Adoption soll Japans Monarchie retten – Frauen bleiben ausgeschlossen

Adoption soll Japans Monarchie retten – Frauen bleiben ausgeschlossen

Stand: 10.07.2026 • 13:16 Uhr

Japans Monarchie geht der Nachwuchs aus. Deshalb soll die Thronfolge künftig auch durch Adoptionen gesichert werden können. Frauen – wie der beliebten Prinzessin Aiko – bleibt der Kaiserthron hingegen weiter verwehrt.

Ulrich Mendgen

Wo immer sie auftaucht, gibt es Sprechchöre und Jubel: Prinzessin Aiko, der Popstar der ältesten Monarchie der Welt. Das einzige Kind des japanischen Kaisers Naruhito und seiner Frau Masako drängt sich nicht in den Vordergrund, auch wenn viele in Japan sie gern genau dort sehen würden – als die nächste Kaiserin.

Doch ein neues Gesetz lässt diesen Traum platzen. Nicht die Zulassung von Frauen zur Thronfolge soll den Personalmangel im Kaiserhaus beheben, sondern die Aufnahme neuer Männer. Dahinter stehe der Einfluss traditionalistischer Kreise, erläutert Professor Naotaka Kimizuka, ein Historiker und Politikwissenschaftler an der Komazawa-Universität in Tokio. “Weil man darauf besteht, dass der Nachfolger ein Mann sein muss, sucht man nun gewissermaßen sehr weit entfernte Verwandte”, so Kimizuka.

Als Erben von Kaiser Naruhito kommen derzeit nur drei Männer infrage.

Reform erlaubt Adoption entfernter Verwandter

Die Reform ermöglicht die Aufnahme von Nachkommen des ehemaligen Hochadels von Japan in das Kaiserhaus. Diese Familien verloren nach dem Krieg ihre Titel, sollen aber jetzt wieder herangezogen werden. Solche Kandidaten könnte der Kaiser adoptieren. Ihre Nachkommen wären potenzielle Thronfolger. Das ist einer Mehrheit im Parlament offenbar lieber als Frauen auf den Thron zu lassen.

Dabei hält es Historiker Kimizuka für gut möglich, dass sich niemand findet, der Interesse an einer solchen Adoption zeigt. Ein solcher Fall sei nicht durchdacht worden, sagt er. Deshalb reiche der jetzige Vorschlag keinesfalls aus. “Man muss die Bestimmung über männliche Nachfolger aus der männlichen Linie abschaffen”, so Kimizuka. Er fordert, dass Artikel 1 des Gesetzes gestrichen und vollständig neu formuliert wird.

Die Zeit für eine Lösung drängt, denn das japanische Kaiserhaus zählt heute nur noch 16 Mitglieder. Weil Frauen von der Thronfolge ausgeschlossen sind, kommen als Erben des 66 Jahre alten Kaisers Naruhito nur drei Männer infrage. Einer ist Naruhitos Bruder, mit 60 Jahren der aktuelle Kronprinz. Dahinter folgt dessen 19-jähriger Sohn. In Reserve steht außerdem der Onkel des Kaisers, 90 Jahre alt. Eine dünne Personaldecke.

Die Bevölkerung wünscht sich eine Kaiserin

Auf der belebten Kreuzung vor dem Bahnhof Shibuya in Tokio fällt das Votum der Passanten eindeutig zugunsten der populären Prinzessin Aiko aus. Auch die 70-jährige Hausfrau Keiko ist eine glühende Verehrerin: Die Gesetzesänderung sei überstürzt, findet sie. Keiko wünscht sich, dass die Stimmung in der Bevölkerung berücksichtigt wird. Wenn die Tochter des Kaisers diesem eines Tages nachfolge, würde das alle Japaner glücklich machen, sagt sie.

Doch von einer Frau auf dem Chrysanthementhron ist das Land heute weiter entfernt denn je.

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