Die italienische Großbank UniCredit erhöht im Übernahmekampf den Druck und spricht der Commerzbank die Zukunftsfähigkeit ab. Im Falle einer Übernahme stellen die Italiener eine deutliche Gewinnsteigerung in Aussicht.
Die italienische Großbank UniCredit übt scharfe Kritik am Geschäftsmodell der Commerzbank. In einer Analyse bescheinigt sie ihr eine “Geschichte operativer Underperformance”. Die Commerzbank weise strukturelle Schwächen auf und sei inzwischen überbewertet, so UniCredit.
Als Großaktionärin ist die italienische Bank der Ansicht, “dass die Commerzbank auf zukünftige Herausforderungen unzureichend vorbereitet ist und sich zu sehr auf kurzfristigen Erfolg konzentriert.”
Die Bank solle ihre Aktivitäten im Ausland zurückfahren, diese seien “überdimensioniert, fragmentiert, risikoreicher, operativ komplex und ineffizient”. Stattdessen solle sich die Commerzbank mehr auf ihr Kerngeschäft in Deutschland und Polen konzentrieren.
UniCredit: Gewinnsteigerung bei Übernahme
Im Falle einer Übernahme stellt die UniCredit der Commerzbank eine deutliche Steigerung des Gewinns in Aussicht. Der Nettogewinn solle bis 2028 auf rund 5,1 Milliarden Euro steigen – 600 Millionen Euro mehr als die bisherige Schätzung von 4,5 Milliarden Euro. Dafür plant sie mit ihrer “Commerzbank Unlocked” genannten Strategie deutliche Einschnitte beim Management und den Abbau von Bürokratie.
60 Prozent der Einsparungen sollen dabei aus Einsparungen abseits vom Personal und aus dem internationalen Geschäft kommen und nicht den Standort Deutschland betreffen. Die restlichen 40 Prozent sollen vor allem durch die Streichung von Führungspositionen und den Abbau einer “ausufernden” Bürokratie erreicht werden.
Vorgehen trifft in Deutschland nicht auf Gegenliebe
Damit verschärft die UniCredit den Ton in den Übernahmeverhandlungen weiter – und der war ohnehin schon frostig. Bereits sei dem Einstieg bei der Commerzbank im September 2024 wirbt UniCredit-Chef Andrea Orcel für einen Zusammenschluss – ebenso lange wehrt sich die Commerzbank gegen die Pläne.
Mitte März legte die UniCredit dann ein Übernahmeangebot vor, das von der Commerzbank entschieden abgelehnt wird. Sie bezeichnet den Vorgang als feindliches Vorgehen der italienischen Bank.
Das SPD-geführte Bundesfinanzministerium spricht sich weiterhin klar gegen eine Übernahme aus. “Der Bund unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank”, sagte ein Sprecher des Ministeriums. “Eine feindliche Übernahme wäre – insbesondere mit Blick auf eine systemrelevante Bank wie die Commerzbank – nicht akzeptabel.” Die bekannte Position der Regierung habe sich nicht geändert.
UniCredit treibt Übernahme-Pläne voran
UniCredit zeigt sich von dem Widerstand unbeeindruckt. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai 2026 will sie die Zustimmung der Aktionäre über die hierfür notwendige Kapitalerhöhung einholen – wenige Tage vor der Hauptversammlung der Commerzbank am 20. Mai.
Sollte UniCredit durch die Offerte die Kontrolle erlangen, werde die Commerzbank zunächst für 18 Monate als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Sollte das Angebot nicht zur Kontrolle führen, werde UniCredit zwölf bis 18 Monate lang keine weiteren Schritte zur Kontrollübernahme unternehmen.

