Urteil: Die Milka-Tafel ist eine Mogelpackung

Urteil: Die Milka-Tafel ist eine Mogelpackung

Stand: 13.05.2026 • 13:46 Uhr

Die Empörung war groß bei den Kundinnen und Kunden: höherer Preis, aber weniger drin in der neuen Milka-Schokoladentafel – und niemand hat es gemerkt. Das geht so nicht, urteilte jetzt das Landgericht Bremen.

Im Verfahren zur versteckten Preiserhöhung bei der Milka-Schokolade hat die Verbraucherzentrale Hamburg ihre Klage gegen den Hersteller Mondelez gewonnen. Das Landgericht Bremen entschied, die Füllmengenreduzierung von 100 auf 90 Gramm sei eine “relative Mogelpackung und somit eine Irreführung des Verbrauchers”, wie es heute mitteilte. Mondelez machte die Tafel Milka Alpenmilch zu Beginn des Jahres 2025 dünner und gleichzeitig teurer.

Die Entscheidung hatte sich bereits im Vorfeld angedeutet: Das Gericht war und ist wenig begeistert vom dem, was der Milka-Hersteller Mondelez sich hat einfallen lassen. Bei der mündlichen Verhandlung vor drei Wochen hatte das Gericht in seiner ersten Einschätzung schon durchblicken lassen, dass Kundinnen und Kunden durch die neue Packung getäuscht werden könnten. “Das ist eine relative Mogelpackung”, sagte der Vorsitzende Richter bereits zu Verhandlungsbeginn. “Der Verbraucher erkennt keinen Unterschied.”

Urteil noch nicht rechtskräftig

Um diese Irreführung zu vermeiden, hätte der US-Konzern deutlich und wahrnehmbar auf die geringere Menge hinweisen müssen. Ein solcher Hinweis müsse für mindestens vier Monate nach der Umstellung auf der Packung stehen, damit Verbraucher die Änderung verinnerlichen könnten, urteilten die Richter. Wie dieser konkret ausgestaltet werde, bleibe dem Unternehmen überlassen.

Das Unternehmen wies die Kritik im Prozess zurück. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen und auf Vorder- sowie Rückseite angegeben. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte Milka Alpenmilch-Schokolade schon 2025 zur “dreistesten Werbelüge des Jahres” gekürt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Mondelez kann dagegen noch Rechtsmittel einlegen.

“Wir nehmen die heutige Entscheidung des Gerichts zur Kenntnis und ernst und schauen uns die Urteilsbegründung des Gerichts jetzt im Detail an”, teilte Mondelez nach der Entscheidung auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. “Unabhängig davon werden wir weiter daran arbeiten, unsere Kommunikation klar zu gestalten. Unser Anspruch war und ist es, transparent, umfassend und verantwortungsvoll mit allen zu kommunizieren, die unsere Produkte kaufen und genießen.”

Kakao-Preise als Flaschenhals

Das, was jetzt im Bremer Gerichtssaal endete, hat natürlich auch eine Vorgeschichte, die sich bis heute durch die Bücher von Mondelez zieht. Auch der fast 80 Milliarden Dollar schwere US-Süßwarenriese bleibt anfällig für starke Schwankungen des Kakao-Preises. Wegen schwacher Ernten in den Kakao-Anbauländern Elfenbeinküste und Ghana waren die Kakaopreise ab 2023 durch die Decke gegangen – verursacht auch durch das Klimaphänomen El Nino.

Von 2.500 Dollar je Tonne Anfang 2023 auf bis zu 10.000 Dollar je Tonne Anfang 2024 war der Kakaopreis gestiegen. Das Problem dabei: Selbst wenn wie jetzt die Ernten wieder besser sind und die Preise fallen, kommen höhere Preise noch zum Tragen. Denn Kakao wird auf Termin weit im Voraus gekauft – so mancher Schoko-Weihnachtsmann hat somit eine teure Vorgeschichte.

Einnahmen zuletzt gestiegen

Seit Beginn des laufenden Jahres hat sich die Lage nun wieder etwas entspannt, die Preise gingen zurück, auch weil die Ernten wieder besser ausfielen. Die Kakao-Preise bleiben aber weiter ein Flaschenhals, wie Mondelez erst anlässlich seiner jüngsten Quartalszahlen erneut berichtete. So stiegen die Erlöse im ersten Quartal 2026 zwar um 8,2 Prozent, der Gewinn je Aktie sank aber um 14,9 Prozent deutlich.

Als Hauptursache nannte der Konzern, zu dem auch Marken wie Cadbury und Oreo gehören, die hohen Preise und Schwankungen beim Kakaopreis. Was letztlich dazu führte, dass trotz weiterhin hoher weltweiter Nachfrage Zwischendurch die Gewinne sanken. Hauptmärkte sind für Mondelez die Überseemärkte in den Schwellenländern – da wird der Dämpfer aus Bremen den Konzern nicht wirklich erschüttern.

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