Die Spritpreise an den deutschen Tankstellen sind mit Auslaufen des Tankrabatts massiv angestiegen. Sowohl Super E10 als auch Diesel kosten am Mittag im bundesweiten Schnitt wieder deutlich über zwei Euro pro Liter.
Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Tankrabatts sind die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen kräftig nach oben geklettert. Laut ADAC-Auswertung verteuerte sich ein Liter Super E10 zur Mittagszeit zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr im bundesweiten Mittel um 18,2 Cent auf 2,15 Euro. Bei Diesel betrug der Aufschlag im selben Zeitraum 20,4 Cent auf 2,11 Euro pro Liter.
Preissprung schon gestern
Bereits am Dienstag, dem letzten Tag des Tankrabatts durch eine niedrigere Steuer, hatten die Mineralölkonzerne die Preise massiv angehoben. Die Aufschläge fielen mit 20,3 Cent bei Super E10 und 24,0 Cent bei Diesel sogar noch höher aus als heute. Benzin kostete im Anschluss durchschnittlich 2,033 Euro pro Liter, Diesel 1,990 Euro. In den folgenden 24 Stunden sanken die Preise dann zeitweise nur leicht, für Benzin um 6,5 Cent und für Diesel um 8,4 Cent.
Der Steuerrabatt in Höhe von 16,7 Cent pro Liter auf Kraftstoffe war Mitternacht ausgelaufen. Zu dieser Zeit konnten die Tankstellen ihre Preise wegen der 12-Uhr-Regel nicht erhöhen. Offensichtlich lösten viele dieses Dilemma, indem sie die Preise nach einem kräftigen Mittagssprung am Dienstag nicht wie üblich zügig und stark senkten, sondern nur in geringem Umfang. Die Preiserhöhungen wurden letztlich durch das Ausbleiben von Preissenkungen umgesetzt.
Die Rücknahme des Tankrabatts sei damit ungerechtfertigt vorweggenommen worden, kritisiert der ADAC. Dieses Vorgehen sei fragwürdig, “denn noch befindet sich vielerorts günstiger versteuerter Kraftstoff in den Tanks der Tankstellen”. Daher hätten die Preise nicht schon am letzten Junitag so deutlich steigen dürfen.
Kritik auch von der Monopolkommission
Auch der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisiert, dass die Preise zu früh gestiegen seien. “Der Tankrabatt ist seit heute Nacht Geschichte – doch an den Zapfsäulen war das Ende längst eingepreist.” In den vergangenen Tagen hätten die Mineralölunternehmen das absehbare Auslaufen offenbar genutzt, um ihre Margen gezielt auszuweiten, so der Ökonom. “In den letzten Tagen lag die Weitergabe nur noch bei 7 bis 11 Cent pro Liter je nach Kraftstoff, obwohl der Rabatt rechnerisch rund 17 Cent betragen sollte.”
Mehr als die Hälfte des Rabatts sei den Verbrauchern also nicht mehr angekommen. “Das ist wettbewerbspolitisch alarmierend”, so Duso. Da für die Steuer nicht der Kauf an der Zapfsäule, sondern die Belieferung der Tankstelle entscheidend ist, wäre eigentlich ein schrittweiser Preisanstieg nach dem tatsächlichen Auslaufen zu erwarten gewesen. “Stattdessen stiegen die Preise bereits Tage vorher stark an.”
Schon vor rund zwei Wochen hatte die Monopolkommission kritisiert, dass der Tankrabatt nicht vollständig weitergegeben werde. Tankstellen- und Mineralölverbände widersprechen dieser Einschätzung, das Münchner ifo-Institut und das Bundeskartellamt kamen jedoch zu einer ähnlichen Bewertung.
Preis-Anstieg stärker als Höhe des Tankrabatts
Laut ADAC-Daten ist der Spritpreis bereits in der letzten Woche des Tankrabatts täglich gestiegen. Dabei war der Rohölpreis in dieser Zeit tendenziell rückläufig. Nun dürften die Preise nicht noch weiter angehoben werden, fordert der Verkehrsclub. Der Tankrabatt sei bereits vorzeitig von den Konzernen beendet worden. “Eine erneute Verteuerung wäre damit nicht mehr gerechtfertigt.”
Der Preisanstieg über die zwei Tage scheint darüber hinaus insgesamt deutlich stärker auszufallen als die 17 Cent Tankrabatt. Ein vollständiges Bild der Preissteigerungen gibt es erst am Donnerstag, wenn der Tagesdurchschnitts-Preis für den heutigen Mittwoch ermittelt werden kann. Der Tagesdurchschnitts-Preis für Dienstag lag bereits deutlich über dem des Vortages: um 6,2 Cent für Benzin und um 7,5 Cent für Diesel.
Daten der ARD bestätigen diese Entwicklung – zumindest beim Diesel. Für einen Liter zahlten Kundinnen und Kunden demnach heute Mittag um 14 Uhr im Schnitt 1,93 Euro – ein Plus von 18 Cent im Vergleich zum Wochenbeginn. Ein Liter E10 kostete 1,98 Euro pro Liter und damit 14 Cent mehr als am Montag. Das ergibt die SWR-Datenanalyse aller Kraftstoff-Preise der rund 15.000 deutschen Tankstellen.
Am Mittwochmorgen nur vereinzelt günstige Angebote
Autofahrerinnen und Autofahrer, die gehofft hatten, dass das Ende des Tankrabatts erst heute Mittag an den Zapfsäulen durchschlägt, wurden also enttäuscht. Nur vereinzelt hatte es am Morgen noch Tankstellen mit Preisen unter 1,80 Euro gegeben – vor allem bei Diesel. Mit der Preiserhöhung verschwanden diese Angebote jetzt weitestgehend.
Der Tankrabatt galt vom 1. Mai bis 30. Juni. Der Staat ging in früheren Schätzungen von Steuermindereinnahmen von rund 1,6 Milliarden Euro aus. Im Juni hatte der Tankrabatt noch seine Wirkung entfaltet. Zusammen mit wieder sinkenden Ölpreisen sorgte das für den billigsten Tankmonat seit Ausbruch des Iran-Kriegs.
Nach Daten des ADAC kostete ein Liter Super E10 im Juni-Durchschnitt 1,870 Euro. Das waren 11,3 Cent weniger als im Mai und 23,9 Cent weniger als im April, dem bisher teuersten Monat. Ein Liter Diesel kostete im Monatsschnitt 1,818 Euro. Das waren 17,3 Cent weniger als im Mai und 44,5 Cent weniger als im besonders teuren April.