Abbau von Geldautomaten: In der Kleinstadt ohne Bargeld

Abbau von Geldautomaten: In der Kleinstadt ohne Bargeld

Stand: 25.04.2026 • 16:29 Uhr

Vor allem ältere Menschen fühlen sich durch den Abbau klassischer Bankangebote abgehängt. Mancherorts kommt man kaum noch an Bargeld. Im brandenburgischen sorgt der Abbau eines Automaten für Empörung.

Von Jacqueline Piwon, rbb

“Das hat mit Service nichts mehr zu tun”, findet Mario Hetzel. Wie viele andere hat auch er erfahren, dass der Geldautomat der Deutschen Bank in seiner Heimatstadt Spremberg im Süden Brandenburgs im Sommer verschwinden soll. “Umständlich” sei das. “Wo soll ich denn dann hin?” Bis zum 30. Juni werden die Automaten abgebaut. Auch Kontoauszüge gibt es dann hier nicht mehr. Und damit ist die Kleinstadt kein Einzelfall.

Zwar sei Bargeld nach wie vor das meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland, der Trend zeige aber deutlich nach unten, sagt Paul Rudel von der Deutschen Bundesbank. Im Jahr 2023 waren rund 51 Prozent aller Transaktionen bargeldbezogen – 2021 waren es noch 58 Prozent. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass der Anteil bald unter die 50-Prozent-Marke sinken wird.

Trotz zunehmender Digitalisierung sind aber klassische Bankangebote weiterhin entscheidend. Rund 78 Prozent aller Bargeldabhebungen erfolgen laut Bundesbank an Geldautomaten. Gleichzeitig wird genau diese Infrastruktur von vielen Banken seit Jahren zurückgebaut, bestätigt Christian Rumke von der Verbraucherzentrale Brandenburg. “Wir sehen bundesweit einen Rückgang der Filialen von über 20 Prozent, bei den Automaten über zehn Prozent Rückgang. Der Trend ist klar. Banken ziehen sich immer mehr aus der Bargeldinfrastruktur zurück”, so Rumke.

Weniger Automaten, längere Wege

Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die noch überwiegend mit Bargeld bezahlen. Deshalb sieht die Brandenburger Seniorenbeauftragte Sylvia Grande den Rückgang der Bargeldstrukturen kritisch. Gerade ältere Menschen müssten immer häufiger lange Wege in Kauf nehmen. Hinzu kommt ein sozialer Aspekt: “Man will den Enkelkindern ja auch mal etwas zustecken.”

Auch alternative Angebote wie Bargeldabhebungen im Supermarkt seien nicht zuverlässig. “Oft steht dort gar nicht genug Bargeld zur Verfügung”, so Grande. Der Grund: Viele Kundinnen und Kunden zahlen inzwischen mit Karte, wodurch weniger Bargeld in den Kassen vorhanden ist.

Sicherheitsrisiko und hohe Kosten

Die Banken begründen den Abbau von Geldautomaten vor allem mit der sinkenden Nachfrage nach Banknoten. “Die mobilen und Online-Angebote, aber auch das Telefonbanking werden von den Kunden stärker genutzt.” Auch Supermarktkassen würden immer häufiger zum Bargeldabheben genutzt. Außerdem seien die Bankautomaten ein Sicherheitsrisiko, würden häufig gesprengt und ausgeraubt, das kostet die Banken viel Geld.

In Brandenburg ist die Situation angespannter als im Bundesdurchschnitt. Hier beträgt die durchschnittliche Entfernung zum nächsten Bargeldzugangspunkt etwa 2,1 Kilometer – deutlich mehr als der bundesweite Schnitt von 1,2 Kilometern.

Ruf nach politischem Eingreifen

Angesichts solcher Entwicklungen wächst auch der Druck auf die öffentliche Hand. Christian Rumke von der Verbraucherzentrale Brandenburg sieht insbesondere die Sparkassen in der Pflicht: Als Anstalten des öffentlichen Rechts hätten sie einen klaren Versorgungsauftrag. “Immer da, wo der Markt versagt – wie wir es etwa beim Rückzug privater Banken sehen – ist es Aufgabe der öffentlichen Hand einzuspringen”, sagt Rumke. Das könne bedeuten, kommunale Sparkassen stärker zur Präsenz zu verpflichten oder gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Mindestdichte an Filialen sichern.

Denkbar seien auch Kooperationsmodelle, wie in den Niederlanden: Dort betreiben mehrere Banken gemeinsam ein flächendeckendes, gebührenfreies Netz an Geldautomaten unter einer zentralen Organisation. Konkurrenz tritt dabei in den Hintergrund, um die Bargeldversorgung langfristig zu sichern – auch in ländlichen Regionen.

Zugleich plädiert Rumke für mehr Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Instituten. Kooperationen seien möglich und sinnvoll – etwa, um die Bargeldversorgung gemeinsam sicherzustellen. Kritik übt er dennoch deutlich: Die Sparkassen machten es sich teils zu einfach, obwohl sie eigentlich einen Auftrag zur Daseinsvorsorge hätten.

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