Ticketbuchungen für Bahnfahrten durch Europa sollen einfacher werden. Das plant die EU-Kommission. Außerdem sollen Fahrgäste mehr Rechte bekommen.
Wer schon mal für eine Urlaubs- oder eine Dienstreise eine Bahnfahrt über Ländergrenzen hinweg innerhalb der EU buchen wollte, ist dabei vielleicht an seine Grenzen gekommen. Bei der österreichischen EU-Abgeordneten Lena Schilling von den Grünen war das so. “Die Realität ist sehr oft: Man braucht drei Apps, fünf Tabs und vielleicht noch ein Stoßgebet vor dem Schlafengehen.”
Tatsächlich ist das Ergebnis einer EU-Befragung: Jeder vierte Europäer, der schon eine Zugreise mit verschiedenen Anbietern gebucht hat, fand die Buchungserfahrung schwierig oder eher schwierig.
Eine Reise – ein Ticket
Die EU-Kommission möchte das ändern und setzt an verschiedenen Punkten an. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas spricht von einem “Gamechanger für die Zugfahrt in Europa”. Bei der Buchung einer Reise plant die Kommission das Konzept: “Eine Reise – ein Ticket”. Es soll also nicht mehr notwendig sein, eine Bahnreise mit verschiedenen Buchungen bei unterschiedlichen Anbietern zusammenzustellen.
Die Deutsche Bahn müsste dann zum Beispiel Züge des französischen Unternehmens SNCF im Buchungsportal anbieten, wenn sie in Deutschland halten – und das zu den gleichen Preisen wie auf der französischen Seite. Gerade gibt es teilweise deutliche Preisunterschiede, je nachdem, wo ein Ticket gebucht wird.
Hoffnung auf niedrigere Preise
Die EU-Kommission hofft, dass diese geplante Änderung einen positiven Effekt auf den Markt hat: “Transparenz fördert den Wettbewerb”, argumentiert Tzitzikostas. “Wir sind fest davon überzeugt, dass diese neue Regelung langfristig auch zu erschwinglicheren Bahnreisen beitragen und die Preise für Bahntickets senken kann.”
Außerdem sollen Reisende sich auch anzeigen lassen können, wieviel CO2 mit einer Zugfahrt ausgestoßen wird. Für die Kommission sind die Pläne ein Schritt hin zu ihrem Ziel, dass die Europäische Union bis 2050 klimaneutral wird. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die einfachere Ticketbuchung bereits 2024 in ihren politischen Leitlinien für die neue Kommission angesprochen.
Mehr Sicherheit bei Verspätungen und Ausfällen
Die EU-Kommission will mit ihrem Vorschlag auch die Fahrgastrechte stärken. “Wenn etwas schiefläuft und wenn zum Beispiel der erste Zug Verspätung hat und der Anschluss verpasst wird, dann werden Reisende umfassend geschützt”, verspricht Tzitzikostas. Konkret würde das heißen: Reisende dürften einen anderen Zug nehmen, auch wenn sie für den kein Ticket gebucht haben. Wenn es keinen nächsten Zug an dem Tag mehr gibt, dann soll eine Hotelübernachtung bezahlt werden.
Hier muss noch geklärt werden, wie das genau organisiert wird. Lena Schilling von den Grünen schlägt etwa ein Formular vor, das für alle Problemfälle innerhalb der EU funktioniert.
Jens Gieseke, verkehrspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion, zu der CDU und CSU gehören, findet es richtig, dass Fahrgäste mehr Rechte bekommen. Er sieht aber auch noch Klärungsbedarf aus Perspektive der Bahnunternehmen, zum Beispiel wenn es zu Problemen mit einer Strecke kommt: “Die Frage ist: Was ist mit der Haftung? Wer zahlt für welchen Teil? Habe ich das Risiko, dass ich sozusagen für die Gesamtsumme hafte, auch wenn ich nur eine Teildienstleistung erbringe?”
Zu viel Bürokratie?
Kritik gibt es am bürokratischen Aufwand für die Bahnunternehmen, wenn es etwa um den Datenaustausch geht.
“Ticketingsysteme der Bahn sind ja heute relativ große Systeme, auch mit diesen ganzen Sonderangeboten”, sagt Christian Böttger, Professor für Verkehrswesen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. “Das wäre ein gewaltiger IT-Aufwand, all dieses zu verbinden und das alles für dieses bisschen internationales Geschäft.” Er bezweifelt, dass die Bahnen durch die Änderungen Kunden gewinnen und fände einen Ausbau der internationalen Zugstrecken sinnvoller.
Das sind Themen, die sicherlich in den nächsten Monaten diskutiert werden. Die Vorschläge der EU-Kommission gehen nun an das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten. Sollten die zustimmen, könnten die neuen Regeln ein Jahr später gelten.

