Discounter Aldi Süd baut mehr als 1.200 Stellen ab

Discounter Aldi Süd baut mehr als 1.200 Stellen ab

Stand: 28.04.2026 • 16:31 Uhr

Aldi Süd will weiter sparen und am Stammsitz in Mülheim zahlreiche Stellen streichen – vor allem in der Digitalsparte. Doch auch sein Sortiment will der Discounter reduzieren. Was steckt dahinter?

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In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Preise geben die Menschen in der Regel weniger Geld aus und steigen auf billigere Produkte um – auch bei Lebensmitteln. Doch der Discounter Aldi Süd hat nun einen drastischen Stellenabbau angekündigt. Auf einer Mitarbeiterversammlung soll die Geschäftsleitung die Belegschaft zu Wochenbeginn darüber informiert haben, heißt es im Handelsblatt.

Kauflust so gering wie seit drei Jahren nicht mehr

“In der Corona-Krise hatten wir die Situation, dass es Gewinner und Verlierer gab”, sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln, gegenüber der ARD-Finanzredaktion. Doch aktuell gebe es nur Verlierer, denn die wirtschaftliche Lage führe zu einer generellen Konsumzurückhaltung – und die treffe alle Händler. Wegen des Iran-Kriegs fiel die Kauflust der Deutschen jüngst auf den tiefsten Stand seit Februar 2023.

Dazu kommen die bereits gestiegenen Kosten in der Logistik und der Verpackung, wie Carsten Kartum, Studiengangsleiter Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), beschreibt: “Die Branche ist extrem unter Margendruck.” Die Einkaufspreise der Produkte machen danach bei Aldi Süd etwa 75 Prozent der Kosten aus. “Um sich zu wappnen, was da noch kommt”, hinterfrage das Unternehmen derzeit alle Kostenpunkte.

Bis Ende kommenden Jahres sollen Medienberichten zufolge am Stammsitz in Mülheim an der Ruhr mindestens 1.200 Stellen wegfallen. “Aldi Süd optimiert seit jeher Prozesse und Strukturen”, teilte das Unternehmen der Lebensmittelzeitung mit. Im Zuge dessen habe es nun angekündigt, im Bereich Aldi International Services erstmals ein Freiwilligenprogramm umzusetzen. “Ziel ist es, perspektivisch rund 1.250 Stellen bis Ende 2027 abzubauen.”

Auch der Einsatz von KI könnte eine Rolle spielen

In der Deutschlandzentrale von Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr arbeiten 2.000 Menschen, bundesweit sind es 50.000. Der Discounter betreibt rund 2.000 Filialen und gehört zu den größten Lebensmittelhändlern in Deutschland. Die Flächen und das Personal machen laut Kortum knapp 20 Prozent der Kosten aus.

“Und da schaut Aldi schon seit Längerem, dass man Prozesse noch einfacher macht und Technologien auch nur dann einsetzt, wenn man wirklich produktiver wird und Geld spart”, so der Handelsexperte im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Eine Rolle könne dabei auch die Künstliche Intelligenz (KI) spielen. “In der reinen Filiale kann man mit KI zwar nicht so viel Produktivitätsgewinne erzielen, aber eben bei der Digitalisierung in der Zentrale.”

Betroffen ist den Angaben zufolge vor allem die internationale IT- und Digitalsparte Aldi International Services, wo mehr als 1.000 Stellen abgebaut werden sollen. Kündigungen seien nicht geplant, die Mitarbeitenden sollen freiwillig gehen und Abfindungen erhalten. Bestätigen wollte Aldi Süd die Pläne auf Anfrage nicht und teilte lediglich mit: “Wir werden uns dazu nicht weiter äußern.”

Digitalsparte wird ausgedünnt

Aldi Süd hatte seine IT-Abteilung in den vergangenen Jahren auf zeitweise über 4.000 Beschäftigte aufgestockt. Der Discounter hatte im November 2024 dafür sogar eine eigene Gesellschaft gegründet und sie Aldi DX genannt. Das ist die internationale Service- und Verwaltungsabteilung, in dem zentrale Funktionen wie IT und Einkauf zusammenlaufen. Rund 3.900 Menschen sind dort nach eigenen Angaben beschäftigt.

“Das ist ein riesiger Kostenblock, weil dort Spezialisten arbeiten, die viel verdienen”, sagt Kortum. Der Fachmann verweist in dem Zuge auch auf eine Softwareumstellung im Konzern, die inzwischen größtenteils abgeschlossen sei – und weniger Leute benötige. Außerdem vergebe Aldi Süd mehr Tätigkeiten an externe Dienstleister und bündele Tätigkeiten in Salzburg, wo die Holding sitzt.

“Es geht in der Branche auch einfach darum zu schauen, wo man die Körner gerade reinsteckt”, sagt IFH-Geschäftsführer Hedde. Jetzt sei gerade die Zeit, in der der Fokus auf der Effizienz liege. “Das heißt aber nicht, dass plötzlich das Thema Digitalisierung im Rahmen der Handelsunternehmen weniger Bedeutung hat.”

Kostenführerschaft verteidigen

Die Streichung von Jobs in der Digitalsparte ist für Aldi Süd derweil nicht das einzige Stellenabbauprogramm. Schon zu Jahresbeginn hatte das Unternehmen der Nachrichtenagentur dpa bestätigt, in den kommenden Jahren mehrere Hundert Jobs abzuschaffen. Im Januar war von bis zu 500 Arbeitsplätzen in den Bereichen Buchhaltung, Personal und Einkauf die Rede. Der Prozess hat demzufolge bereits 2025 begonnen.

Zu den Gründen äußerte sich der Konzern auch damals nicht konkret. Experte Kortum verweist darauf, dass Aldi Süd seine Stellung im Wettbewerb mit Lidl verteidigen will. “Die Preisführerschaft haben Lidl und Aldi gemeinsam. Je nachdem, welche Warengruppe man sich anguckt, ist es mal der eine und mal der andere, der zuerst die Preise senkt.”

Doch bei den Kosten habe Aldi bislang vorne gelegen – eigentlich die Basis dafür, die Preise zu bestimmen. “Der Stellenabbau ist also aus meiner Sicht auch schon ein kleines Signal an den direkten Wettbewerber: ‘Die Grundlage für die Preisführerschaft habe ich'”, meint Kortum. Von Lidl höre man solche Meldungen über Stellenabbau bislang nicht.

Weniger Artikel im Sortiment

Die Reduzierung des Sortiments, über die der WDR und die Lebensmittelzeitung jüngst berichtet haben, habe den Branchenkenner dagegen weniger überrascht. “Aldi dreht gerade jeden Stein um und da schaut man sich natürlich auch mal die Sortimente an.” Je nach Region will der Discounter den Berichten zufolge etwa 50 Artikel aus den Bereichen Molkereiprodukte, Wurst und Käse streichen. Schon zuvor waren Marken wie Ehrmann Grand Dessert oder Zott Sahne Joghurt aus dem Programm genommen worden.

“Aldi hat 1.800 bis 2.000 Artikel, und wenn man jetzt 50 rausnimmt, dann ist das nicht so dramatisch”, so Kortum. Das sei eine Art Korrekturschleife, die immer mal wieder stattfinde – nicht ohne Grund. “Wenn Sie bei Aldi reingehen, finden Sie heute sieben verschiedene Hackfleischsorten. Das ist eigentlich nicht mehr Discount.” Dementsprechend schärfe Aldi letztlich nur sein Modell.

“Aldi Süd entwickelt sein Sortiment kontinuierlich weiter. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns aus Wettbewerbsgründen darüber hinaus nicht äußern”, schreibt das Unternehmen selbst. Handelsforscher Hedde bezeichnet die Suche nach dem optimalen Angebot als eine große Aufgabe des Handels. “Der Konsument da draußen ist anspruchsvoll und möchte den richtigen Mix von entsprechend günstigen Angeboten und möglichst großer Vielfalt haben.” Da müsse jedes Unternehmen seinen individuellen Weg finden.

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