Tesla-Verkäufe ziehen wieder an – auch auf dem europäischen Markt

Tesla-Verkäufe ziehen wieder an – auch auf dem europäischen Markt

Stand: 23.04.2026 • 09:23 Uhr

Tesla hat wieder mehr Fahrzeuge ausgeliefert und dadurch seinen Gewinn gesteigert. Nun greift der Konzern für Robotaxi- und KI-Pläne tief in die Tasche. Insgesamt werden in Europa wieder mehr Autos gekauft.

Der US-Elektroautobauer Tesla hat im vergangenen Quartal dank wieder besserer Auslieferungen mehr Umsatz und Gewinn gemacht. Die Erlöse stiegen im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 22,39 Milliarden Dollar, wie der Konzern mitteilte. Der Gewinn stieg um 17 Prozent auf 477 Millionen Dollar. Die Geschäfte des Elektroauto-Pioniers scheinen damit wieder besser zu laufen – auch weil sich der Automarkt generell erholt.

So kletterten die weltweiten Auslieferungen im ersten Quartal im Jahresvergleich um 6,3 Prozent auf 358.023 Fahrzeuge. Im Vorjahresquartal waren die Auslieferungen noch um 13 Prozent gefallen und auch im Gesamtjahr 2025 war der Absatz um 8,5 Prozent gesunken – zum zweiten Mal in Folge. Erstmals hatte Tesla dadurch sogar einen Umsatzrückgang verbucht.

Modellwechsel und Musk-Politik

Zu den Rückschlägen im vergangenen Jahr hatte unter anderem eine Umrüstung der Produktionslinien für ein Update des Bestsellers Model Y beigetragen. Ein weiterer Faktor waren die Kontroversen um die politischen Aktivitäten von Firmenchef Elon Musk, der eine Zeit lang ein enger Vertrauter von US-Präsident Donald Trump war und die Regierungsausgaben stutzen sollte. Einige potenzielle Interessenten wurden von den politischen Ansichten des Tech-Milliardärs offenbar abgeschreckt.

Doch auch die Politik der US-Regierung schmälerte den Gewinn von Tesla. Donald Trump entschied, dass in den USA Ende September 2025 die Steuervergünstigung von 7.500 Dollar beim Kauf eines Elektroautos wegfiel. Weil viele Kunden deswegen noch schnell ein Auto kauften, brachte das Tesla zunächst einen Rekordabsatz im dritten Quartal ein – danach kam der Einbruch. Außerdem entzog Trump Tesla eine verlässliche Geldquelle: die Einnahmen aus dem Handel mit Emissionszertifikaten.

Dazu kommt, dass das Unternehmen seinen Umbau voranbringt – was viel Geld kostet. Der Konzern stellte die älteren Modelle S und X ein und brachte etwas günstigere Versionen des Model 3 und des Model Y auf den Markt. Musk erklärte bereits nach den Absatzrückgängen im vergangenen Jahr, die Zukunft von Tesla liege ohnehin in autonom fahrenden Robotaxis und humanoiden Robotern.

25 Milliarden Dollar Investitionen

Dieser Roboter-Träume von Musk lässt sich Tesla einiges kosten. Das Unternehmen schraubt seine Investitionspläne für 2026 um ein Viertel nach oben. Insgesamt sollen im laufenden Jahr 25 Milliarden Dollar für Künstliche Intelligenz (KI), Roboter und Halbleiter ausgegeben werden. Im Januar das Unternehmen noch Investitionen von 20 Milliarden Dollar angekündigt.

Musk sagte, diese höheren Ausgaben seien gut begründet, um in der Zukunft Einnahmen zu generieren. An der Börse kamen die Pläne dennoch nicht gut an. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel 2,4 Prozent nach. Für Tesla ist es die kostspieligste Wette seiner Geschichte. Musk stellt seit längerem Robotik und autonomes Fahren in den Mittelpunkt. Konkret geht es um den humanoiden Roboter Optimus und das Robotaxi Cybercab – ein autonom fahrendes Auto ohne Lenkrad oder Pedale.

Bislang bietet Tesla seine Robotaxi-Dienste mit seinem Model Y an. Nach dem Start in der texanischen Stadt Austin sind die Fahrzeuge inzwischen auch in Houston und Dallas auf der Straße, und die Vorbereitungen für weitere Städte laufen. In Europa erhielt Tesla im April eine erste Genehmigung der niederländischen Behörden für sein System, allerdings noch in einer überwachten Version. Finanzchef Vaibhav Taneja rechnet damit, dass es in den kommenden Monaten in der ganzen EU zugelassen wird.

Automarkt in Europa wächst

In Europa, wo Musk wegen seiner politischen Aktivitäten zuletzt besonders abgestraft wurde, scheinen viele Menschen Tesla mittlerweile wieder positiver gegenüberzustehen – auch dank staatlicher Subventionen für Elektroautos. Nach Angaben des Herstellerverbands ACEA betrug das Absatzplus im März über 100 Prozent, nachdem im Januar und Februar noch 49 Prozent weniger Tesla-Fahrzeuge zugelassen wurden. Nun seien in Deutschland und Frankreich die Auslieferungen gegenüber dem Vorquartal um mehr als 150 Prozent gestiegen, berichtete der Tesla-Finanzchef Taneja.

Auch insgesamt ist der Automarkt in der EU im vergangenen Monat deutlich gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Neuzulassungen von Pkw um 12,5 Prozent auf 1,158 Millionen Autos, wie ACEA mitteilte. Im ersten Quartal ergab sich damit ein Plus von vier Prozent auf 2,823 Millionen Autos. Der Anteil vollelektrisch angetriebener Autos zog im Jahresvergleich von 15,2 auf 19,4 Prozent an.

Autoexperte befürchtet neuen Dämpfer

Im März gab es auf den großen Märkten Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien insgesamt Zuwächse. Marktführer in der EU blieb der Volkswagen-Konzern mit seinen Marken, die zusammengenommen ein Plus von 7,8 Prozent erzielten. Die Opel-Mutter Stellantis konnte mit 6,8 Prozent nicht ganz so deutlich zulegen wie der VW-Konzern. BMW verzeichnete ein Plus von 19,8 Prozent, während Mercedes-Benz 3,8 Prozent mehr Autos absetzte. Deutlich im Plus lag auch der chinesische Elektroautobauer BYD mit 155 Prozent.

Der Autoexperte Constantin Gall von der Beratungsfirma EY befürchtet allerdings ein “Strohfeuer”: Es scheine, als hätten einige Autohersteller “zum Abschluss des Quartals noch in großem Stil Neuwagen in den Markt gedrückt”, etwa über Tageszulassungen. “Es steht zu befürchten, dass sich der starke März als ein Strohfeuer erweisen wird und wir in den kommenden Monaten eine deutlich verhaltenere Entwicklung sehen werden.” Seine Skepsis begründet Gall auch mit der aktuellen Wirtschaftslage in Europa.

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