In London haben zwei Großkundgebungen die Polizei in Atem gehalten: Mehr als 60.000 Menschen folgten dem Aufruf zu einem “Unite the Kingdom”-Marsch, etwa 20.000 Teilnehmer hatte eine pro-palästinensische Demo.
Es war ein arbeitsreicher Tag für die Polizei in London: Bei zwei Großkundgebungen gingen Zehntausende Menschen auf die Straße. Offiziellen Schätzungen zufolge schlossen sich mehr als 60.000 Menschen einer Kundgebung des Anti-Islam-Aktivisten Stephen Yaxley-Lennon, auch bekannt als Tommy Robinson, an, wie der britische Nachrichtensender Sky News unter Berufung auf die Metropolitan Police berichtete.
Premierminister Keir Starmer hatte den Organisatoren des “Unite the Kingdom”-Marsches vorgeworfen, Hass und Spaltung zu verbreiten. Die Regierung verweigerte im Vorfeld elf Personen die Einreise nach Großbritannien, um Redebeiträge von ihnen zu verhindern.
Demonstranten mit unterschiedlichen Forderungen
Robinson stammt aus der Hooligan-Szene. Er schafft es aber, Menschen aus verschiedenen Schichten und Altersgruppen anzusprechen. Unter den Teilnehmern der Demo fanden sich auch ältere Menschen, Frauen und Familien.
Auf Plakaten und Bannern waren Sprüche zu lesen wie: “Stop the Boats” – gemeint sind die Schlauchboote, mit denen Migranten den Ärmelkanal überqueren. Es waren auch Sprechchöre gegen Premierminister Starmer zu hören. BBC-Journalisten sprachen mit Teilnehmern, die die Meinung äußerten, weiße Mitglieder der Arbeiterklasse würden diskriminiert.
Demonstranten zündeten Leuchtkörper neben einer Winston-Churchill-Statue.
Großaufgebot der Polizei
Die Premiere der “Unite the Kingdom”-Demonstration hatte im vergangenen September mehr als 100.000 Menschen angezogen. Dabei war es zu Angriffen auf die Polizei gekommen. Gut zwei Dutzend Beamte wurden verletzt. Justizminister David Lammy warnte deshalb die Demonstranten, dass man rasch handeln werde, sollte es zu Gewalt kommen. An den Gerichten stünden zusätzliche Kapazitäten bereit.
Die Polizei bot 4.000 Beamte auf und sprach von ihrem größten Einsatz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung seit Jahren. Zudem wurden Pferde, Hunde, Drohnen und Hubschrauber eingesetzt. Es kamen auch Kameras mit Gesichtserkennung zum Einsatz. Nach Angaben der Polizei verliefen die Kundgebungen weitgehend friedlich. Am Nachmittag teilten die Behörden mit, insgesamt 31 Personen wegen verschiedener Delikte festgenommen zu haben.
20.000 Menschen erinnern an Vertreibung
Zeitgleich fand eine pro-palästinensische Kundgebung zum Nakba-Tag statt, an dem an die Vertreibung von Palästinensern infolge der Staatsgründung Israels 1948 erinnert wird. Die etwa 20.000 Teilnehmer der Demo hatten sich im Stadtteil Kensington versammelt und zogen Richtung Zentrum. Polizisten bauten Straßensperren auf, um die beiden Kundgebungen zu trennen.
Mit Blick auf die pro-palästinensische Demonstration hatte die Regierung angekündigt, dass die Polizei Teilnehmer festnehmen würde, sollten diese “Globalisiert die Intifada” skandieren. Dies ist ein Verweis auf die palästinensischen Aufstände gegen Israel. Viele Juden werten den Slogan als Aufstachelung zum Antisemitismus.

