Was die Generation Z vom Auto erwartet

Was die Generation Z vom Auto erwartet


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Stand: 24.04.2026 • 10:37 Uhr

Für viele junge Menschen ist das Auto kein klassisches Statussymbol mehr. Trotzdem entdeckt die Generation der unter 30-Jährigen es neu – und stellt ganz andere Ansprüche an Technik, Komfort und Nutzung.

Melanie Böff

Die Generation Z fährt kein Auto mehr – so zumindest das Klischee. Die “eine Gen Z” gibt es ohnehin nicht, wie in jeder Generation gibt es unter den heute etwa 16- bis 30-Jährigen große Unterschiede, auch mit Blick auf das Autofahren. Der Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung sagt: Wer ländlich lebe, benutze eher das Auto als in der Stadt, weil Bus und Bahn vielleicht nur selten fahren. Und: “Je höher der Bildungsabschluss, desto geringer die Autonutzung”, so Knie.

Der Umweltgedanke sei in der jungen Generation zwar häufig präsent, aber nicht unbedingt handlungsleitend. “Die Menschen gehen nicht in der Stadt umher und sagen, ich nehme jetzt kein Auto, weil das ja nicht umweltfreundlich ist.” Es gehe um pragmatische Entscheidungen, so der Experte.

Technologie und Komfort ist vielen wichtig

Laut einer Studie der ADAC Stiftung ist keine Generation so unzufrieden mit den Mobilitätsangeboten und schaut so desillusioniert in die Zukunft der Mobilität wie die heute 16- bis 27-Jährigen. Aus Mangel an Alternativen oder weil der öffentliche Nahverkehr nicht ausreichend ausgebaut ist, sind viele junge Menschen auf ein Auto angewiesen. Komfort in der Mobilität bleibt also offenbar wichtig.

Auch eine Konsumentenstudie der Beratungsgesellschaft McKinsey liefert Erkenntnisse über die Perspektive junger Menschen auf das Auto. Demzufolge seien Angehörige der Generation Z weniger loyal zu einzelnen Automarken als vorherige Generationen. Worauf junge Menschen zurzeit offenbar viel mehr setzen: die Technologie im Auto, das Design und die Nachhaltigkeit. Offener für Autonomes Fahren ist die junge Generation demnach ebenfalls.

Während der Fahrt online sein, Dinge erledigen können – auch das ist laut Mobilitätsforscher Andreas Knie jungen Menschen wichtiger als den älteren Generationen. “Junge Menschen leben in einer digitalen Welt. Sie sind permanent online. Und das lässt sich schwer machen, wenn man länger in einem Auto sitzt und selbst fahren muss.”

Das eigene Auto wird weniger wichtig

Ein eigenes Auto zu besitzen, sei heute nicht mehr so wichtig wie vielleicht früher einmal. Schließlich komme man auch anders von A nach B – auch dank zahlreicher Alternativen, so Knie. “Brauche ich gerade ein Auto, dann miete ich mir eben eins, leihe mir eins oder ich habe ein Auto-Abo.”

Und auch die Sicht auf das Auto als Statussymbol habe sich über die Generationen hinweg verändert, sagt der Mobilitätsforscher. “Die alte Idee: Ich fahre, also bin ich – wie das meine Generation der Babyboomer noch verstanden hat mit dem Auto als Maß für Freiheit, Wohlstand und Zufriedenheit -, das ist heute anders.”

Bezahlbar, digital und vernetzt

Trotzdem scheint es eine Art Renaissance des Autos bei jungen Menschen zu geben. Aber ihre Lebensrealität ist anders – und damit unterscheiden sich auch die Wünsche an das Auto.

Der Automobilexperte Harald Wimmer von der Beratungsfirma PwC fasst es so zusammen: “Junge Menschen wünschen sich ein bezahlbares, gut vernetztes Auto mit nahtloser Smartphone-Integration, soliden Assistenzsystemen sowie einfacher App-basierter Nutzung. Weniger Gimmicks, mehr gute User Experience.” Viele zögen auch die eigene Smartphone-Spiegelung einem integrierten Infotainment-System der Hersteller vor.

Die Preis-Frage

Eine Herausforderung für junge Menschen beim Auto bleibt laut Autoexperte Wimmer der Preis. “Die Finanzierung ist eine der großen Fragestellungen für die junge Generation. Und hier ist klar ersichtlich, dass Finanzierung und Leasing im Vordergrund stehen.” Auto-Abos, so Wimmer, existierten eher in der Nische.

Doch nicht nur hohe Kaufpreise für Neuwagen und vor allem für Elektroautos beschäftigt die Generation Z hierzulande. Auch die hohen Kosten des Führerscheins sind für viele junge Menschen eine große Hürde.

Wer in Deutschland einen Pkw-Führerschein der Klasse B macht, zahlt dafür im Schnitt bei etwa 3.400 Euro. Die Bundesregierung plant, den Führerscheinerwerb durch eine Reform ab 2027 günstiger zu machen.

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