Exklusiv
Die Zahl der Verdachtsmeldungen zu rechtsextremistischen Vorfällen bei der Bundeswehr ist erneut leicht gestiegen. Im Jahr 2024 gab es noch 280 solcher Meldungen, im vergangenen Jahr 302 Meldungen. Die Gründe für die Meldungen sind vielfältig.
Die Zahl rechtsextremistischer Verdachtsmeldungen innerhalb der Bundeswehr ist auch im Jahr 2025 leicht gestiegen. Das geht aus bislang unveröffentlichten Daten des Bundesverteidigungsministeriums hervor, die dem WDR vorliegen. Demnach ist die Bundeswehr im vergangenen Jahr insgesamt 302 Sicherheitsmeldungen mit rechtsextremistischen Bezügen auf Dienststellen der Bundeswehr nachgegangen – rund 350 Personen gerieten dabei ins Visier. Mehr als 90 Bundeswehrangehörige wurden entlassen.
Die Zahl der Entlassungen entspricht in etwa der Vorjahreszahl und erfolgte nicht immer aufgrund der Meldung zu einem rechtsextremistischen Vorfall. Im Vorjahr gab es 280 Verdachtsmeldungen.
Entlassung wegen “Sylter Hymne”
Die Meldungen sind vielfältig: In rund 70 Fällen wurden rassistische oder ausländerfeindliche Äußerungen gemeldet. Aber auch aufgefundene NS-Symbole oder Hakenkreuz-Schmierereien, bei denen keine Täter ausfindig gemacht werden konnte, beschäftigten die Bundeswehr – ebenso wie die Teilnahme an rechtsextremistischen Veranstaltungen oder das Teilen rechtsextremistischer Bilder via WhatsApp.
Vereinzelt wurden auch Soldaten entlassen, weil sie unter anderem etwa die sogenannte Sylter Hymne gesungen hatten. Das Lied hatte im Frühjahr 2024 für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt, nachdem tanzende und feiernde Menschen auf der Urlaubsinsel Sylt die Zeile “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus” gesungen hatten.
Die Daten des Ministeriums zeigen auch, dass sich längst nicht alle Vorfälle, die von Soldaten oder Hinweisgebern außerhalb der Bundeswehr gemeldet werden, bestätigen lassen. So ließen sich nur rund 25 Prozent aller Meldungen anschließend bestätigen, während rund 30 Prozent der Meldungen nicht bestätigt wurden. Beim Rest der Verdachtsmeldungen ist der Sachverhalt noch offen.
Besonders auffällig: Zu den häufigsten Einzelfällen, die gemeldet wurden, gehört die Meldung, dass Soldaten den Hitlergruß gezeigt hätten. Zu insgesamt 65 Soldaten gingen 2025 solche Meldungen ein – bestätigt werden konnten bislang aber weniger als zehn Fälle.
Bestimmte Standorte stechen heraus
Die Daten werfen auch Schlaglichter auf bestimmte Bundeswehrstandorte, zu denen vermehrt Meldungen eingingen. Neben dem Standort Zweibrücken, wo in der Vergangenheit bereits Berichte über sexistische und extremistische Vorfälle sowie Drogenmissbrauch für Schlagzeilen sorgten, verzeichnete die Bundeswehr über Monate hinweg Einzelmeldungen zum Bundeswehrstandort Stetten am kalten Markt. Dort befindet sich einer der größten Bundeswehrstandorte in Süddeutschland, mit Minenräumern und einem Jägerbatallion.
Meldungen gab es vermehrt auch zum Bundeswehrstandort Neubiberg, südlich von München, wo an der Bundeswehrakademie der akademische Militärnachwuchs ausgebildet wird. Und zu einer Kaserne in Bad Sülze, Mecklenburg-Vorpommern. Dort gerieten Ende Januar 2025 gleich zehn Soldaten in Verdacht, rechtsextremistische Inhalte geteilt zu haben. Darunter Berufssoldaten, Zeitsoldaten und Reservedienstleistende. Die Verfahren laufen noch, disziplinarrechtliche Schritte wurden eingeleitet. Öffentlich bekannt waren diese Vorgänge noch nicht.
Langfristige Entwicklung
Die Daten gehen hervor aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Zada Salihovic (Linkspartei). Die Fraktion der Linkspartei fragt die Daten seit vielen Jahren jährlich ab. So lassen sich Entwicklungen auch über einen längeren Zeitpunkt hinaus vergleichen. Die Daten lassen allerdings nur bedingten Aufschluss darüber zu, ob nur die Zahl der Extremismusfälle selbst oder die Sensibilität innerhalb der Bundeswehr gestiegen ist.
So hat sich etwa auch die Zahl der Bewerber, die die Bundesregierung im letzten Jahr wegen “Zweifeln an der Verfassungstreue” abgelehnt hat, erhöht: Waren im Jahr 2024 noch 134 Bewerber abgelehnt worden, so waren es ein Jahr später 149 Kandidaten. Allerdings war im gleichen Zeitraum auch die Zahl der Bewerbungen laut Bundeswehr um neun Prozent gestiegen.