Die extrem hohen Spritpreise bringen Autofahrerinnen und Autofahrer zum Umdenken: Viele wollen wissen, wie sie spritsparend fahren können. Die wichtigsten Tipps im Überblick.
Verbraucherschützer, Fahrlehrer und Auto-Experten haben Hochkonjunktur: Angesichts der hohen Kraftstoffpreise ist ihr Wissen in Sachen Spritsparen gefragt wie lange nicht mehr. Dabei dürften ihre Tipps und Tricks älteren Fahrerinnen und Fahrern durchaus bekannt vorkommen.
Nach der Ölkrise von 1974 lehrten Fahrschulen jahrelang “vorausschauendes Fahren”. Als die Getriebe solider und die Motoren stärker wurden, kam “niedertouriges Fahren” hinzu. Vieles von damals hilft auch heute, manches hat sich verändert:
Tipp 1: Motor aus
Die Verbraucherzentrale Schleswig- Holstein empfiehlt an Ampeln das manuelle An- und Abstellen des Motors. Wer warten muss und keine Start/Stopp-Automatik hat, dreht die Zündung selbst aus und startet bei Gelb wieder, tunlichst ohne schwer aufs Gas zu treten. Vor fünfzig Jahren ging das noch nicht, weil die Motoren zu langsam reagierten.
Der ADAC rät zum Ausschalten des Motors, sobald eine Leerlaufzeit länger als 20 Sekunden wäre – und weist darauf hin, dass dies an Bahnübergängen sogar vorgeschrieben ist.
Tipp 2: Rollen lassen
Autofahrerinnen und -fahrer mit Schaltgetrieben können damals wie heute deutlich sparsamer fahren, wenn sie die Bremse schonen. Jeder Bremsvorgang, jedes Tippen auf die Bremse vernichtet Energie und kostet damit Sprit.
Wer sich dem Verkehrsfluss anpasst, Abstand hält und von Weitem sieht, dass vorne reihenweise gebremst wird, kann den Fuß vom Gas nehmen und erstmal weiterrollen. Oft geht es dann ohne eigenes Bremsen schon weiter.
Auch auf Landstraßen bietet es sich an, vor Ortschaften rechtzeitig vom Gas zu gehen und den Wagen die letzten paar hundert Meter rollen zu lassen.
Tipp 3: Möglichst konstante Geschwindigkeit
Ein weiteres Element des vorausschauenden Fahrens: Das Spritsparen “durch eine dem Verkehrsfluss angepasste, möglichst konstante Geschwindigkeit”, wie es vom ADAC heißt. Ein zu häufiges Beschleunigen (und dann wieder Bremsen) verbraucht unnötig Kraftstoff.
Beim Einfädeln auf eine Autobahn lautet die Regel, dass man sich nicht langsam der Reisegeschwindigkeit nähert, sondern zügig beschleunigt, schnell hochschaltet und dann gleichmäßig gleitet.
Tipp 4: Niedrige Drehzahl
Je niedriger die Drehzahl eines modernen Motors, desto weniger Sprit verbrennt er. Die heutigen vielfach übersetzten Schaltgetriebe ermöglichen niedertouriges Fahren.
Wer sich von unvernünftigen Sprints im Stadtverkehr abwendet, kommt innerorts gut im vierten und fünften Gang zum Ziel. Auch im Reiseverkehr auf Autobahnen kann im hohen Gang niedertourig gefahren werden, indem man langsam fährt.
Der Chefvolkswirt der Deka- Bank, Ulrich Kater, berichtet aus eigener Fahrpraxis: “Ich habe mir überlegt, wie ich Benzin sparen kann. Werde ich zum Verkehrshindernis, wenn ich auf der Autobahn Tempo 100 fahre?” Der Volkswirt wagte das Experiment und stellte erstens fest, bei gemäßigtem Tempo weniger als fünf Liter Benzin für hundert Kilometer zu brauchen. Zweitens dachten viele Reisende wie er: “Ich war kein Hindernis, da ist kaum noch jemand gerast.”
Was belegt: Viele Autofahrer können ihren Benzinverbrauch steuern. Und: Der Preis wirkt auch ohne Vorschriften auf das Verbrauchsverhalten. “Am Ende reagieren wir alle auf Preissignale”, sagt Kater. “Dafür müssen die aber auch wirken können.”
Tipp 5: Richtig gefüllte Reifen
Mit welcher Fläche das Auto den Boden berührt, beeinflusst den Benzinverbrauch. Kleinere Fläche bedeutet weniger Energieeinsatz, um das Auto in Bewegung zu bringen. Die Fläche lässt sich verringern, wenn die Reifen richtig aufgepumpt sind.
Der Reifendruck sollte bei jedem dritten Tankstopp überprüft werden. Wer mit um 0,1 Bar höheren Luftdruck als der Herstellerempfehlung fährt, macht nichts falsch und spart Sprit. Physiker sprechen vom “Rollwiderstand”.
Tipp 6: Keine unnötige Ladung
“Entrümpeln Sie Ihrem Kofferraum und befreien Sie das Fahrzeug von unnötigem Gewicht”, rät der Verbraucherzentrale Bundesverband. So kann schnell das Gewicht eines Passagiers gespart werden. Noch wichtiger ist der Luftwiderstand des Autos: Dach- oder Heckgepäckträger sind im Urlaub praktisch, im Alltag aber Spritfresser.
Die zahlreichen elektrischen Geräte im Auto fressen nicht nur Strom aus der Batterie. Die Batterie verlangt die Leistung von der Lichtmaschine, und die entzieht dem Motor Energie. Wer also Klimaanlage, Sitzheizung, Scheibenheizung und Co. nur dann einschaltet, wenn sie wirklich gebraucht werden, spart Batterieladung und damit Sprit.
Rückblick: Vergangene Zeiten
Hilfreich ist auch heute noch die Broschüre “Mehr Kilometer mit weniger Benzin” des Bundeswirtschaftsministeriums. Sie ist allerdings nur noch auf Flohmärkten, in Bibliotheken und antiquarisch zu bekommen. Das Heft erschien im Jahr 1980.
Damals steckten den Autofahrerinnen und Autofahrern zwei Ölkrisen in den Knochen: Die erste von 1974 war Fortsetzung des verlorenen Jom-Kippur-Krieges arabischer Staaten gegen Israel, die zweite von 1979/80 folgte der islamischen Revolution im Iran.
Die geopolitischen Ursachen sind damals wie heute ähnlich. Die individuelle Belastung ist gesunken. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat errechnet, dass durchschnittliche Arbeitnehmer 1980 5,4 Minuten für 10 Liter Superbenzin arbeiten mussten. Heute können sie sich den kleinen Kanister schon nach 4,9 Minuten leisten.

