Jubel für ESC-Gewinnerin Dara bei der Ankunft in Sofia. 2027 wird der ESC in Bulgarien stattfinden. Die Kosten dürften dort noch für Diskussionen sorgen – und vielleicht auch das Thema Offenheit für LGBTQ.
Die 27-jährige Sängerin Dara, die mit vollem Namen Darina Yotova heißt, wird wie eine Heldin am Flughafen der bulgarischen Hauptstadt Sofia empfangen. Auf dem Rollfeld stehen zwei Feuerwehrautos Spalier und sprühen eine riesige Wasserfontäne, durch die das Flugzeug, mit Dara und ihrer Delegation an Bord, hindurchfährt.
In der Empfangshalle heizt unterdessen eine Mädchen-Hiphop-Tanzgruppe ein. Hunderte Fans warten auf die Ankunft von Dara. “Ich bin hier, um Dara nach ihrem großartigen Auftritt beim ESC zu sehen. Ich habe von Anfang an an sie geglaubt”, sagt die 15-jährige Viktoria. Bangaranga, das Lied mit dem Dara am Samstag den ESC in Wien gewonnen hat, sei “unglaublich unterhaltsam und energiegeladen”.
Dara wurde von vielen Fans am Flughafen von Sofia erwartet.
“Wir können den ESC 2027 kaum erwarten”
Danail Todorow wartet mit seinem Sohn auf die ESC-Siegerin. “Wir möchten Dara gratulieren und ihr sagen, dass wir stolz auf sie sind”, erzählt er. Dara sei ein Vorbild für die junge Generation. “Wir sind ganz aufgeregt und können den ESC 2027 kaum erwarten. Wir werden zu den Ersten gehören, die sich Tickets sichern”, sagt Todorow.
Und dann kommt Dara durch die Schiebetüre – mit ihrem ESC-Pokal. Sie hebt ihn in die Luft und wird von einer Konfettikanone beschossen. Goldene Konfetti regnen auf sie herab.
Dara richtet eine Botschaft an ihre Fans: “Dieser Sieg bedeutet mir sehr viel, denn gerade den Kindern kann ich zeigen, dass alles möglich ist und dass es nichts ausmacht, aus einem kleinen Land zu kommen, denn wir können mit unserer Arbeit, unseren Träumen und unseren täglichen Anstrengungen die ganze Welt erobern.”
Konfetti sind eine feste Größe beim ESC – und fehlten auch bei Daras Ankunft in Sofia nicht.
Eine feste Größe der bulgarischen Popszene
Dara kommt aus der bulgarischen Schwarzmeerstadt Varna. Sie wurde vor zehn Jahren bekannt, durch die Casting-Show “The X-Factor Bulgaria”. Im Laufe der Jahre wurde sie zu einer festen Größe in der bulgarischen Popszene.
Beim ESC zählte man sie ursprünglich nur zum erweiterten Favoritenkreis. Finnland sahen die Buchmacher durchgehend auf Platz eins. Griechenland und Israel galten als die Publikumslieblinge. Doch dann kam Dara mit ihrem Balkan-Diskokracher Bangaranga – einer Mischung aus Balkanmusik und K-Pop. Am Ende gewann Dara mit dem größten Abstand, den es je beim ESC gab – vor Israel und dem Überraschungsdritten Rumänien.
“Natürlich ist Sofia bereit”
2027 findet der ESC also zum ersten Mal in Bulgarien statt. Wo genau, das wird nun diskutiert. Dara sprach nach ihrem Sieg wie selbstverständlich von der Hauptstadt Sofia. Und das sieht auch der dortige Bürgermeister Vasil Terziev so. “Natürlich ist Sofia bereit und kann es kaum erwarten”, sagte der Politiker.
Die Arena Sofia ist mit 17.000 Plätzen die größte des Landes. Aber auch der Bürgermeister der Schwarzmeerstadt Burgas, der Nachbarstadt von Daras Heimatstadt Varna, will den ESC ausrichten. Die Arena in Burgas hat immerhin 15.000 Plätze. Plovdiv bringt sich auch ins Spiel.
Bulgarien gilt nicht als LGBTQ-freundlich
Bulgarien gilt als eines der ärmsten und korruptesten Länder in der EU und hatte in den letzten drei Jahren keine Kandidaten zu den Song Contests geschickt – wegen finanzieller Probleme beim bulgarischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk BNT. Doch Bulgariens Kulturminister Ewtim Miloschew ist davon überzeugt, dass man die Ausrichtung des ESC gemeinsam schaffen werde.
“Der Ministerrat ist noch in dieser Woche bereit, alle Behörden und Institutionen zu organisieren, die mit der Ausrichtung des ESC 2027 in Bulgarien beschäftigt sein werden. Dazu gehören natürlich die Auswahl des Veranstaltungsortes, die Finanzierung, die Logistik, die Organisation, das Marketing, die Werbung und die Sicherheit”, sagt der Kulturminister.
Der ESC wird seit einigen Jahren stark von der internationalen LGBTQ-Community geprägt. Die Frage ist, wie diese in Bulgarien aufgenommen wird, denn die bulgarische Gesellschaft gilt da als nicht besonders offen. Die LGBTQ-Szene ist in Bulgarien nur an wenigen Orten sichtbar.

