Marktbericht
Der DAX bleibt weiter in Rekordlaune, auch zum Wochenstart setzt sich die Gewinnserie fort. Freundliche Konjunkturdaten aus der Industrie locken die Anleger in den Markt. Vom Ölmarkt kommen ebenfalls positive Signale.
Der deutsche Leitindex erreicht im frühen Handel wieder ein Rekordhoch und klettert erstmals über die Marke von 25.900 Punkten. Am vergangenen Freitag war der DAX in der Spitze auf ein Allzeithoch von 25.826 Zählern gestiegen. Aus dem Handel ging er 0,8 Prozent im Plus bei 25.779 Punkten. Für die gute Stimmung an den Börsen sorgten Spekulationen auf vorerst ausbleibende Zinserhöhungen in den USA, genährt durch schwache Jobdaten am vergangenen Donnerstag.
Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, stellt fest, dass bis Jahresende nur noch eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für eine Zinserhöhung eingepreist sei. Wichtiger nächster Datenpunkt seien nun die Daten zur Verbraucherpreisinflation am 14. Juli.
Jetzt stellen sich die Anlegerinnen und Anleger die Frage, ob die Marke von 26.000 Punkten bald übertroffen wird. Timo Emden vom Analysehaus Emden Research bleibt vorsichtig: “Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht nimmt den Zinserhöhungssorgen zwar kurzfristig den Wind aus den Segeln”, sagt der Marktbeobachter.
“Die gute Stimmung an den Börsen sollte jedoch nicht kaschieren, dass unter der Oberfläche weiterhin erhebliche Unwägbarkeiten glimmen.” Dazu zählten insbesondere Nahost-Risiken, Unsicherheiten über den weiteren Zinspfad der Notenbanken und kritische Fragen zum KI-Sektor, so Emden.
Frank Sohlleder, Analyst beim Broker ActivTrades, ist optimistischer: “Da es auch aus den geopolitischen Brennpunkten im Iran und der Ukraine aktuell keine neuen ad-hoc-Meldungen gibt, bleibt der Weg für die Bullen frei.”
Neben der Hoffnung auf die Geldpolitik hellen frische Konjunkturdaten die Stimmung auf: Daten zum Auftragseingang der deutschen Industrie im Mai fielen unerwartet stark aus. Das Neugeschäft wuchs um 1,9 Prozent zum April, Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Im April waren die Aufträge noch deutlich zurückgegangen. Der Nahost-Krieg und die höheren Preise für Öl und Gas hatten die Nachfrage nach Gütern gedämpft.
Die aktuelle Erholung hängt vor allem mit einem Anstieg im Bereich Sonstiger Fahrzeugbau zusammen. Hierzu gehören Schiffe, Flugzeuge, Züge und Militärfahrzeuge. Der Staat investiert derzeit Milliarden Euro in Rüstung und Infrastruktur.
Trotzdem bleiben Fachleute zurückhaltend: “Die Auftragseingänge bestätigen das Bild, dass sich die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr kaum deutlich erholen kann. Der Iran-Krieg macht die positiven Effekte der Rüstungs- und Infrastrukturausgaben der Bundesregierung teilweise zunichte”, schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank in einem Kurzkommentar.
Die Energiepreise könnten in den nächsten Tagen sinken, eine weitere Unterstützung für die deutsche Industrie: Das Ölkartell Opec+ hat sich auf eine höhere Produktion ab August geeinigt. Die Fördermenge soll um 188.000 Barrel am Tag erhöht werden.
Bereits im Juni und Juli hatte es eine ähnliche Ausweitung gegeben. Allerdings standen diese Erhöhungen eher auf dem Papier, weil die Meeresenge von Hormus für Tanker wichtiger Produzenten wie Saudi-Arabien oder Kuwait wegen des Krieges zwischen den USA und Iran geschlossen war. Die hohen Energiepreise hatten den Transport und die Produktion von Gütern kräftig verteuert, und damit die Inflation weltweit angetrieben.
Auch aus den USA könnten heute noch positive Impulse kommen. Aktuell deuten die Terminmärkte auf einen freundlichen Handelsstart in den USA hin. Am Freitag war die Wall Street wegen eines Feiertags geschlossen.
Der US-Standardwerteindex Dow Jones hatte sich am Donnerstag mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 52.900 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Der breit gefasste S&P 500 hatte kaum verändert bei 7.483 notiert, und der technologielastige Nasdaq hatte 0,8 Prozent auf 25.832 Stellen nachgegeben.