Vor möglichen weiteren Verhandlungen zwischen Iran und den USA scheinen sich die Fronten wieder zu verhärten. Die Straße von Hormus bleibt gesperrt, es wurden Angriffe auf Schiffe gemeldet. Und Iran gibt sich selbstbewusst.
Im Ringen um eine Friedenslösung im Iran-Krieg ist weiter offen, wann die nächsten Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien stattfinden. Ebenso unklar ist, ob sich die Konfliktparteien auf ein Abkommen zur Beilegung des Krieges einigen können. Denn auch wenn sich US-Präsident Donald Trump zuletzt betont optimistisch gab, dass es damit recht schnell gehen könnte, sieht Iran eine Einigung noch in weiter Ferne.
Es habe zwar Fortschritte in den Verhandlungen gegeben, sagte der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf in einem im iranischen Fernsehen ausgestrahlten Interview. Doch von einer “letzten Gesprächsrunde” und einer Einigung seien Iran und USA noch weit entfernt. Es gebe noch “viele Diskrepanzen, und einige grundlegende Punkte sind nach wie vor offen”.
Beschuss von Schiffen in Straße von Hormus gemeldet
Einer dieser Punkte ist die seit Kriegsbeginn gesperrte Straße von Hormus, die nun von gleich zwei Blockaden betroffen ist – durch Iran und durch die USA. Die US-Blockade hindert Schiffe daran, iranische Häfen anzusteuern oder aus ihnen auszulaufen. Trump hatte klargestellt, dass die USA an dieser Sperre festhalten wollen, bis ein Abkommen mit Iran ausgehandelt worden ist.
Doch Iran sieht in der US-Blockade einen Verstoß gegen die noch bis Mittwoch geltende Waffenruhe. Ghalibaf bezeichnete sie in dem Interview erneut als “töricht und ignorant”, wie ARD-Korrespondentin Claudia Steiner berichtet. Aus diesem Grund wich Iran am Samstag von seiner nur einen Tag zuvor getroffenen Zusage, die Straße von Hormus für die Schifffahrt zu öffnen, wieder ab.
Die Islamische Revolutionsgarde Irans drohte kurz darauf mit Angriffen auf alle Schiffe, die versuchen sollten, die Meerenge zu durchqueren. Jeder Versuch, sich der Straße von Hormus zu nähern, werde als Kooperation mit dem Feind gewertet, hieß es in einer Mitteilung.
Am Samstag wurden gleich mehrere Zwischenfälle auf der Seeroute: Zwei unter indischer Flagge fahrende Öltanker sollen beschossen worden sein, woraufhin Indien den iranischen Botschafter einbestellte.
Zudem soll es nahe eines TUI-Kreuzfahrtschiffes, das ohne Passagiere an Bord auf der Straße von Hormus unterwegs war, einen Einschlag gegeben haben. Drei andere Kreuzfahrtschiffe, die infolge des Iran-Kriegs im Persischen Golf festsaßen, konnten die Meerenge hingegen durchfahren.
Iran schlägt harte Töne an
Die erste Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran, an der vor einer Woche auch US-Vizepräsident JD Vance teilgenommen hatte, war ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Es war das ranghöchste Treffen zwischen Iran und den USA seit der Islamischen Revolution 1979.
Eigenen Angaben nach hat Iran inzwischen “neue Vorschläge” vonseiten der USA erhalten, die nun geprüft würden. Doch das iranische Regime zeigt sich wenig kompromissbereit. Die iranische Verhandlungsdelegation werde “nicht den geringsten Kompromiss” eingehen, zurückweichen oder Nachsicht zeigen, hieß es vom Obersten Nationalen Sicherheitsrat des Iran. Vielmehr werde sie “mit all ihrer Kraft die Interessen der iranischen Nation verteidigen”.
Auch Parlamentspräsident Ghalibaf hob hervor, dass Iran den Krieg “auf dem Schlachtfeld” gewonnen habe. Die USA hätten ihre Kriegsziele nicht erreicht und Iran habe der Waffenruhe nur zugestimmt, weil die USA im Gegenzug “unseren Forderungen zugestimmt haben”.

