Fachleute dämpfen Erwartungen an Social-Media-Verbot für Kinder

Fachleute dämpfen Erwartungen an Social-Media-Verbot für Kinder

Stand: 20.04.2026 • 12:55 Uhr

Smartphones und soziale Medien prägen den Alltag junger Menschen – und bergen Risiken. Eine Expertenkommission stellt fest: Ein mögliches Social-Media-Verbot allein greife zu kurz, nötig sei ein ganzheitlicher Ansatz.

Mobbing, Sucht, Gewalt – junge Menschen sind online einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt. Eine einfache Lösung für den besseren Schutz für Kinder und Jugendliche kann es nicht geben, so das Fazit einer Expertenkommission. “Es ist zu kurz gesprungen, nur über Altersbeschränkungen nachzudenken”, sagte der Kommissionsvorsitzende Olaf Köller.

Der Bericht ist eine erste Bestandsaufnahme zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Familienministerin Karin Prien hatte die Kommission eingesetzt. Auch aus ihrer Sicht zeigt der Sachstandsbericht, “dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt nicht durch Einzelmaßnahmen zu erreichen ist”. Nötig sei vielmehr eine “vorausschauende und kontinuierlich weiterzuentwickelnde Gesamtstrategie”, erklärte Prien.

Auch Kinder und Jugendliche an Ergebnissen beteiligt

In dem Gremium arbeiten seit September 18 Fachleute aus unterschiedlichen Disziplinen an Empfehlungen für einen besseren Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Darunter sind Rechtsexperten, Kinderärzte, Experten der Psychologie und Pädagoginnen. An Workshops wurden auch Kinder und Jugendliche beteiligt. Ende Juni will das Gremium konkrete Handlungsempfehlungen vorstellen und im September einen Abschlussbericht vorlegen.

Die Bundesregierung muss dann entscheiden, welche Konsequenzen sie daraus zieht und welche konkreten Maßnahmen folgen sollen. Das könnte etwa eine Altersregelung für Social Media sein.

Digitale Medien nicht mehr wegzudenken

Dem Bericht zufolge sind digitale Medien heute ein zentraler Bestandteil im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Damit einhergehe ein breites Spektrum an Risiken – von Suchtgefahr und Cybermobbing bis hin zu Gewaltdarstellungen und sexualisierter Gewalt.

Wie anfällig junge Menschen für diese Risiken sind, hängt dem Bericht zufolge von individuellen Faktoren ab wie Alter, psychische Verfassung und sozialen Umständen. Zugleich betonte die Kommission die Chancen: Soziale Medien ermöglichten Austausch, Unterstützung und Freundschaften.

Seit Australien ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt hat, nimmt die Debatte auch in Deutschland Fahrt auf. Ministerin Prien hatte zuletzt eine gewisse Präferenz für eine Altersregulierung auf Social Media gezeigt, ebenso wie der Koalitionspartner SPD.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *