Noch vor einigen Jahren kritisierte sie Trumps Migrationspolitik – mittlerweile präsentiert sich die Rapperin Nicki Minaj als Fan des US-Präsidenten und tritt bei rechten Veranstaltungen auf. Wie kam es zu dem Wandel?
Ihr Hit “Super Bass” darf nicht fehlen, als Nicki Minaj beim AmericaFest in Phoenix auf die Bühne kommt. Es ist eine Jugendkonferenz von Turning Point USA, und die “Queen of Rap” wird auf der Bühne von Erika Kirk interviewt. Die Witwe des rechtskonservativen Influencers Charlie Kirk führt die Bewegung nach dem Tod ihres Mannes durch ein Attentat weiter.
Die beiden Frauen sitzen auf Chromsesseln mit cremefarbenem Bezug, und Kirk fragt die Rapperin, wie sie zu Präsident Donald Trump stehe. Die sagt: “Ich habe den größten Respekt, bewundere unseren Präsidenten. Er hat so vielen Menschen die Hoffnung gegeben, dass man über die bösen Jungs gewinnen kann, erhobenen Hauptes, mit Würde.”
Der Auftritt am 21. Dezember schlug Wellen. Die “Queen of Rap” bei einer eindeutig politischen Veranstaltung – und sie bedient das rechtspopulistische Narrativ, man dürfe ja nichts mehr sagen: “Die jungen Leute verdienen es, gehört zu werden, mit ihren Gefühlen, ihrer Meinung. Und dann hörst du, ‘es ist tabu zu sagen, was nicht der Mehrheitsmeinung entspricht’ – das ist nicht okay.”
Auf der Veranstaltung von Turning Point USA interviewt Erika Kirk Nicki Minaj – ein Auftritt, der für Aufsehen sorgte.
Gegen geschlechtsangleichende Behandlungen
Für Teile der Fanbase war das ein Schock – obwohl es nicht die erste Botschaft Minajs war, die sie in die Nähe des politischen Lagers von Trump brachte. Im November teilte sie einen TikTok-Post des Weißen Hauses, in dem behauptet wurde, die von Trump geschickte Nationalgarde habe Städte sicherer gemacht.
Auf Social Media lehnte sie trans Athleten im Frauensport ab und sprach sich auch grundsätzlich gegen geschlechtsangleichende Behandlungen aus.
Minaj hat einen fünfjährigen Sohn, sie nennt ihn Papa Bear. Seine Geburt habe ihr Leben grundlegend verändert, so die Rapperin in Interviews. Sie hat sich in den Hidden Valleys bei Los Angeles eine Villa gekauft – in einer umzäunten Wohngegend, in der zum Beispiel auch die Kardashians, Drake und Miley Cyrus wohnen. Teil eines Rückzugs, wenn man so will, einer Rückbesinnung. In “Blessings” von 2023 singt sie über ihren Glauben: “Es gibt einen Vater, der bei uns ist und der uns sieht – täusche dich nicht, sein Name ist Jesus.”
“Ich war es leid, rumgeschubst zu werden”
Bei einem UN-Event prangerte sie – ebenso wie Trump und die christliche Rechte von Turning Point USA – die angebliche Verfolgung und Ermordung von Christen in Nigeria an. “Was war für dich der politische Turning Point”, fragte Erika Kirk sie in Phoenix. Die Antwort: “Ich war es einfach leid, rumgeschubst zu werden. Und dann merkst du plötzlich: Ich bin stärker, als das da draußen.”
Ein Satz, der auch zu ihrem vermeintlich früheren Ich gepasst hätte. Vielen galt Minaj bis vor kurzem als eine Person, die für Minderheitenrechte eintritt – sie hatte viele Fans in der queeren Szene.
Tritt auf Veranstaltungen im Trump-Umfeld auf und bezeichnete sich jüngst als “wahrscheinlich” größten Fan des US-Präsidenten: Nicki Minaj.
Noch 2018 Bezug zur eigenen Migrationsgeschichte
2018 hatte sie sich in einem Post auf Twitter auch gegen die harte Abschiebepolitik Trumps in dessen erster Amtszeit gewandt: “Ich bin selbst im Alter von fünf Jahren illegal in dieses Land gekommen. Es ist ein schrecklicher Gedanke, an einem fremden Ort zu sein und dann im Alter von fünf Jahren von den Eltern getrennt zu werden. Bitte stoppen Sie das. Können Sie sich vorstellen, welche Angst und Panik diese Kinder gerade durchmachen?”, schrieb sie damals.
Heute sind manche Videos mit Interviews, in denen Minaj über ihre Herkunft spricht, nicht mehr aufrufbar. Damals deuteten manche Zeilen wie diese aus ihrem Song “The Night Is Still Young” auch als Unterstützung für “Dreamer” – Einwanderer, die als Kinder von ihren Eltern ohne Papiere ins Land gebracht wurden und dort aufgewachsen sind. So wie sie selbst: “Lebe im Jetzt, das ist es, wofür du hier bist, greif nach den Sternen”, heißt es in dem Song.
Noch 2020 kritisierte Minaj die Migrationspolitik. Vor der Wahl sagte sie, sie werde Trump nicht unterstützen – aber sie sagte auch: Ich werde mich vor gar keinen politischen Wagen spannen lassen. Das hat sich zuletzt geändert.
Aufregung um Post mit Gold-Card-Visum
Wellen geschlagen hat gerade auch ein Social-Media-Post von ihr, in dem sie ein vermeintliches Gold-Card-Visum zeigt: Trump hat im September einen Erlass unterzeichnet, der es möglich machen soll, sich das Aufenthaltsrecht für eine Million Dollar zu kaufen.
Die “Queen of Rap” ist bis heute keine US-Staatsbürgerin – und der Post legte auf den ersten Blick nahe, der Präsident habe ihr persönlich die Einbürgerung geschenkt. Tatsächlich hat Minaj seit 20 Jahren eine Green Card und der Prozess für ihre Einbürgerung ist schon seit einiger Zeit angestoßen.
Dass Trump ihre Schmeicheleien gefallen, dürfte zumindest kein Hindernis sein. Er sagte kürzlich bei einem Treffen mit ihr: “Ich habe im Laufe der Jahre gehört, dass sie ein großer Trump-Fan ist – die größte Rapperin aller Zeiten: Nicki Minaj.”


