Asylmissbrauch in Großbritannien – Fake-Identitäten und falsche Asylgründe

Asylmissbrauch in Großbritannien – Fake-Identitäten und falsche Asylgründe

Stand: 15.04.2026 • 16:37 Uhr

Fake-Identitäten, falsche Angaben zur sexuellen Orientierung oder gefälschte Beweise gegen Geld: Eine BBC-Recherche zeigt, wie das britische Asylsystem systematisch ausgenutzt wird – und wer davon profitiert.

Christoph Prössl

Der britische Rundfunksender BBC berichtet von einer ganzen “Schatten-Industrie” von Anwaltskanzleien und Beratern, die Geflüchteten in Großbritannien zu Asyl verhelfen – teilweise gegen Geld.

Das zeigt eine Undercover-Recherche des Senders. Asylsuchenden würden auch Fake-Identitäten gegeben, damit über den Asylantrag positiv entschieden werde. Die Journalistinnen und Journalisten kommen zu dem Schluss, dass das Asylsystem systematisch ausgenutzt wird.

Mann in die Szene eingeschleust

Ein Rechercheteam der BBC hatte einen jungen Mann in die Szene eingeschleust, der vorgab, dass sein Studentenvisum auslaufe, er aber in Großbritannien bleiben wolle. Daraufhin wurde er von einer Beraterin kontaktiert, die ihm ein Angebot machte, wie er durch das Asylverfahren begleitet werden könne. Im Beratungsgespräch, das heimlich gefilmt wurde, machte die Beraterin deutlich, es gebe nur einen Weg: Er müsse sagen, dass er schwul sei.

Derzeit gebe es nur eine Möglichkeit, ein Visum zu erhalten, so die Beraterin. Die Grundlage seien die Menschenrechte. Er müsse nachweisen, dass er eine Person mit einem LGBTQ-Hintergrund sei. Denn beispielsweise in Pakistan werden homosexuelle Personen verfolgt.

Falsche Zeugen angeboten

Auf die Aussage, dass er nicht schwul sei, antwortete die Beraterin, in dem Gespräch, das die BBC nachstellte, das sei eben der einzige Weg, einen Aufenthaltstitel zu bekommen. Eine Person bot sogar an, jemanden vermitteln zu können, der behaupten würde, dass der Geflüchtete mit dieser Person eine Beziehung habe.

Eine Beraterin prahlte damit, dass sie bereits seit 17 Jahren auf diesem Wege Menschen helfe, Asyl zu erhalten. Außerdem wurde der von der BBC eingeschleusten Person empfohlen, beim Hausarzt vorzugeben, an Depressionen zu leiden. Ein anderer Berater bot seine Dienste für 1.700 Euro an – um falsche Beweise herzustellen verlangte er weitere 2.500 bis 3.500 Euro.

Um Nachweise zu erzeugen, laden Beraterinnen und Berater offenbar auch zu Treffen für angeblich homosexuelle Personen ein. Die BBC drehte dazu im Osten Londons und befragte mehrere Besucher dieses Treffens. Alle sagten, sie seien nicht schwul.

Dimensionen des Missbrauchs unklar

Wie viele solcher Berater, die diese Dienste anbieten, es gibt, konnte die Recherche nicht ermitteln. Unklar ist auch, wie viele Personen durch die Angaben falscher Tatsachen tatsächlich Asyl erhalten haben.

Das britische Innenministerium reagierte indes auf die Enthüllungen und teilte mit, jeder, der das System ausnutze, die volle Kraft des Gesetzes spüren werde – dazu gehöre auch, aus dem Vereinigten Königreich ausgewiesen zu werden. Die Anwältin für Migrationsrecht, Ana Gonzalez, sagte, die Ergebnisse der Recherche machten sie wütend. Der Missbrauch machte es für andere Personen schwerer, Asyl zu erhalten.

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