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Die Äußerung von Kanzler Merz zur Rente als “Basisabsicherung” hat Unruhe ausgelöst. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Vor allem im Osten ist die gesetzliche Rente häufig die Haupteinkommensquelle von Menschen im Ruhestand.
Für den Stichtag 1. Juli 2025 gibt die Deutsche Rentenversicherung die Zahl der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland mit knapp 21,5 Millionen an. Laut dem Bundessozialministerium stammen 53 Prozent der Bruttoeinkünfte von Menschen im Ruhestand aus der gesetzlichen Rente. Betriebsrenten tragen 7 Prozent bei, private Vorsorge 6 Prozent, Transferleistungen 1 Prozent. Erwerbsarbeit macht 13 Prozent der Bruttoeinkünfte von Rentnerinnen und Rentnern aus, andere Einkommensarten wie etwa Kapitaleinkünfte 17 Prozent.
Mittlerweile hat sich das Rentenniveau in Ost und West angeglichen, die sogenannte Hochwertung der Ost-Renten ist zum 1. Juli 2025 entfallen. Mit dieser Hochwertung wurde ausgeglichen, dass die allermeisten Ostdeutschen in ihrer Erwerbsbiografie viel weniger verdient haben als Westdeutsche.
Ost-West-Unterscheide
Das bedeutet aber nicht, dass Rentnerinnen und Rentner in Ost und West ungefähr gleich viel bekommen. Bei der gesetzlichen Rente sind Ostdeutsche wegen der Hochrechnung im Vorteil, haben dafür aber im Schnitt weniger von privater Vorsorge und Betriebsrenten. Laut Bundessozialministerium macht die gesetzliche Rente im Osten rund 80 Prozent der Bruttoeinkünfte von Ruheständlern aus.
Bundessozialministerin Bärbel Bas (SPD) hatte schon in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass in Ostdeutschland – Stand heute – 75 Prozent der Menschen nur über die gesetzliche Rente fürs Alter abgesichert seien. In Westdeutschland seien es 52 Prozent. Generell zeigt die Statistik: Wer wenig verdient, hat wenig Spielraum für zusätzliche Vorsorge und muss eher auf die gesetzliche Rente zählen. Das gilt auch im Westen.
Gender Pension Gap
Das Statistische Bundesamt gibt das Medianeinkommen einer Person über 65 Jahre aktuell mit 2.080 Euro an. Median bedeutet: Genau die Hälfte hat mehr, die andere Hälfte weniger Einkommen.
Frauen bezogen mit 1.820 Euro im Schnitt mehr als 24 Prozent weniger Alterseinkünfte als Männer, die durchschnittlich 2.400 Euro bekamen. Dieses sogenannte Gender Pension Gap wächst auf 36 Prozent, wenn man Hinterbliebenenrenten und -pensionen nicht berücksichtigt.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung kritisiert Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen bei der privaten Altersvorsorge. Auch hier seien Männer im Vorteil, da sie häufiger als Frauen über eine zusätzliche Absicherung verfügten. Auch wer viel verdient, einen höheren Bildungsstatus und keinen Migrationshintergrund hat, bekommt im Alter im Durchschnitt mehr Geld.
Zwar gehen Menschen in Deutschland zunehmend später in Rente. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg das durchschnittliche Renteneintrittsalter von rund 63 Jahren im Jahr 2004 auf 64,7 Jahre im Jahr 2024. Weil aber die Lebenserwartung schneller gestiegen ist, hat im gleichen Zeitraum auch die Rentenbezugsdauer zugenommen: von 19,5 Jahren bei Frauen und 14,3 Jahren bei Männern im Jahr 2004 auf 22,1 Rentenbezugsjahre bei Frauen und 18,9 bei Männern im Jahr 2024.
Quelle: epd, dpa

