung in Sicht

Dem stimmt der Eisenbahn-Experte Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin zu. Weil sich die Hitze gleichzeitig auf so viele Teile des Gesamtsystems Bahn ausgewirkt habe, dass es die schnelle Lösung nicht gebe.

“Wir sehen, dass in Einzelfällen auch Stellwerke überhitzen können”, berichtet er. Man wisse vorher nicht, wo das passiere. “In ungünstigen Fällen hängen Oberleitungen durch, weil sie sich zu stark erwärmen.”

Ein großes Thema seien auch Böschungsbrände, die schwer zu verhindern sind. Auch Brände in benachbarten Wäldern oder Anlagen machten oft Probleme. “Also es gibt nicht die ein, zwei Komponenten, bei denen sie sagen, hier investiere ich ein paar Millionen und dann wird alles besser.”

Alte Züge haben keine Klimaanlagen

Denn die Hitze habe ein Unternehmen Bahn erwischt, das ohnehin in der Krise stecke. Auf 130 Milliarden Euro wird der Investitionsrückstau geschätzt. Aber wie wäre es, wenn angesichts des Klimawandels wenigstens alle Züge klimatisiert wären – und in allen der gut 400 ICEs Klimaanlagen auch Rekordtemperaturen locker wegkühlen?

“Das wäre technologisch natürlich möglich, in einem Teil unserer Zugflotte gibt es keine Klimaanlagen, bei den meisten neuen werden die mitbestellt”, sagt Böttger. “Aber die Klimaanlagen sind ausgerichtet auf typische Wetterbedingungen und nicht Hitzewellen.”

Die Bahn experimentierte bereits mit weißer Farbe. Denn: Angestrichene Schienen reflektieren das Sonnenlicht stärker, das hält sie sieben Grad kühler. Werden die 33.000 Streckenkilometer also bald gebleicht? Wohl kaum, sagt Experte Böttger: “Das wurde vor zwei Jahren versucht, ich habe die Ankündigung gesehen, aber nie einen Endbericht gesehen. Ich habe auch bis auf bei einer Kleinbahn nicht gehört, dass sich die Gleise verbogen hätten.”

Autobahnen: Geschmolzenes Bitumen und “blow ups”

Ein Problem sind die hohen Temperaturen auch für Autobahnen. “Die Hitzewelle hat dem Material sehr zugesetzt, wir hatten im gesamten Bundesgebiet erhebliche Schädigungen”, sagt Dirk Brandenburger von der Autobahn-GmbH. Auf den etwa 13.000 Autobahn-Kilometern sei etwa Bitumen geschmolzen.

Auch “blow ups” habe es gegeben. Also Betonplatten, die sich ausdehnen, blockieren und dann schlagartig nach oben aufbrechen. Etwa 40 Hitze-Schäden werden nun abgearbeitet, perspektivisch hilft nur, die Autobahnen dicker und mit hitzefesterem Material zu bauen. Wann wird das abgeschlossen sein? “Bei 13.300 Kilometern haben wir Jahrzehnte vor uns, bis alle Strecken erneuert sind”, stimmt Bradenburger auf Geduld ein.

Anders als die nächste Hitzewelle: Schnelle Klimaanpassung ist bei Schiene und Autobahn also nicht in Sicht.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *