CARE-Report: Wenig Aufmerksamkeit für Krisen in Afrika

CARE-Report: Wenig Aufmerksamkeit für Krisen in Afrika

Stand: 28.01.2026 06:00 Uhr

Kriege, Hunger und Klimakatastrophen: Viele humanitäre Krisen bleiben weitgehend unbeachtet. Ein neuer Report der Hilfsorganisation CARE International zeigt, welche Notlagen aus dem Blick geraten sind.

Stephan Ueberbach

Während die Hochzeit des Amazon-Gründers Jeff Bezos in Venedig oder die temporäre Sperrung des Videoportals TikTok in den USA im vergangenen Jahr in den Online-Medien weltweit Schlagzeilen gemacht haben, blieben viele Notlagen weltweit unbeachtet. Das zeigt der neue Report der Hilfsorganisation CARE International.

Die großen Krisenherde, insbesondere in Afrika, waren praktisch unsichtbar. Über die Zentralafrikanische Republik etwa erschienen nur wenige Berichte – obwohl dort bewaffnete Angriffe, zerstörte Krankenhäuser oder geschlossene Schulen zum Alltag gehören und mehr als zwei Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sind.

Krisen in Afrika komplex und langanhaltend

Die schlimmste Dürre in Namibia seit 100 Jahren, die Überschwemmungen in Sambia oder der Hunger in Simbabwe: All das spielte in der Berichterstattung ebenfalls kaum eine Rolle.

Diese Notlagen blieben auch deshalb oft unter dem Radar, weil sie sich über Jahre hinzögen, sagt Charlene Ambali von CARE Simbabwe. “Für uns in Afrika sind Krisen meist langanhaltend, schleichend und komplex – nicht plötzlich oder rasant”, so Ambali. Deswegen wandere die Aufmerksamkeit oft weiter.

Nachrichten geprägt von Ukraine, Gaza und Trump

Für den CARE-Bericht wurden rund fünf Millionen Online-Artikel in fünf Sprachen ausgewertet, die weltweit zwischen Januar und September im vergangenen Jahr erschienen sind. Demnach wurde die weltweite Nachrichtenlage 2025 von den Kriegen in der Ukraine und im Gazastreifen, großen Naturkatastrophen und auch von US-Präsident Donald Trump dominiert.

Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland, sieht den Grund darin im Kontext des Medienmarktes: “Für Deutschland ist der Krieg in der Ukraine wegen der geografischen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen viel relevanter.” Außerdem sei es ein natürliches Phänomen, dass Popkultur-Themen mehr Aufmerksamkeit erzeugen, da sie ein breites Publikum ansprechen könnten.

Aufmerksamkeit hat reale Konsequenzen

Der Aufmerksamkeitsmangel hat konkrete Folgen für die Krisenländer. Wo kaum hingeschaut wird, fehlen oft die Mittel für humanitäre Unterstützung – auch, weil weniger gespendet werde, erklärt Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin von CARE Österreich.

“2025 waren globale Hilfsaufrufe nur zu einem Drittel finanziert”, bemängelt Barschdorf-Hager. Wichtige Geldgeber wie die USA, Deutschland, Schweden und Österreich hätten ihre Finanzhilfen drastisch gekürzt. Das hätte “schwierige Entscheidungen erzwungen – mit realen Konsequenzen für Gesundheit, Ernährungssicherheit, Schutz und Fürsorge, besonders für Frauen und Mädchen.”

Auch positive Entwicklung bei Krisen-Berichterstattung

Allerdings stellt die Hilfsorganisation in der Berichterstattung auch gegenläufige Trends fest. Zum Beispiel gewinne der konstruktive Journalismus, der Lösungen in den Mittelpunkt stellt, zunehmend an Bedeutung.

Aus Ländern wie Malawi etwa wird nicht nur über Hunger und Dürre berichtet, sondern auch über den Umstieg auf klimaresistentes Saatgut und effektivere Bewässerungssysteme. Außerdem könnten betroffene Gemeinschaften in den sozialen Medien ihre Geschichten direkt und ungefiltert erzählen, um damit auf humanitäre Krisen aufmerksam zu machen.

Genau darauf kommt es laut CARE International an. Jede erzählte Geschichte und jede sichtbar gemachte Krise erhöhe den Druck auf Entscheidungsträger. Denn Vergessenwerden habe reale Konsequenzen, betont die Hilfsorganisation – für Finanzierung, Sichtbarkeit und die menschliche Würde.

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